GastbeitragWarum Unternehmensberater überflüssig sind

Symbolbild Unternehmensberater
Symbolbild Unternehmensberater dpa

Es ist nicht so, als ob wir von nichts gewusst hätten. Seit Jahren, gar Jahrzehnten veröffentlicht die Forschung Studien, nach denen viele Beratungsprojekte scheitern, Millionen verbrannt werden und Unternehmen teilweise in den Abgrund beraten werden. Ab und zu poppt dann mal ein Skandal auf, der für den Mainstream taugt, wie aktuell das Getöse um die Beraterverträge des Bundesverteidigungsministeriums.

Das alles sind nur publizistische Spitzen eines Eisbergs, die einen lange gehegten Verdacht zur Gewissheit machen: Unternehmensberatung ist „fundamentally broken“, unreparierbar kaputt. Das Szene-Chichi aus schicken Anzügen, elitärem Anstrich und veritablem Sprachgeschwurbel („Wir müssen jetzt mal delivern, sonst kriegen wir den Asset nicht mehr gebenchmarked“) überzeugt immer weniger Unternehmen und wird zunehmend zu einer Karikatur seiner selbst. Und die Berater wissen das. In ihrer Not versuchen sie, trendige Buzzwords wie „New Work“ oder „Agilität“ zu kapern, aber die BWL-Schema-Denke bleibt die gleiche und führt somit zu den immer gleichen Fehlern.

Berater-Todsünden: Benchmarking, Lernverhinderung und Unterkomplexität

"Beraterdämmerung" ist bei Springer Gabler erschienen
„Beraterdämmerung“ ist bei Springer Gabler erschienen

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Unternehmensberatungen versuchen heute immer noch, Tools wie Benchmarking oder Best Practices an den Mann zu bringen. Das ist Teil ihres Geschäftsmodells, denn nur wenn eine Benchmark ausgegeben wird, kann die Beratung den Weg präsentieren, mit der man sie angeblich erreicht. Aber Benchmarks sind rückwärts gewandt, eindimensional, fördern konformistisches Denken und machen blind für originelle Lösungen. Benchmarks und die beispielsweise so oft beschworene Innovation schließen sich daher aus.

Darüber hinaus verhindern Berater das organisationale Lernen. Das ist im Sinne ihres Geschäftsmodells sogar ihre Kernaufgabe: von einem Problem zur Lösung abzukürzen, ohne dass das Kundenunternehmen eine Lernleistung vollbringen kann – und damit von der Beratung abhängig bleibt. Wussten Sie, dass zwei Drittel aller Beratungsaufträge Folgeaufträge sind? Die Beratungen haben überhaupt kein Interesse daran, dass Sie als Kunde kompetent und unabhängig werden. Man schlachtet doch nicht die Gans, die goldene Eier legt.

Drittens werden schematische Lösungen von Beratern der komplexen Wirklichkeit von Unternehmen immer weniger gerecht. Berater sind nie objektiv, sondern haben natürlich eine Beratungsideologie und ein spezielles Kundenweltbild im Kopf. Ihre angebliche Objektivität gehört als Imagebuilding ins Reich der Fantasie. Aber Ideologie und Weltbild verhindern eine Demut vor der einzigartigen Situation des Kunden, der längst in einer VUCA-Welt lebt: in einer volatilen, unsicheren, komplexen und uneindeutigen Welt.