Duft des Erfolgs„Glück riecht nach Urlaub auf einer Yacht im Mittelmeer“

Meister-Parfümeur Michel Almairac von Robertet
Meister-Parfümeur Michel Almairac von RobertetPR


Wie riecht eigentlich Geld? Und was macht ein Eau zum Bestseller? Diese und weitere Fragen stellen wir in unserer Serie „Duft des Erfolgs“ den besten Parfümeuren der Gegenwart. Diesmal stellt sich Branchenveteran Michel Almairac unseren Fragen, der 1953 in Grasse geboren wurde und seit Ende der 1990er Jahre für den französischen Dufthersteller Robertet arbeitet. Einige seiner bisher bekanntesten Kreationen: „Cašmir“ (Chopard), „Parco Palladiano VII“ (Bottega Veneta), „Burberry Body“, „Joop! Homme“ und „Gucci Rush Pour Femme“.


Welcher Duft motiviert Sie am Morgen?

MICHEL ALMAIRAC: Ich habe das Glück, am Meer zu wohnen. Wenn ich morgens die Fenster öffne, weht eine frische, salzige Brise in die Zimmer.

Welche Note beziehungsweise Komposition ist ideal für einen CEO?

Edle Hölzer verströmen definitiv Stärke und Stabilität, dank ihres intensiven Abgangs. Dazu passen dann aquatische, würzige und ozonische Noten, die Eleganz und Wagemut verströmen. Die perfekte Kombination also für einen Topmanager und alle Männer, die sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen müssen.

Welcher Geruch beschreibt Ihre Kindheit?

Das neue Eau de Parfum „Brioni“ der gleichnamigen Modemarke
Das neue Eau de Parfum „Brioni“ der gleichnamigen Modemarke

Ich bin in der Parfümstadt Grasse aufgewachsen, da ist man vom ersten Tag an umgeben von zahllosen Düften: Mimosen im Februar, Orangenblüten und Rosen im Frühling, Jasmin und Tuberose im Sommer. Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Welche Duftzutat, welcher Rohstoff inspiriert Sie gerade besonders?

Dunkle Schokolade und die ganze Kakaobohne.

Welche Note ist leider in Vergessenheit geraten?

Wie die Mode ist auch die Parfümerie ein ständiger Anfang, man kehrt immer wieder zu den Wurzeln zurück, um etwas Neues zu schaffen. Da gibt es keine überholten Aromen, denn sowie man sie mit einer gerade angesagten, trendigen Zutat zusammenbringt, offenbaren sich ganz neue Aspekte ihrer Persönlichkeit. So ist es beispielsweise mit der Tuberose, eine Pflanze mit opulent duftenden Blüten, die seit über 400 Jahren in Europa bekannt ist. Lange galt sie als Oldie, wurde kaum benutzt, und jetzt ist sie die Hauptzutat vieler Bestseller auf dem Markt.

Welches Parfüm tragen Sie privat sehr häufig?

Als professionelle „Nase“ trage ich ständig ein neues Parfümprojekt, an dem ich arbeite. Ehe ein Kunde daran schnuppert, will ich wissen, wie sie sich auf meiner Haut entwickeln, wie die Mischung der Rohstoffe über den Tag eine sich verändernde Geschichte erzählen.

Was können Sie wirklich nicht mehr riechen?

Ich lehne es ab, irgendeine Zutat zu verbannen. Das würde bedeuten, auf fantastische neue Einsatzmöglichkeiten dafür zu verzichten.

In aller Kürze: Wie duftet …
… Glück?

Nach dem Wind, der den Duft des Frühlings und von Orangenbäumen in voller Blüte zu mir trägt, während ich auf einer Segelyacht im Mittelmeer stehe.

… Erfolg und Geld?

Wie die Begriffe selbst ist der Geruch von Erfolg und Geld extrem flüchtig. Zumindest stinken soll Geld ja einem Sprichwort zufolge nicht …

… Liebe?

Nach einem Lippenstift, also nach Iris und Veilchen. Elegant und verzaubernd.

… Stille?

Nach wildem Lavendel, der in der kleinen Berggemeinde Caussols im Sommer blüht. Dort oben regiert die Ruhe. Nur die Luft ist in Bewegung und lässt diesen herrlichen Duft zu uns ins Tal ziehen.

… Spaß?

Gourmand-Noten wie Karamell oder Marshmallows.

Was ist die spezielle Herausforderung in der Männer-Parfümerie?

Es gibt generell keine Regeln (mehr) in der Parfümerie. Aber maskuline Düfte sind herausfordernd, weil es nicht leicht ist, innerhalb ihrer traditionellen Strukturen etwas Neues zu erfinden. Da müssen Marken und wir Parfümeure besonders eng zusammenarbeiten.

Welches Parfüm werden wir im Jahr 2030 aufsprühen?

In meinen Augen ist unsere Branche im letzten Jahr an einem Wendepunkt in ihrer Geschichte angelangt. Das hat mit der Pandemie aber auch mit den immer dynamischeren gesellschaftlichen Veränderungen und den Folgen für den Geschmack der Kunden zu tun. Im Jahr 2030 werden natürliche Rohstoffe und authentische, intime Kompositionen um sie herum, das Herz jedes Parfüms bilden.

Welches Parfüm ist Ihr absolutes Evergreen?

Das ist „Eau Sauvage“ von Dior, dass Edmond Roudnitska 1966 schuf. Frische Zitrusnoten und erstmals mit dem heute oft gebrauchten synthetischen Duftstoff Hedion, der eine Jasmin-ähnliche Note besitzt.