Junge EliteDer Versuch einer Revolution

"Wie kommunizierst du mit deiner Frau?" Paula Schwarz prüft moderne Leadership Eigenschaften.dpa


In die Junge Elite wurde Paula Schwarz, 27, aufgenommen, als sie mit dem Projekt Startup Boat für Aufregung sorgte. In der Zwischenzeit hat sie sich vom World Economic Forum verabschiedet und will mit Hilfe von Datenanalyse das Wirtschaftssystem revolutionieren.


Capital: Paula, wie würdest du deine berufliche Tätigkeit bezeichnen?

Ich bin Vordenkerin und Systemarchitektin. Wenn ich mir ein Jobbezeichnung aussuchen dürfte, wäre das Social Systems Engineer.

Nicht unbedingt eine Berufsbezeichnung mit der man schon als Schülerin etwas anfangen kann. Was waren deine frühen Karrierepläne?

Als Kind wollte ich in die Wissenschaft. Ich wollte immer alles verstehen.

Was ist aus diesem Wunsch geworden?

Ich bin in einem sehr sozial exponierten Umfeld groß geworden. Freies Denken war in meiner Familie nicht erwünscht. Das einzige, was akzeptiert war, war soziales Engagement. Also habe ich mir nach der Schule NGOs angesehen, bin viel gereist.

In dieser Zeit warst du auch mit dem Venture Bus unterwegs auf einer Bustour mit Entrepreneuren durch Ruanda, Kenia, Uganda, Tansania und den Kongo.

Genau, dort entstand die Idee, etwas Ähnliches für Griechenland ins Leben zu rufen. Meine Mutter ist Griechin, ich habe einen engen Bezug zum Land. Als Griechenland unter der Wirtschaftskrise litt und gleichzeitig immer mehr Flüchtlinge aufnehmen musste, war es wichtig, neue Ideen zu entwickeln.

„Da bin ich einfach dagegen“

Auf dem Startup Boat hast du prominente Unternehmer und Investoren vernetzt. Du hast zum Beispiel mit EarlyBird-Investor David Rosskamp zusammen gearbeitet und mit dem Mitgründer des Lufthansa-Innovation-Hub, Christian Umbach. Welche Rolle spielt für dich dein Netzwerk, das durch deine Unternehmer-Familie ja prominenter ist, als bei vielen anderen?

Es ist ungewöhnlich in dieser Society aufzuwachsen. Netzwerke sind der Beginn und der Anfang von allem. Aber ich empfinde Netzwerke, wie sie aktuell gebaut sind als unangenehm.

Deshalb hast du auch kürzlich eines der potentiell mächtigsten Netzwerke der Welt verlassen – das World Economic Forum. Was hat dich dort gestört?

Dass dort im Interesse von Firmen und Staaten gehandelt wird, nicht im Interesse der Menschen. Dort werden mit einem Handschlag Deals in Milliardenhöhe gemacht. Oft wird gegen die Menschen agiert, weil man aus ihnen nur Profit schlagen will. Da bin ich einfach dagegen.

 

Hättest du das System nicht aus dem Inneren revolutionieren können?

Ein Auto, das zu 80% kaputt ist, repariert man nicht einfach so. Man braucht wahrscheinlich ein Neues. Ein Problem, das es unmöglich macht, das System aus dem Inneren zu erneuern, ist, dass viele Mitglieder Führungskräfte sind, die ihre Position nur aufgrund der Länge ihrer Berufserfahrung inne haben, und nicht aufgrund ihrer Leadership Fähigkeiten.