Capital erklärt Welche Rolle Trading-Apps bei der Gamestop-Rally spielen

Schon vor der Gamestop-Rally hatten Trading-Apps wie Trade Republic und Robinhood großen Zuwachs
Schon vor der Gamestop-Rally hatten Trading-Apps wie Trade Republic und Robinhood großen Zuwachs
© Political-Moments / IMAGO
Ohne Trading-Apps wäre der Höhenflug der Gamestop-Aktie nicht möglich gewesen. Was steckt hinter Apps wie Trade Republic und Robinhood? Wir erklären warum sie so beliebt sind und welche Rolle die Möglichkeit zum Zocken für ihren Aufstieg spielt

In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: Trading-Apps und die Gamestop-Rally – mit Redakteur Caspar Tobias Schlenk, der bei Capital und Finance Forward über Fintechs und Start-ups schreibt.

Bei dem Run auf die Gamestop-Aktie standen zuletzt auch Trading-Apps im Fokus. Warum?

Die Keimzelle dieser Entwicklung ist die Reddit-Gruppe „Wallstreet Bets“, wo sich vor allem Kleinanleger über ihre Investment-Tipps austauschen. Ein großer Teil dieser Gruppe handelt sehr aktiv mit der beliebten US-Trading-App Robinhood. Einer der Nutzer in der „Wallstreet Bets“-Gruppe hat über einen längeren Zeitraum immer wieder gepostet, dass der Videospieleverkäufer Gamestop unterbewertet sei – und er investiert habe. Vor einiger Zeit ist auch der Hedgefonds-Manager Michael Burry, bekannt aus dem Film „The Big Short“, eingestiegen. Und in den vergangenen Wochen sind dann immer mehr Trader auf diesen Zug aufgesprungen – ein Teil davon über die Apps Robinhood und das deutsche Pendant Trade Republic. Man muss aber auch festhalten, dass am Ende nicht alle Kunden diese Werte handeln: Ein großer Teil der mehr als 13 Millionen Robinhood-Nutzer, verwendet die App für das normale Geschäft mit Aktien und ETFs – und hat sich auch von der Gamestop-Aktion nicht verleiten lassen.

In 2020 haben Trading-Apps deutlich zugelegt. Warum sind sie so beliebt – und bei wem?

Grundsätzlich nutzen die Apps vor allem Menschen zwischen Mitte 20 und Ende 30. Viele von ihnen hatten bislang wenig Berührungspunkte mit den Finanzmärkten, wollen aber einfach investieren und niedrigschwellig mit dem Traden starten. In der ersten Lockdown-Phase sind die Nutzerzahlen bereits deutlich gewachsen, auch weil es keine Sportveranstaltungen mehr gab und damit auch keine Sportwetten stattgefunden haben. Ein Teil der User hat in den Apps deshalb eine Möglichkeit zum Zocken gesehen. Darin liegt gleichzeitig auch ein Risiko dieser Apps: Denn gerade Robinhood hat einige Funktionen, die stärker an ein Spiel erinnern, zum Beispiel ein Konfetti-Regen. Es geht also darum, die Balance zu halten zwischen einfacher Bedienbarkeit und einer so spielerischen Gestaltung, dass es die Leute zum Zocken verleitet – schließlich handeln sie mit ihrem Geld und teilweise auch mit hohen Summen.

Welche Trading-Apps sind aktuell die wichtigsten?

Unter den sogenannten Neobrokern, bei denen man zu relativ niedrigen Gebühren Aktien und ETFs kaufen kann, war Robinhood mit seiner Gründung 2013 eine der ersten Apps. Dann gibt es noch weitere Anbieter, die auf diesen Trend aufgesprungen sind, wobei Trade Republic in Deutschland und Europa zu den bekanntesten Marken gehört. Darüber hinaus gibt es noch weitere Apps, darunter Scalable Capital, Bux oder Smartbroker, die aber alle einen unterschiedlichen Fokus haben.

Wie verdienen Trading-Apps Geld?

Die Modelle sind unterschiedlich. Bei Trade Republic kostet jeder Trade 1 Euro und von dem Handelsplatz gibt es eine Rückvergütung, die bei circa 1 Euro und 1,50 Euro liegt. Bei Robinhood werden die Aufträge der Nutzer an sogenannte Market Maker weitergeleitet. Das sind Hedgefonds, die Robinhood dafür bezahlen, die Order abzuwickeln und selbst an der Differenz von Ankauf- und Verkaufpreis verdienen. Bei Robinhood zählen auch einige Hedgefonds – gegen die sich die Gamestop-Aktion ja eigentlich gerichtet hat – zu den Market Makern. Als Robinhood zwischenzeitlich den Handel mit einigen Aktien blockiert hat, gab es daher Gerüchte und Theorien, dass es da Verquickungen gab. Die US-Aufsichtsbehörden werden sich den Fall jetzt genauer anschauen.

Auch Trade Republic hat den Handel mit einigen Aktien zwischenzeitlich ausgesetzt. Warum?

Trade Republic hat zwei Erklärungen dazu abgegeben: Zum einen wollten sie Kleinanleger vor dem Risiko schützen, auf eine so volatile Aktie zu setzen. Zum anderen gab es technische Probleme in der App. Für die erste Erklärung gab es unter Anlegern massive Kritik, weil sie sich in ihrer Entscheidungsfreiheit beschnitten gefühlt haben. Trade Repbulic ist mittlerweile zurückgerudert und hat den Handel am nächsten Morgen wieder geöffnet. Bei Robinhood haben sich letztlich auch US-Politiker wie Alexandria Ocasio-Cortez eingeschaltet und die App für ihre Reaktion kritisiert.

Wie wird sich der Markt um die Trading-Apps weiterentwickeln?

In den vergangenen Monaten haben die Apps einen starken Zuwachs erlebt . Kommunikativ waren die vergangenen Tage für Robinhood und Trade Republic ein Rückschlag, der die Gemüter erhitzt hat. Mittelfristig wird das aber nicht dazu führen, dass die User komplett abwandern. Wenn die Märkte sich wieder beruhigen und Kurse, die von Kleinanlegern zuletzt gehypt wurden, einbrechen, wird das einige wieder abschrecken – die sich die Finger verbrannt haben. Die Aktivitäten in den Trading-Apps werden also schwanken, allerdings ist davon auszugehen, dass sich künftig mehr Leute mit dem Thema Aktienhandel auseinandersetzen.

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