GeldanlageDroht der Deutschen Bank die Pleite?


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Die negativen Nachrichten über Banken hierzulande reißen nicht ab. Aus einer der jüngsten Skandal-Nachricht geht hervor, dass ein halbes Dutzend Banken bei sogenannten Basiskonten über Gebühr abkassiert haben. Unter den Instituten war die Deutsche Bank gleich zweimal vertreten – einmal selbst, einmal mit der Postbank. Kein Skandal, kein Fettnapf, den die Bank auslässt. Die Mitarbeiter, die sich wirklich um Wandel bemühen, können einem fast leidtun. Nun kommt auch noch eine Schadensersatzforderung aus den USA mit dem ersten Preisschild von 14 Milliarden – kann die Bank daran sogar Pleite gehen?

Die Nachricht hätte zu kaum einem schlechteren Zeitpunkt kommen können: Das US-Justizministerium fordert eine Zahlung von 14 Mrd. Dollar, um den Hypothekenstreit mit einem Vergleich beizulegen. Investoren schießen vor allem zwei Fragen durch den Kopf: „Wie hoch dürfte die endgültige Strafe tatsächlich sein?“ und „Muss die Deutsche Bank dazu möglicherweise eine Kapitalerhöhung durchführen?“

Wie hoch könnte nun die tatsächliche Strafe ausfallen?

Dazu ein Blick auf die Fakten: Die Deutsche Bank hatte zur Jahresmitte Rückstellungen von 5,5 Mrd. Euro für sämtliche Rechtsstreitigkeiten gebildet. Die Summe enthält neben den Rückstellungen für den US-Hypothekenstreit auch welche wegen möglicher Geldwäsche in Russland und anderen Rechtsstreitigkeiten. Laut einem Insider habe das Institut für den US-Hypothekenstreit eine Summe von 2,5 bis drei Mrd. Euro veranschlagt.

Die Bank of America hatte im Jahr 2014 zur Beilegung eines ähnlichen Falls Belastungen von 16,65 Mrd. Dollar auferlegt bekommen. Davon entfielen allerdings nur 5 Mrd. Dollar auf das Justizministerium, während die restlichen Zahlungen auf andere Parteien entfielen, beispielsweise 7 Mrd. Dollar für die Entlastung von privaten Hypothekenschuldnern, zum Beispiel für teilweisen Schuldenerlass oder zinsvergünstigte Kredite. Insofern gehen etliche Experten davon aus, dass die Deutsche Bank am Ende möglicherweise „nur“ 4 bis 5 Mrd. Dollar an die US-Justiz zahlen muss.

Retourkutsche aus den USA

Allerdings könnten der US-Wahlkampf und die von der EU geforderte Strafe von 14 Mrd. Dollar für Apple einen zügigen und unvoreingenommenen Abschluss der Vergleichsverhandlungen zwischen der US-Justiz und der Deutschen Bank beeinträchtigen und möglicherweise dazu führen, dass die Deutsche Bank doch etwas mehr zahlen muss.

Dabei ist die Deutsche Bank finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Vielmehr bereitet die im Branchenvergleich schwache Kapitalausstattung Investoren großes Kopfzerbrechen. So lag die harte Kernkapitalquote Ende Juni bei lediglich 10,8 Prozent. Sie wird berechnet, indem man das harte Kernkapital durch die risikogewichteten Aktiva dividiert. Vorstandschef John Cryan hatte im Oktober 2015 bei der Vorlage der „Strategie 2020“ angekündigt, dass die harte Kernkapitalquote ab Ende 2018 auf mindestens 12,5 Prozent erhöht werden solle. Laut den Berechnungen der Deutschen Bank muss das Geldhaus das harte Kernkapital bis zum Jahr 2020 organisch auf 51 bis 55 Mrd. Euro erhöhen, um die Kernkapitalquote bei 12,5 Prozent zu halten. Um das zu erreichen, muss sich die Deutsche Bank enorm strecken, lag das harte Kernkapital zuletzt doch bei lediglich 43,5 Mrd. Euro.

Hohe Belastungen für Rechtsstreitigkeiten würden das Institut bei seinem Vorhaben enorm zurückwerfen. Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren, dass die Deutsche Bank bis 2018 eine Kapitallücke von 9 Mrd. Euro schließen müsse – die Belastungen durch zusätzliche Rechtsstreitigkeiten seien dabei noch gar nicht eingerechnet. Eine weitere Kennzahl zeigt ebenfalls die schwache Kapitalausstattung: das Leverage Ratio von 3,4 Prozent. Übersetzt heißt es zwar Verschuldungsquote. Tatsächlich setzt die Kennzahl aber das Eigenkapital ins Verhältnis zur – um zahlreiche Posten bereinigte – Bilanzsumme.

Wie könnte es mit der Aktie der Deutschen Bank weitergehen: Dass der Kurs mit etwas mehr als 10 Euro meilenweit unter dem materiellen Eigenkapital je Aktie von zuletzt knapp 38 Euro liegt, zeigt die enorme Skepsis von Investoren. Sie gehen davon aus, dass die Profitabilität der Deutschen Bank weiterhin sehr schwach bleiben wird und weitere herbe Belastungen auf das Institut zukommen. Daher dürfte bei Investoren weiterhin die Sorge umgehen, dass das Institut entgegen Cryans Beteuerungen doch eine Kapitalerhöhung durchführen könnte.

Investmentalternativen

Diese Aussicht könnte das Papier weiter belasten, immerhin werden bei einer Kapitalerhöhung die neuen Aktien üblicherweise mit einem hohen Abschlag im Vergleich zu den alten ausgegeben. Wer mutig ist und dennoch bei der Bank zugreifen will, findet nicht nur in der Aktie eine Anlagemöglichkeit. So rät Peter Bösenberg, Zertifikate-Spezialist der Société Générale, sich Papiere näher anzuschauen, die von einer Seitwärtstendenz in der Aktie profitieren: „Die Deutsche Bank ist einer der schwankungsfreudigsten Aktien im Dax, was wiederum Aktienanleihen, Discount- oder Memory Express-Zertifikaten zugutekommt. Sie bieten bei volatilen Aktien ein ansehnliches Chance-Risiko-Profil, dass je nach Ausgestaltung auch sehr viel defensiver ausfallen kann als bei der Aktie selbst.“ Einige Beispiele der genannten Papiere sind die folgenden: Aktienanleihe (DE000TD67HV9), Discounterzertifikat (DE000VN2F7J2) oder Memory-Express-Papier (DE000SE6SX79). Sie ermöglichen allesamt hohe Seitwärtsrenditen und benötigen „lediglich“ eine Stabilisierung der Aktie auf dem momentanen Niveau.