InterviewDie Evolution des Sneakers

Frédéric de Narp
Frédéric de Narp ist CEO der Luxusmarke BallyBally

Erinnern Sie sich an den ersten Sneaker (oder Turnschuh), den Sie je trugen?

Das war der „Stan Smith“ von Adidas, der heute noch genauso zeitlos, frisch und cool ist wie damals.

Was macht den Sneaker in Ihren Augen so besonders?

Zu welchem Paar Sie greifen, das prägt ihren Look und ist für viele Menschen auch ein Zeichen von Zugehörigkeit. Sehr oft bleiben sie dann lange treu – aus Gründen des Tragekomforts, der Langlebigkeit oder des Namens einer Marke. In meiner Jugend fühlte man sich durch die Art sich zu kleiden als Teil einer ganzen Bewegung.

Hätten Sie je gedacht, dass in der Manufaktur Ihrer Marke einmal Sneaker entstehen würden?

Was viele nicht wissen: Für Bally sind Sportschuhe oder Sneaker eher eine Rückbesinnung als echtes Neuland. Die ersten Schuhe mit Gummisohle gab es von uns schon 1936, verkauft wurden sie ein Jahr später für den Einsatz in der Turnhalle. Auch bei dem neueren Trend zur „Casualisierung“, also dem Verschmelzen von formeller mit Freizeitgarderobe waren wir recht früh mit dabei. Gerade bei den Schuhen, denn darin sind wir seit unserer Gründung anno 1851 extrem gut.

Wann wurde entschieden, dass Bally eine eigene Version dieses Kult-Schuhs herausbringen muss?

Auch mit dem Hype um Sneaker haben wir viel Erfahrung. Reisen wir kurz in die 1980er, nach New York, wo Schuhe von Bally in der jungen Hip-Hop-Szene um Doug E. Fresh und Slick Rick extrem beliebt waren, die beiden Legenden rappten sogar über ihre „Ballys“ und trugen unsere Schuhe auf Albencovern. Als Hommage haben wir in der aktuellen Saison das Modell „Competition“ vorgestellt, die dem Paar ähneln, dass Doug E Fresh auf dem Longplayer „Oh! My God“ von 1986 trug. Sie merken, Sneaker sind Teil unseres Markenerbes und kein verzweifelter Versuch, auf einen Trend-Zug aufzuspringen. Im Gegenteil, wir selbst haben bereits Kult-Schuhe entworfen.

Wie sind Ihre Schuhmachermeister an diese spezielle Aufgabe herangegangen, welchen Prinzipien sollte Ihr Sneaker folgen?

Alle unsere Retro-Modelle wurden detailgenau reproduziert, damit sie einen Hauch der coolness der Originale besitzen. So wurden der „Competition“ und der „Galaxy“ mit den gleichen Materialien und Techniken wie 1983 produziert, während wir bei dem „Vita-Parcours“ und dem „Super Smash“ als Mini-Evolution eine modernere Sohle hinzugefügt haben.

Mit welchen Besonderheiten ist ein Sneaker von Bally der Konkurrenz einen Schritt voraus?

Ihr Design und ihre Authentizität, denn die eben angesprochenen Modelle sind Archiv-Repliken von Schuhen der Jahre 1965 und 1983. Ich kenne wenige Luxusmarken, die ein solches Sneaker-Erbe vorzuweisen haben. Erfolg durch Integrität, dafür stand und steht Bally.

Ihr persönlicher Favorit?

Eindeutig der extrem leichte „Galaxy“, weil er so universell tragbar und unisex gestaltet ist, was gerade verstärkt nachgefragt wird. Stil und praktischer Nutzen müssen heute gleichermaßen stimmen, notfalls sollte man in einem Schuh eben nicht nur gehen sondern auch mal zum Gate joggen können.

Welche einstigen Tabus könnte Ihre Branche zukünftig noch brechen, wo steckt im Schuh noch Entwicklungsspielraum?

Die steigenden Möglichkeiten der Personalisierung dürften 2018 ein wichtiges Thema werden. Außerdem erwarte ich weitere Fortschritte in den Bereichen Langlebigkeit, Komfort und Gewicht der Sneaker.