GeldanlageHeißer Sommer an der Börse


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Überraschungen gab es in diesem Sommer zuhauf. Sehr prominent waren die Brexit-Entscheidung der Briten und der versuchte Putsch in der Türkei, der das Land in die Krise stürzte. Von vielen Börsianern wird daher nicht der Brexit, sondern die Situation am Bosporus als sehr gefährlich eingestuft. Wie wird es wirtschaftlich dort weitergehen und was ist nach der Herabstufung des Landes zu erwarten?

Die Türkei versucht alles, um die Situation zu beruhigen und hat den Zinssatz für Übernachtkredite um 25 Basispunkte auf 8,75 Prozent gesenkt. Damit hat sie das Tempo der Zinssenkungen etwas reduziert, nachdem die Notenbank bei den vergangenen drei Sitzungen den Satz jeweils um 50 Basispunkte reduziert hatte. Präsident Recep Tayyip Erdoğan will mit billigerem Geld die Kreditvergabe ankurbeln, und so dafür sorgen, dass die Verbraucher kräftig konsumieren und die Unternehmen investieren. Allerdings reicht das der Ratingagentur Moody´s nicht, denn sie hat das Land herabgestuft und die Lira mit nach unten gerissen, die mit 3,09 Lira je Dollar ein neues Rekordtief erreicht hat. Aktuell hat sich die Lira auf rund 3,02 erholt.

Bonität gesenkt

Die Ratingagentur Moodys hat das Rating für die Türkei von BB+ auf BB gesenkt und damit auf die zweithöchste Stufe innerhalb des Ramschanleihensektors gedrückt. Die Ratingagentur befürchtet, dass die Probleme für die Türkei angesichts von Auslandsschulden von herben 411,5 Mrd. Dollar immer größer werden: „Wir schätzen, dass die Türkei in den nächsten zwölf Monaten 42 Prozent der gesamten Auslandsschulden – im Wert von 170 Mrd. Dollar (das Fünffache der heranziehbaren Reserven und 24 Prozent der 2016er-Wirtschaftsleistung) – umschichten muss.“ Die Türkei muss also für alte, auslaufende Kredite nun neue Gläubiger finden. Ein schwieriges Unterfangen derzeit, denn etliche Experten fürchten, dass sich die Wirtschaft deutlich abkühlen wird, zumal sich gerade ausländische Unternehmen wegen der politischen Risiken mit Investitionen zurückhalten dürften.

Dabei ist das Land angesichts eines Leistungsbilanzdefizits von rund 4,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung auf eine kräftige Kapitalzufuhr aus dem Ausland angewiesen. Entsprechend haben sich die Auslandsschulden der Türkei gegenüber dem Jahr 2007 verdoppelt auf zuletzt 411,5 Mrd. Dollar. Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben die türkischen Banken Auslandschulden von rund 120 Mrd. Dollar.

Wegen der kräftigen Abwertung der türkischen Lira gegenüber dem Dollar – allein seit Ende 2012 hat die Lira um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet – wächst der Druck auf die Banken, andere Unternehmen und private Haushalte, die sich in ausländischer Währung verschuldet haben. Sie müssen immer mehr Lira aufwenden, um ihre ausländischen Kredite weiter bedienen zu können.

Aktienmarkt bricht ein

Dass sich die Perspektiven für die türkische Wirtschaft deutlich eintrüben, zeigt auch der Aktienmarkt deutlich an. Der Borsa Istanbul 100 Index (BIST 100) war nach dem Putschversuch um acht Prozent eingebrochen, hat sich anschließend aber etwas erholt. Dennoch notiert er auf dem gleichen Niveau wie 2012. Hiesige Anleger, die in türkischen Aktien investiert waren, haben dennoch einen herben Verlust verbucht, weil die Lira in dem Zeitraum um fast 30 Prozent gegenüber dem Euro verloren hat.

Anleger, die nun insgesamt vorsichtiger agieren wollen, sollten dabei nicht nur die Türkei im Blick haben, sondern defensive Investments bevorzugen. Ein solches Investment ist zum Beispiel der „Global Quality Income-ETF“ von Lyxor, der nur Substanzwerte berücksichtigt. „Das Anlageuniversum des ‚Global Quality Income-ETF’ (WKN: LYX0PP) berücksichtigt Aktien aus der ganzen Welt mit Ausnahme von Finanzunternehmen. Die Gesellschaften müssen neben einer Mindestgröße auch eine hohe Profitabilität, Liquidität sowie eine ausgewiesene Bilanzstärke vorweisen können. Außerdem soll die Dividendenrendite mindestens vier Prozent betragen“, erklärt Heike Fürpass-Peter, Leiterin des Privatkundenvertriebs bei Lyxor, den Auswahlprozess dieses ETFs.

Eine Alternative sind auch Papiere, die weniger Risiko bergen als ein Direktinvestment. Zu nennen sind hier die Discountzertifikate, die im aktuellen Seitwärtstrend im Dax (WKN: HY77KC) und im S&P 500 (WKN: XM5GCN) ihre Stärken ausspielen.