Büro-Mode"Der Sneaker ist ein Zeitvertreib-Schuh"

Till Reiter ist CEO des Modeunternehmens Ludwig ReiterLudwig Reiter

Erinnern Sie sich an den ersten Sneaker, den Sie je trugen?

Das war der „Trainer“, ein Sportschuh des österreichischen Bundesheeres, den ich in meinem Wehrdienst beim Frühsport tragen musste. Damals ahnte ich noch nicht, dass wir den Hersteller dieser Schuhe viele Jahre später übernehmen würden.

Was macht den Sneaker in Ihren Augen so besonders?

Das entspannte Erscheinungsbild. Der Sneaker verkörpert den Begriff Sport nicht in seinem athletischen Sinne sondern nach dem lateinischen Ursprung „disportare“, also sich die Zeit zu vertreiben.

Hätten Sie oder Ihre Familie je gedacht, dass in der Manufaktur Ihrer Marke einmal Sneaker entstehen würden?

Darüber sprachen meine Brüder und ich schon während unserer Schulzeit, aber damals hatte unser Betrieb noch nicht die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung unserer Ideen.

Wann haben Sie entschieden, dass Ludwig Reiter eine eigene Version dieses Kult-Schuhs herausbringen muss?

Das war 1992, als wir die alte Arbeitsschuhfabrik C. Kitzmantel in Oberösterreich übernahmen. Als Heereslieferant gehörte zum Portfolio eben auch besagter „Trainer“, der zur Basis unserer eigenen Sneaker-Kollektion wurde, die wir 1995 gemeinsam mit dem Designer Helmut Lang lancierten.

Wie sind Ihre Schuhmachermeister an diese spezielle Aufgabe herangegangen, welchen Prinzipien sollte Ihr Sneaker folgen?

Die Vorgabe war, die Funktionalität des Militärsportschuhes zu erhalten, jedoch sowohl die Materialqualität wie auch das Design auf das Niveau unserer klassischen rahmengenähten Modelle zu bringen.

Mit welchen Besonderheiten ist ein Sneaker von Ludwig Reiter der Konkurrenz einen Schritt voraus?

Wir verwenden beispielsweise sowohl beim Obermaterial wie auch für das Futter sehr hochwertige Leder, denn das Innenleben ist gerade bei einem Sportschuh von großer Bedeutung.

Ihr persönlicher Favorit?

Unser Modell „Skipper“ aus Pferdeleder.

Welche einstigen Tabus könnte Ihre Branche zukünftig noch brechen, wo steckt im Schuh noch Entwicklungsspielraum?

Ich sehe noch einiges Innovationspotenzial für die traditionelle Schuhmacherei, aber wo genau, das verrate ich jetzt noch nicht.