AktienRisikoanlage Deutsche Bank


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Coco-Bonds, Kommentare von Wolfgang Schäuble zur Liquiditätslage, Aktienkurseinbruch, Rechtsstreitigkeiten – die Deutsche Bank war in den letzten Monaten ein kommunikationspolitischer Super-GAU. Alles Negative wurde auf die Aktie projiziert. Nun sprang im ersten Quartal überraschend ein Gewinn heraus – Zeit für Entwarnung?

Auf die Zahlenvorlage reagierte die Aktie der Deutschen Bank mit deutlichen Kursgewinnen. Etliche Investoren dürften davon ausgehen, dass das Papier schon bald das Hoch vom März in Angriff nehmen könnte. Die Zuversicht sollte allerdings nicht zu stark sein. Deutschlands größtes Geldinstitut hat im ersten Quartal einen Gewinn von 236 Mio. Euro erwirtschaftet. Analysten waren von einem Verlust von 300 Millionen ausgegangen.

Dass das Ergebnis nicht ganz so schlecht ausgefallen ist wie befürchtet, dafür sind nicht zuletzt die Belastungen für Rechtsrisiken verantwortlich. Sie lagen mit lediglich 187 Mio. Euro meilenweit unter dem Wert des Vorjahresquartals von 1,54 Mrd. Euro. Dass sie derart niedrig bleiben werden, darf aber getrost bezweifelt werden.

Kernkapitalquote ist gesunken

Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, sieht andere Schwächen bei der Bank: „Die harte Kernkapitalquote ist von 11,1 Prozent auf 10,7 Prozent gesunken. Durch den Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank soll der Wert zwar um 0,5 Prozentpunkte gesteigert werden. Doch damit bliebe die Deutsche Bank weiterhin klar unter dem Vergleichswert der Commerzbank, der bei zwölf Prozent liegt.“

Sie wird berechnet, indem man das Kernkapital durch die Risikogewichteten Aktiva dividiert. Durch den Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank soll der Wert um 0,5 Prozentpunkte gesteigert werden. Damit bliebe die Deutsche Bank aber weiterhin klar unter dem Vergleichswert der Commerzbank, der bei zwölf Prozent liegt.

Ob die Kurserholung bei der Deutschen Bank weitergeht, wird vor allem von der Entwicklung des Finanzmarkts abhängen. Im ersten Quartal hatten die Turbulenzen am Finanzmarkt dazu geführt, dass das Handelsgeschäft mit Anleihen und Währungen, sowie mit Aktien um jeweils 29 Prozent eingebrochen war. „Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig“, sagte Vorstandschef John Cryan. „Deshalb hielten sich die Kunden an den Kapitalmärkten zurück, unsere Erträge waren im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, vor allem im Wertpapierhandel und bei Unternehmensfinanzierungen.“

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der starke Yen belastet die Finanzmärkte

In dem schwierigen Umfeld hatten die Unternehmen zudem weniger Kapitalerhöhungen und Anleihen am Markt platziert, was wiederum die Deutsche Bank deutlich belastete. Nachdem sich der weltweite Aktienmarkt seit Mitte Februar deutlich erholt hat, könnte nun wieder Gegenwind aufkommen. Grund: Nachdem die japanische Notenbank bei ihrer Sitzung am 28. April die Geldpolitik überraschend nicht lockerte, hat sich der Yen gegenüber dem Dollar weiter stark erholt. Das ist eine enorme Belastung für die Aktienmärkte weltweit.

Weil der Yen in den vergangenen Jahren stark gegenüber dem Dollar gesunken war, nahmen Investoren verstärkt Kredite auf Yen-Basis auf, und steckten das Geld beispielsweise in US- oder europäische Aktien. Das nennt man Carry Trade. Die Investoren profitierten dabei von zwei Seiten: Einerseits von Währungsgewinnen und andererseits von Kursgewinnen am Aktienmarkt.

Das Spiel geht aber nur solange gut, wie der Yen fällt. Wenn er aber wie derzeit kräftig steigt, lösen die Investoren ihre Yen-Kredite auf und verkaufen ihre Aktien. In dem Umfeld dürfte das Geschäft der Deutschen Bank wieder unter Druck kommen, sei es im Handelsgeschäft oder bei der Begleitung von Unternehmen bei Emissionen am Kapitalmarkt.

Investoren bleiben skeptisch

Cryans anhaltende Vorsicht für das Gesamtjahr 2016 ist daher mehr als berechtigt. „Es ist noch unklar, ob wir am Ende einen kleinen Gewinn oder einen Verlust ausweisen“, sagte er. Grund sei nicht zuletzt die Beilegung möglichst vieler der juristischen Altlasten.

Wie groß die Skepsis der Investoren trotz der Kurserholung ist, zeigt ein Vergleich zwischen dem Aktienkurs und dem materiellen Eigenkapital je Aktie. Es wird berechnet, indem man vom Eigenkapital den Firmenwert aus Übernahmen abzieht und anschließend durch die Aktienanzahl dividiert. Der aktuelle Aktienkurs liegt mit rund 17,40 Euro meilenweit unter dem materiellen Eigenkapital je Aktie von 37,29 Euro. Das zeigt, wie skeptisch Investoren die Gewinnperspektiven der Deutschen Bank einschätzen.

Anleger sollten vor allem den Aktienmarkt genau im Auge behalten. Sollte er sich weiter erholen, dürften die Aktien der Deutschen Bank und die anderer Banken auf der Überholspur sein. Ansonsten werden die Bankaktien wohl deutlich schlechter laufen als der Gesamtmarkt. Eine gute Alternative zum Direkteinstieg ist ein Memory-Expresszertifikat – WKN SE2TAB – sowie für offensivere Bankfreunde ein Discount-Call mit WKN PB47MT.