Beste AusbilderStrabag gibt Gestrauchelten eine Chance

Auszubildende bei Strabag
Auszubildende bei StrabagStrabag

Körperliche Arbeit bei Wind und Wetter und ein Leben auf Montage: zwei Gründe, aus denen die Baubranche schwer Azubis findet. Die Jugendlichen träumten eher von einem Job in der Industrie, sagt Eberhard Häsicke, Ausbildungsleiter der Strabag-Niederlassung in Baden-Württemberg. Der Straßenbaukonzern wirbt seit zweieinhalb Jahren intensiv um Auszubildende und setzt dabei auf gute Betreuung. „Wir hatten hier früher fünf, sechs Azubis, um die sich aber niemand gekümmert hat“, sagt Häsicke. „Das waren billige Arbeitskräfte.“

Eigentlich wollte Häsicke längst im Ruhestand sein. Nach 45 Jahren auf der Baustelle lockte den Polier die abschlagsfreie Rente mit 63. Doch als man ihn fragte, ob er sich um die Ausbildung bei der Strabag in Baden-Württemberg kümmern wolle, musste er nicht lange überlegen. „Ich fand das eine tolle Aufgabe“, sagt er. „Auch wenn ich nicht wusste, was auf mich zukommt.“ Einen Ausbildungsleiter gab es in der Direktion mit 700 Mitarbeitern bis dato nicht.

Seit zweieinhalb Jahren entwickelt Häsicke nun ein neues Konzept für die betriebliche Ausbildung bei Strabag. Inzwischen bekomme jeder Auszubildende einen Bauleiter als Paten, der ihn drei Jahre lang betreue. Außerdem sind die Neueinsteiger ab dem ersten Monat mit der Kolonne unterwegs, in der sie später einmal arbeiten sollen. „Die Poliere bilden praktisch ihre eigenen Nachfolger und Kollegen aus.“ So soll das spezifische Fachwissen, das Strabag entwickelt hat, weitergetragen werden.

Ohne intensive Betreuung geht es nicht

Das Unternehmen habe eine relativ alte Belegschaft und werde in den nächsten Jahren viele junge Leute brauchen, erklärt Maximilian Hertrich, der Personalreferent der Direktion Baden-Württemberg. Zugleich werde der Straßenbau immer komplexer. Quereinsteiger allein könnten den Bedarf deshalb nicht decken. „Ohne ausreichend Facharbeiter werden wir irgendwann unsere Bauvorhaben nicht mehr umsetzen können.“

Im Wettbewerbskampf um die jungen Leute muss sich das Unternehmen einiges einfallen lassen. So zahlt Strabag seinen Azubis etwa Reise- und Unterbringungskosten sowie 1000 Euro Zuschuss zum Führerschein. „Aber die Top-Leute kriegen wir trotzdem nicht“, sagt Ausbildungsleiter Häsicke. Etwa 80 Prozent der 52 Azubis, die derzeit bei Strabag in Stuttgart lernen, kommen von der Hauptschule, etwa ein Drittel wird vom Jugendamt oder anderweitig betreut. Zwei Azubis, die 2019 beginnen werden, sitzen derzeit sogar noch in Haft. Das Unternehmen wolle Gestrauchelten eine Chance geben, erklärt Häsicke. Doch solche Zielgruppen bräuchten intensive Betreuung.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Konen, der vor einem Jahr von einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte zu dem Unternehmen gewechselt ist, fährt Häsicke ständig zwischen Baustellen, Berufsschulen und überbetrieblichen Ausbildungsstätten hin und her – immer dorthin, wo es Probleme gibt. Sie organisieren Nachhilfe und lassen Schulstoff nachholen: Deutsch und die Grundrechenarten. Damit Azubis, die auf der Baustelle top sind, auch die Prüfungen schaffen. „Wir tun alles, damit die Jugendlichen bei der Stange bleiben“, sagt Häsicke. Aber auch die Ausbilder meldeten sich mit Problemen bei ihnen. „Wir sind da inzwischen überall gut vernetzt“, sagt Häsicke.

Die enge Betreuung solle Strabag attraktiver machen, sagt Ausbilder Konen,. „Die Jugendlichen sollen sich bei uns nicht als Nummer fühlen.“