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Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


In der Tat gibt es im Sommer 2016 so einiges, was Investoren besorgen könnte. Die Aktienmärkte in den USA erfahren eine deutliche Auswertung ihrer Bewertung, der Öl-Sektor steckt in Schwierigkeiten, in China passiert Wachstum nur noch infolge großer Verschuldung, die Notenbank in Japan rückt verdächtig nah an Helikoptergeld heran und die Banken in Italien gleichen mitunter Geldverleihern im Bahnhofsviertel, die sich ihre Schuldner nicht so genau angesehen haben. Trotzdem bricht nicht alles zusammen und dies liegt zum einen eben an den Notenbanken, zum anderen aber auch daran, dass Risiken am Markt dazu gehören und dies war schon immer der Fall.

Eine Lösung für viele ist, auf Sachwerte zu setzen. Der berühmte Anleihenmanager Bill Gross rät Anlegern, auf reale Vermögenswerte zu vertrauen. Bill Gross betont: „Ich mag keine Anleihen und die meisten Aktien auch nicht, ich favorisiere reale Vermögenswerte wie Grundstücke und Gold.“ Die weltweite Geldschwemme drückt die Zinsen auf immer neue Rekordtiefs und im Gegenzug steigen die Aktienmärkte aus Alternativlosigkeit kräftig an, beim S&P 500 sogar auf neue Rekordhochs.

Risiken abbauen und auf niedrigere Renditen einstellen?

Umso extremer sind aber Anleihen und Aktien überbewertet. Allerdings gelten die Bewertungen für Aktien historisch nach Maßstäben, in denen es noch Zinsen gab. Zumindest die Überlegung ist berechtigt, ob ein Konzern wie BASF mit einer Dividendenrendite von rund vier Prozent und dem Überleben zweier Weltkriege nicht ein solideres Sachinvestment ist, als manche hoch gepreiste Immobilie. Doch zurück zu Gross.

Sein Rat ist klar: In einem Umfeld von Null- und Strafzinsen sind im Gegensatz zu früher zweistellige Renditen längst nicht mehr möglich, weshalb Inverstoren ihre Risiken abbauen und sich auf niedrigere Renditen einstellen sollten. Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und dem kleinen Mann auf der Straße wird die Möglichkeit genommen, für ihre künftigen Schulden oder Altersvorsorge zu bezahlen. Die Notenbanken scheinen blind für diese dunkle Seiten von niedrigen Zinsen zu sein. Wenn sie zu lange beibehalten werden, wird die reale Wirtschaft beeinträchtigt, indem erwartete Einkommen nicht eintreten werden und die Investitionen stagnieren.

Wirtschaft als Schneeballsystem?

Die hohe Verschuldung mahnt Gross als weiteres Problem an, das nur mit einem nominellen Wachstum zu bewältigen ist. Ein nominelles Wachstum sei deshalb wichtig, weil dann Staaten, private Haushalte und Unternehmen die zusätzlichen Einnahmen verwenden könnten, um die Zinsen zu bezahlen und die Schulden zu tilgen. „Ohne Letzteres entwickelt sich eine schuldenbasierte Wirtschaft schlussendlich zu einem Schneeballsystem und implodiert irgendwann. Beobachten Sie das nominelle Wirtschaftswachstum. In den USA sind 4 Prozent erforderlich, in der Euro-Zone 3 bis 4 Prozent und in Japan 2 bis 3 Prozent“, meint Gross.

Seiner Meinung nach sollten in einer Welt mit hohen Risiken und niedrigen Renditen, die Risiken reduziert und Renditen akzeptiert werden, die niedriger sind als im langfristigen Schnitt. Daher favorisiert er keine Anleihen und Aktien, sondern reale Vermögenswerte wie zum Beispiel Gold oder Grundstücke. Sie entwickelten sich in einem Umfeld mit steigender Inflation hervorragend, da die Immobilienpreise zulegen und Gold als Inflationsabsicherung gefragt ist.

Schulden sind eine Seite der Medaille

Einen Punkt scheinen die Mahner und Warner á la Gross oder der „Anleihen-König“ Jeffrey Gundlach, der empfiehlt schlicht „alles zu verkaufen“, aber zu vergessen. Den Schulden auf der Welt stehen Vermögenswerte gegenüber und wenn man sich die Barreserven von Apple, Google oder Microsoft einmal ansieht, sind das nicht eben wenige. Dazu sind die Privatvermögen in Deutschland explodiert, wenngleich für viele ungleich verteilt.

Wenn also von einer Verschuldung der Welt und einer Ausweglosigkeit aus dem System die Rede ist, sollte man immer auch berücksichtigen, dass Schulden auch Guthaben gegenüberstehen – an denen sich Staaten „bedienen“ könnten wenn es wirklich hart auf hart kommt. Insofern sind die Apokalypsen der Gross und Gundlachs schlicht überzogen – so sehr Panik bei manchen Investoren auch ziehen mag.

Investmentalternativen

Wer sich von der Hysterie nicht anstecken lassen will, aber dennoch im aktuell unsicheren Umfeld vorsichtig investieren möchte, findet in Zinspapieren mit moderatem Risiko eine Investitionsmöglichkeit. So wirft etwa die dreijährige Stufenzinsanleihe der IKB jährlich Zinsen von zunächst 0,95, im zweiten Jahr von 1,05 und abschließend von 1,15 Prozent ab. „Dieses Papier bietet zum einen feststehende Zinserträge und zum anderen eine überschaubare Laufzeit von drei Jahren“, erläutert Jörn Schiemann, Leiter Privatkunden und Anlageprodukte bei der IKB Deutsche Industriebank.

Wer sich dagegen defensiv am Aktienmarkt engagieren will, um größere Chancen wahrzunehmen und die Risiken nicht scheut, kann Bonus-Zertifikate (Deutsche Telekom: WKN DG6T79; Allianz: WKN HU4ETL) oder Memory Express-Zertifikate (Daimler: WKN SE1JTG; EuroStoxx Banks: WKN SE3W72) einsetzen.