Interview„Die Faszination für feinste Mechanik ist zeitlos“

Oliver Heilmer
Oliver HeilmerMINI Design


Oliver Heilmer blickt auf eine knapp 20-jährige Karriere bei der BMW Group zurück, wo er aktuell Vice President von Mini Design in München ist. Zuvor leitete er das Team der Konzerntochter Designworks mit Sitz in Newbury Park, nordwestlich von Los Angeles.


 

Capital: Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

OLIVER HEILMER: Ich bevorzuge schlichte Uhren. Modelle, die eine klare Aussage haben, wie etwa Sportuhren.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Ich tausche alle zwei bis drei Wochen.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Klarheit, Materialität, Zuverlässigkeit.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Ja, das war eine sehr dezente analoge Uhr mit weißem Zifferblatt und einem Armband aus schwarzem Leder. Ich durfte sie mir im Alter von circa sechs Jahren kaufen, obwohl ich die Zeit noch nicht wirklich ablesen konnte.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Eine gute Organisation ist wichtig. Ich überlege immer, ob sich To-dos clever auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause einbinden lassen. Zudem ist der Fokus unerlässlich. Das heißt, es gibt einen Zeitraum für Telefonate, einen, um E-Mails zu beantworten und so weiter. Denn im Umgang mit den heutigen Kommunikationsmedien ist Ablenkung der mit Abstand größte Zeitfresser.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination/Verschieberitis?

Sich frühzeitig einen Überblick zu verschaffen und Aufgaben im Vorfeld zu sortieren. Beispielsweise gehen wir im Mini-Designteam am Montag die folgenden drei Wochen durch und besprechen die beste Vorgehensweise. Dabei ist Regelmäßigkeit der Schlüssel. Auch hilfreich: unangenehme Themen sehr zeitnah angehen.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Die Faszination für Mechanik und Feinstmechanik ist aus meiner Sicht zeitlos. Ein komplexes Werk aus Zahnrädern, Schrauben und Federn könnte ich stundenlang beobachten. Zudem bin ich der Meinung, dass die Uhr eines der wenigen Schmuckstücke ist, die Mann tragen kann. Und Schmuck kommt in der Regel ohne Akku oder Batterien aus.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Ins Jahr 2100. Mich würde interessieren, welche Rolle dann (Kunst-)Handwerk und das taktile Erlebnis spielen. Wie wird sich die Verschmelzung von analogen Gegenständen mit der digitalen Welt anfühlen?

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

Eine Rolex Milgauss mit grünem Glas, die mir meine Frau zur Geburt unserer Tochter geschenkt hat.