Beste AusbilderAgrolab Agrar und Umwelt: Labor statt Hörsaal

Die Agrolab Group hat mehr als 20 Standorte in Europa. Darunter auch Agrolab Agrar und Umwelt, wo durschnittlich zwölf Nachwuchskräfte pro Jahr ihre Ausbildung zum Chemielaborant anfangen
Die Agrolab Group hat mehr als 20 Standorte in Europa. Darunter auch Agrolab Agrar und Umwelt, wo durschnittlich zwölf Nachwuchskräfte pro Jahr ihre Ausbildung zum Chemielaborant anfangen©aauk2020 / agrolab.de

An normalen Tagen landen bei den Kollegen von Frank Hansen rund 1000 Proben. Sie stammen von Lebens- und Futtermittelherstellern, Handelsketten, Ingenieursbüros oder Stadtwerken, die Rohwaren oder auch Wasserproben von der Kieler Firma Agrolab Agrar und Umwelt untersuchen lassen. Um einige dieser Proben kümmern sich auch die Azubis, für die Hansen als Ausbildungsleiter verantwortlich ist.

Im Schnitt zwölf junge Leute pro Jahr bildet das Unternehmen, das zu der Agrolab-Laborgruppe mit mehr als 20 Standorten in Europa gehört, zu Chemielaboranten aus – und in der Capital-Studie zeichnet sich das Unternehmen dabei gerade bei deren Betreuung aus. Bald soll die Zahl der Azubis auf 20 steigen. Denn der Bedarf an Laboranalytik im Umweltbereich wächst, beispielsweise im Baubereich, wo Material auf Asbest untersucht werden muss. Agrolab hat deshalb gerade seine zwei Standorte in Kiel weiter ausgebaut. Aus den aktuell 380 Mitarbeitern sollen bis zu 500 werden.

Ein Teil dieser Stellen will das Unternehmen auch mit dem eigenen Nachwuchs besetzen. Man übernehme so gut wie alle Azubis, die das wollen, sagt Hansens Kollegin Stephanie Nagorny, Standortleiterin der Firma Agrolab LUFA, die im Laborverbund für die Lebens- und Futtermittelanalysen zuständig ist.

Tatsächlich sind die Agrolab-Azubis später breit einsetzbar: In dreieinhalb Jahren durchlaufen sie für jeweils vier Monate neun verschiedene Bereiche – von der Futtermittel- bis zur Wasseranalytik, wo sie auch mit echten Proben arbeiten. Wer bei einem Notenschnitt von mindestens 2,5 steht, kann seine Ausbildung schon nach drei Jahren beenden – so wie fast der komplette jüngste Jahrgang, wie Ausbildungsleiter Hansen nicht ohne Stolz berichtet.

Fragt man Hansen, welche jungen Menschen sich für einen Laborberuf interessieren, sagt er: „Man muss schon eine Neigung zu Chemie und Naturwissenschaften haben.“ In den vergangenen Jahren habe etwa die Zahl von Bewerbern zugenommen, die ein Chemiestudium abgebrochen haben, weil sie lieber praktisch arbeiten wollen. Vereinzelt seien auch Studienabbrecher aus dem Pharmaziebereich dabei.

Etwas schwieriger ist es dagegen bei Bewerbern mit Realschulabschluss. In einigen Bundesländern gibt es Chemie heute nicht mehr als eigenständiges Fach, sondern nur ein Fach Naturwissenschaften. Welche Lehrinhalte sich konkret dahinter verbergen und welche Kenntnisse in Chemie solche Bewerber haben, zeigt sich manchmal erst im Vorstellunggespräch. Grundsätzlich könne man die Ausbildung aber auch mit einem Realschulabschluss machen, betont Standortleiterin Nagorny. Bei dem größten Teil der Bewerber handelt es sich allerdings um Abiturienten. Die meisten davon kommen aus Schleswig-Holstein, einige auch aus benachbarten Bundesländern.

Dass sich viele junge Menschen seit einiger Zeit bei Fridays for Future oder anderswo verstärkt mit Umweltthemen auseinandersetzen, hat sich zumindest in den Bewerberzahlen bei Agrolab Agrar und Umwelt bislang nicht niedergeschlagen. Allerdings gebe es auch so ausreichend Bewerber, sagt Ausbildungsleiter Hansen, Fachkräftemangel sei für die Firma kein Thema. Dass das nicht nur so daher gesagt ist, zeigt sich auch darin, dass Hansen und seine Kollegin Nagorny auf Anhieb gar nicht sagen können, wie viele junge Leute sich bei ihnen im Jahr als Azubis bewerben. Offensichtlich sind es genug.

 


Capital hat Deutschlands beste Ausbilder gekürt: Zum vierten Mal wurden in einer umfangreichen Studie 510 deutsche Unternehmen ausgezeichnet – erschienen in Capital-Heft 11/2020. Hier geht es zum Kiosk-Shop. Die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie hier.