Duft des Erfolgs„Erfolg riecht nach dem Schweiß eines Athleten“

Parfümeur und Unternehmer Francis Kurkdjian
Parfümeur und Unternehmer Francis KurkdjianFrancois Roelants


Wie riecht eigentlich Geld? Und was macht ein Eau zum Bestseller? Diese und weitere Fragen stellen wir in unserer Serie „Duft des Erfolgs“ den besten Parfümeuren der Gegenwart. In dieser Folge kommen Francis Kurkdjian, er kreierte Dutzende Erfolgsdüfte für Marken wie Gaultier, Dior, Yves Saint Laurent und Giorgio Armani, sowie sein Geschäftspartner Marc Chaya zu Wort. Ihre Maison Francis Kurkdjian stellte kürzlich ein neues Trio von Parfüms vor: „Aqua Universalis Cologne forte“, „Aqua Vitae Cologne forte“ und „Aqua Celestia Cologne forte“ – drei Interpretationen der klassischen Rezeptur eines Eau de Cologne.


Welcher Duft motiviert Sie am Morgen?

MARC CHAYA (MC): Normalerweise bin ich ein Frühaufsteher und starte zeitig in den Tag. Das Parfüm muss zu meiner Stimmung passen, dem Outfit, das ich aus dem Schrank wähle, dem Wetter vor dem Fenster und dem ersten Termin auf der Agenda. Aus unserem Portfolio gefallen mir die Frische und die energiereichen Noten von „Gentle Fluidity“ und „Aqua Universalis“. Damit gelingt der morgendliche Kickoff garantiert!

Welche Note beziehungsweise Komposition ist ideal für einen CEO?

MC: Das hängt natürlich von der jeweiligen Person und ihrem Stil ab. Generell ist der Duft ideal, welcher den Charakter von jemandem unterstreicht und seine/ihre Laune sowie sein/ihr Selbstbewusstsein positiv beeinflusst.

Welcher Geruch beschreibt Ihre Kindheit?

Gründer-Porträt: die Parfüm-Unternehmer Francis Kurkdjian (l.) und Marc Chaya
Gründer-Porträt: die Parfüm-Unternehmer Francis Kurkdjian (l.) und Marc Chaya

MC: Ich bin im Libanon aufgewachsen, an der Mittelmeerküste, inmitten unzähliger Farben, Aromen und Gerüche. Der Duft von Jasmin gehörte ebenso dazu wie verdorrten Pinien und die Küche meiner Mutter.

FRANCIS KURKDJIAN (FK): Mir blieben vor allem die unterschiedlichen Parfüms im Gedächtnis, die in meiner Familie getragen wurden. Mein Großvater beispielsweise verdünnte sein Eau de Cologne immer mit irgendetwas, ich sah ihn oft beim Mischen seiner ganz eigenen Kreation. Meine Großmutter hinterließ bei jeder herzlichen Umarmung einen Hauch „Femme“ von Rochas auf meiner Haut. Meine Mutter benutzte oft neue Düfte: „First“ von Van Cleef & Arpels“, „Fidji“ von Guy Laroche“, „Mitsuoko“ von Guerlain oder „Lagerfeld Classic“. Und mein Vater trug meist „Kouros“ von Yves Saint Laurent.

Welche Duftzutat, welcher Rohstoff inspiriert Sie gerade besonders?

FK: Für mich sind alle Zutaten bloß Werkzeuge, um das Parfüm zu erschaffen, was ich im Geiste vor mir sehe. Wie die Worte eines Schriftstellers oder die Farben eines Malers. Also mag ich alle Noten, weil jede ein Teil des Lebens und unserer Welt ist.

Welches Parfüm tragen Sie privat sehr häufig?

FK: Das klingt jetzt vielleicht überraschend, aber seit ich Parfümeur bin, seit über 25 Jahren, trage ich privat kein Parfüm mehr. Das ist meine Art, etwas Abstand vom Job zu bekommen und es erlaubt meiner Nase dringend nötige Verschnaufpausen. Außerdem bleibe ich so hungrig auf neue Ideen und Düfte.

MC: An einem normalen Arbeitstag greife ich zu „Amyris Homme“ oder „Gentle Fluidity Silver“, die aus unserer Maison kommen. Für elegante Abendevents kann ich „Oud Satin Mood“ oder „Grand Soir“ wärmstens empfehlen.

Was können Sie wirklich nicht mehr riechen?

FK: Ich führe keine „No-go“-Liste oder so etwas. Alles kann in einer bestimmten Formulierung seine absolute Berechtigung haben. Die Kombination entscheidet, nicht die einzelne Zutat.

In aller Kürze: Wie duftet …

… Glück?

FK: Nach einem köstlichen Abendessen mit meinen Freunden.

… Erfolg?

FK: Nach dem Schweiß eines Athleten beim Zieleinlauf.

… Geld?

FK: Zu diesem Thema habe ich 2003 mit der Künstlerin Sophie Calle zusammengearbeitet. Ausgangspunkt war für uns eine alte 1-Dollar-Note, die durch viele Hände gegangen war. Sie roch nach Druckerschwärze, Leinen-Papier und Schmutz.

… Liebe?

FK: Nach der Nackenpartie eines Menschen, den ich liebe.

… Stille?

FK: Nach einer brennenden Kerze.

… Spaß?

FK: Nach Champagner, am liebsten aus dem Hause Krug!

Was ist die spezielle Herausforderung in der Männer-Parfümerie?

„Aqua Celecista Cologne Forte“ von Maison Francis Kurkdjian
„Aqua Celestia Cologne Forte“ von Maison Francis Kurkdjian

MC: Die Codes neu zu definieren, die man gemeinhin Maskulinität zuordnet. Florale Noten sind traditionell „feminin“, holzig-ledrige werden mit „männlich“ assoziiert … Doch diese strikten Grenzen weichen mehr und mehr auf, auch deshalb, weil viele Männer ihre Einstellung zu Parfüm überdenken, die etablierten Regeln hinterfragen oder gleich brechen. Unser Duft „L’Homme À la rose“ beispielsweise ermöglicht einem Mann das Tragen eines Rosenduftes, und zwar ganz selbstverständlich.

Welches Parfüm werden wir im Jahr 2030 aufsprühen?

MC: Den süßen Duft von Frieden, Wohlstand und Glück für die gesamte Menschheit. Das hoffe ich zumindest.

FK: Ich plane nie mehr als drei Jahre voraus. Und das ist bereits mehr als ausreichend, finde ich. Mich inspiriert, was immer mich jetzt umgibt, und wer weiß, was das in neun Jahren sein wird?!

Welches Parfüm ist Ihr absolutes Evergreen?

MC: Definitiv unser „Baccarat Rouge 540“.

FK: Da stimme ich zu. Es ist sehr modern und zugleich zeitlos. Die Entwicklung seiner Kopf-, Herz- und Basisnoten verläuft sehr einzigartig, wodurch man es leicht unter anderen Düften herausriecht.