Aktien Worauf Anleger bei Hotel-Aktien achten müssen

Ein Mann steht vor dem Eingang zur Zentrale des Hotelkonzerns Accor
Accor ist der größte Hotelbetreiber Europas
© IMAGO / IP3press
Aktuelle Marktzahlen zeigen, dass sich Europas Hotellerie von den vergangenen beiden Pandemiejahren langsam erholt. Das bietet Chancen für Anleger – doch die Risiken bleiben weiterhin groß

Nach zwei nervenaufreibenden und verlustreichen Coronajahren scheint sich der Hotelmarkt langsam wieder zu erholen: Im Mai lagen die Konzernumsätze börsennotierter europäischer Hotelketten rund zwei Prozent unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Im April waren es noch sechs Prozent, verglichen mit April 2019. Geschäftsreisende und pandemiemüde Urlauber kehren also langsam in die Gästezimmer zurück. Dadurch konnten viele Hotelbetreiber in der jüngsten Berichtsaison die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen. Was das künftige Marktwachstum anbelangt, zeigen sie sich jetzt optimistischer.

Die Hotelbranche verzeichnete bis Ende 2019 mehr als ein Jahrzehnt lang eine stetig steigende Nachfrage. Ein Rekordumsatz jagte den nächsten. Der Beginn der Covid-19-Pandemie setzte dem ein Ende.

Reise- und Hygienebeschränkungen sorgten für ausbleibende Kunden. Zwangsschließungen und Lockdowns schränkten ihre Handlungsmöglichkeiten weiter ein. Noch dazu kam die Frage auf, ob Geschäftsreisende angesichts der Popularität von Online-Meetings überhaupt wieder zurückkommen werden. Expansionsvorhaben lagen vorerst auf Eis. Lediglich die gute Ertragslage der Vorjahre sowie ausgeweitete staatliche Unterstützungsmaßnahmen konnten eine Insolvenzwelle verhindern.

Hotel-Aktien wieder stärker gefragt

Nun scheint das Tief der vergangenen beiden Jahre so gut wie überwunden. Noch dazu erwarten Experten, dass sich die Lage über den Sommer hinweg weiter verbessern dürfte. Dieser Optimismus greift auch auf die Börse über. Aktien großer Hotelketten waren zuletzt wieder verstärkt gefragt.

So etwa die Papiere der größten Hotelkette Europas Accor. Ende 2021 betrieb der Konzern ein Netz aus 5300 Hotels mit 777.000 Zimmern. Dabei decken die Franzosen den gesamten Mark ab, führen sowohl Luxus- als auch Mittelklasse- und Budget-Hotels in ihrem Portfolio. Accor wird an der Börse mit 8 Mrd. Euro bewertet. Die Aktie mit dem Kürzel ACR hat seit Jahresanfang zwei Prozent zugelegt und notiert jetzt bei rund 30 Euro. Damit ist sie aber immer noch ein Viertel weniger wert als noch Anfang 2020. Ein Schnäppchen ist Accor dennoch nicht: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist mit 74 extrem hoch. Der Börsenoptimismus übersteigt hier die erwirtschafteten Gewinne um ein Vielfaches. Immerhin prognostizieren Analysten für das Geschäftsjahr 2023 ein deutlich niedrigeres KGV von 24.

Ebenfalls gefragt sind die Papiere der Hotelkette Hilton Worldwide. Hilton betreibt 6200 Hotels in 118 Ländern und schafft es an der Börse auf eine Marktkapitalisierung in Höhe von 36 Mrd. Euro. Die Ein-Jahres-Performance beträgt plus 26 Prozent. Allein seit Ende Mai ging es für die Aktie knapp 9 Prozent aufwärts. Ein Anteilsschein kostet aktuell 128,36 Euro. Auf Basis des laufenden Geschäftsjahres liegt das KGV bei 35. Damit ist das Unternehmen ebenfalls ambitioniert bewertet.

Nicht nur die hohen Bewertungen zeigen: Anleger sollten trotz der vielversprechenden Marktlage Vorsicht walten lassen. Zu den makroökonomischen Risiken zählen die nach wie vor sehr hohen Inflationsraten sowie eine mögliche Pandemierückkehr im Herbst. Ebenso belasten anhaltende Versorgungsengpässe und Lieferschwierigkeiten bei diversen Baumaterialien neue Bauprojekte und weiterhin auch zahlreiche Expansionsbestrebungen. Investitionen eigenen sich nur für risikobewusste Anleger mit langfristigem Anlagehorizont – und hier am besten Aktien weltweit führender Hotelbetreiber.


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