Mode6 Erfolgsgeheimnisse von Louis Vuitton

Handtasche von Louis Vuitton
Das markante Design von Louis Vuitton.Pixabay

#1 Logo

Einst galten Logos als aufdringliche Angeberei. Mittlerweile ist die „Logomania“ in der Luxuswelt allgegenwärtig. Hier gilt das Motto: Je auffälliger, desto besser. Viele Kunden halten nicht mehr viel von vornehmer Zurückhaltung. Außerdem gehört das Spiel mit Marken und Image längst auch in der Stratosphäre des Modegeschäfts dazu. Louis Vuitton profitiert besonders von diesem Trend. Denn das Logo des Hauses ist (anders als bei Chanel) integraler und unübersehbarer Teil der Grundmaterialien des Hauses – und das schon seit über 100 Jahren.

Monogram Canvas, ein beschichteter Segeltuchstoff mit den Initialen „LV“, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Maßnahme gegen Nachahmer eingeführt. Die konnten das Muster damals noch nicht so einfach replizieren. Heute gehören Taschen und Accessoires in Monogram Canvas zu den Topsellern krimineller Fälscherbanden. Denn der LV-Look ist weltweit berühmt und gefragt. Wer es weniger offensichtlich mag, kann zum Canvas in Damier Ebene greifen. Das braune Karomuster ist unter Kennern fast ebenso berühmt wie die Monogram-Version.

#2 Tradition

1854 begann der Sattelmacher Louis Vuitton mit dem Verkauf von Reisetruhen. Daraus wurde eines der führenden Pariser Luxusunternehmen. Das setzte wie Konkurrenten früh auf die Verbindung zu glamourösen Hollywoodstars. Hermès benannte Taschen nach Jane Birkin oder Grace Kelly. Louis Vuitton verdankt einen seiner Bestseller Audrey Hepburn. Die Schauspielerin wünschte sich eine handlichere Version der Keepall-Reisetasche. Louis Vuitton kreierte daraufhin das Modell „Speedy“, die bis heute vermutlich bekannteste Tasche des Hauses.

#3 Hype

Nach dem goldenen Zeitalter der Haute Couture hatten viele Pariser Modehäuser Probleme mit dem Übergang in die Ära der Jugendtrends und billigen Modeketten. Plötzlich galten die einstigen Vorreiter des guten Geschmacks als altbacken und hochnäsig. LV traf 1997 eine umstrittene, aber zukunftsweisende Personalentscheidung. Der junge US-Designer Marc Jacobs wurde zum Künstlerischen Direktor des französischen Modehauses ernannt. Er setzte unter anderem auf Kooperationen mit berühmten Künstlern wie Takashi Murakami. 2017 wagte LV die Zusammenarbeit mit dem vergleichsweise billigen, aber hippen New Yorker Streetwear-Label Supreme. Die Kombination aus dem LV-Monogram und dem Supreme-Rot löste einen Hype aus, der noch heute nachwirkt.

#4  Kontrolle

Exklusivität wird heutzutage weniger über den Preis, sondern über den Zugang zu den begehrten Waren definiert. Und hier spielt Louis Vuitton mit nur einer Handvoll von Konkurrenten in einer eigenen Liga. Denn die von der Firma festgesetzten Preise sind in Marmor gemeißelt. LV verkauft seine Produkte nur in eigenen Boutiquen. Schlussverkäufe, Rabattcodes oder Black Friday gibt es in dieser Welt nicht. Damit hat die Firma ihren Markenkern fest in eigener Hand.

#5 Verknappung

Hype lebt von einem knappen Angebot. LV-Taschen sind zwar einfacher zu bekommen als etwa eine Kelly Bag von Hermès. Zudem bietet das Unternehmen im Gegensatz zu Chanel seine Produkte online zum Kauf an. Die begehrtesten Stücke sind aber nur selten zum sofortigen Kauf verfügbar. Sie werden nur in geringer Stückzahl im Online-Shop oder in den Boutiquen feilgeboten. Interessenten müssen sich also auf die Jagd begeben, was das Begehren meist nur steigert und Teil des Erfolgsgeheimnisses ist.

#6 Wiederverkaufswert

Es gibt nur wenige Luxusmarken, bei denen sich ein Kauf finanziell lohnen kann. LV gehört dazu. Wer pfleglich mit einem gefragten Modell des Hauses umgeht, kann es womöglich noch Jahrzehnte später mit wenig Verlust oder gar einem Gewinn verkaufen. Das liegt zum einen an den ständig steigenden Preisen. Verknappung und Hype tun ein übriges, um die Nachfrage auch nach alten Stücken wach zu halten.

Der Secondhand-Markt ist gerade bei LV ein riesiges Geschäft internationalen Ausmaßes. Insbesondere Japan hat sich dank strikter Gesetze gegen Fälschungen zu einem florierenden Marktplatz für „Pre-Loved“-Produkte von LV entwickelt (eine nette historische Parallele, da Monogram Canvas einst von japanischen Designs inspiriert wurde). Die gebrauchten Taschen aus Japan erreichen dann etwa via Ebay auch Kunden in Deutschland – trotz saftiger Aufschläge in Form von Mehrwertsteuer und Zollgebühren.