Zeitfragen„Als Träger eine Automatikuhr anzutreiben, ist pure Lebensfreude“

Matthias Breschan, Rado
Matthias Breschan, RadoRado


Matthias Breschan ist Präsident der zur Swatch Group gehörenden Uhrenmarke Rado (gegründet: 1917 in Lengnau), bekannt für ihre Modelle aus innovativer Hightech-Keramik in zahlreichen Farben. Der gebürtige Österreicher ist zudem für die Marke Hamilton verantwortlich. Weitere Business-Erfahrung sammelte Breschan bei Texas Instruments, Alcatel und Aldi.


Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Unserem Team in aller Welt zu sagen, welchen großartigen Beitrag es leistet, für die Marke Rado, für die Swatch Group und die Uhrenindustrie insgesamt! Was wir in der Produktentwicklung bewegen, im Design, in der Materialforschung und neuen Technologien ist sehr wichtig und nur mit all diesen Menschen überhaupt möglich.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Alles, was mich in die Nähe von Wasser bringt. Ich komme aus Österreich, einem reinen Binnenland, und lebe nun der Schweiz, ebenfalls ohne Küste. Wann immer ich also Zeit auf dem, im oder unter Wasser verbringen kann – schwimmend oder tauchend – ist das ein wunderbarer Time-out-Moment. Obwohl ich meist eine Uhr dabei trage.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

… das Hier und Jetzt zu genießen. Das ist wirklich nicht leicht in unserer Arbeitswelt, noch dazu bei einem Unternehmen, das stark in die Zukunft strebt. Wir denken alle (zu) oft an die nächsten Punkte auf unserer To-do-Liste, selbst auf Reisen wechseln wir nur zwischen höchster Eile und genervtem Warten. Wenigstens einmal an jedem Tag versuche ich also, bewusst darüber nachzudenken, wo ich gerade bin und dort richtig präsent zu sein.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Das ist eine schwierige Frage! Es würde mich definitiv in die Zukunft ziehen, aber ich weiß nicht genau, wie weit. Klar interessiert mich dann, wie sich Rado viele Jahre später so schlägt, aber die sicherlich spannenden Schritte dorthin will ich ebenfalls nicht verpassen.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Die wird, das werden Sie mir verzeihen, aus unserem Hause kommen. Nur werden wir sie sicherlich bereits 50 Jahre früher vorstellen.

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quarz, Digital oder Smart?

Jeglicher Antrieb hat seinen Platz, aber als Uhrenliebhaber entspricht das automatische Werk am ehesten meiner Passion. Als Träger so einer Uhr selbst für deren Gangenergie zu sorgen, für einen hochkomplexen Mechanismus, der perfekt ausbalanciert ist und harmonisch läuft, ist eine der kleinen Freuden des Lebens.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

An jenem Tag 2011 als es uns gelang, per Injektionsverfahren das erste Keramikgehäuse aus einem Stück zu fertigen. Ein Meilenstein der Uhrengeschichte!

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Bei unseren Uhren sind die Materialien der äußeren Hülle, des Gehäuses und Armbandes, die größte Komplikation. Was ich außerdem als next step sehen möchte, befindet sich gerade in der Entwicklung. Fragen Sie mich doch in einem Jahr noch mal.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)?

„Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking. Er war ein echter Visionär, ein Pionier, der leidenschaftlich und unbeirrbar an seine Arbeit glaubte. Selbst als niemand ihn verstand und ernst nahm, blieb er motiviert und machte weiter. Dieses Mindset wünsche ich mir auch für unser Unternehmen: Wir glauben an das, was wir tun, sind voller Vertrauen und Zuversicht und werden niemals aufhören, uns schon jetzt die Zukunft vorzustellen.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Zurück in die Zukunft“, weil das Team, das diesen inspirierenden Blockbuster gedreht hat, die Zukunft aus der Vergangenheit heraus entwickeln musste. Und das ist wunderbar gelungen! Ein echter Klassiker, der mir jedes Mal wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Die größte Herausforderung …

… für einen Uhrmachermeister heute? Die Balance zwischen Arbeit und Privatleben ebenso zu finden wie den perfekten Kräfteausgleich in einem Uhrwerk. Diese Spezialisten sind mit Feuereifer dabei, sehr ehrgeizig und verlangen sich höchste Perfektion ab. Doch um das dauerhaft zu erreichen, braucht es immer wieder auch den Blick auf das große Ganze.

… für die Uhrenbranche insgesamt?
Als Industrie relevant zu bleiben, die analoge Produkte in einer digitalen Zeit herstellt.

… in Ihrem derzeitigen Job? Etwas Neues nicht um seiner selbst Willen zu erschaffen, sondern für wichtige Innovationen bei Produkten, Materialien und Technologien, die unsere Branche weiterbringen und (potenzielle) Kunden begeistern. Doch diese Herausforderung nehmen wir an. Bring it on, we are ready!