AnleihenItalien-Krise lässt Rentenmarkt kalt

Am kommenden Freitag veröffentlichen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse ihrer diesjährigen Banken-Stresstests. Schon jetzt ist klar: Von den getesteten Banken wird kein einziges Institut durchfallen. Im Gegensatz zu Prüfungen in früheren Jahren legen die Tests nämlich keine bestimmten Kapitalquoten fest, die die Banken erreichen müssen, um zu bestehen. Durchfallen ist nicht mehr vorgesehen.

Auch Italiens Banken werden die Stresstests bestehen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Im Jahr 2014, bevor die EBA die Regeln geändert hatte, waren gleich neun italienische Banken durchgefallen. Seitdem hat sich die Lage in Italien nicht substanziell verbessert. Im Gegenteil: Das Land kämpft mit einer ausgewachsenen Bankenkrise. Italienische Geldhäuser sitzen auf faulen Krediten in Höhe von rund 360 Mrd. Euro und benötigen mindestens 40 Mrd. Euro frisches Kapital, um ihre Bilanzen aufzubessern.

Belastungsprobe für Renzi und die EU

Die Bankenkrise ist auch politisch brisant. Im Oktober stimmen die Italiener über eine Verfassungsreform ab, die Ministerpräsident Matteo Renzi vorangetrieben hat. Vom Ausgang des Referendums macht Renzi seine politische Zukunft abhängig. Sollten bis zum Herbst reihenweise Banken pleitegehen und Kleinsparer ihr Geld verlieren, dürfte die Unterstützung für die Reform bröckeln. Auch für die EU ist Italiens Bankenkrise eine Belastungsprobe. Renzi will die Banken mit staatlichem Geld retten. Das ist aber nach den neuen EU-Vorschriften, die im Januar in Kraft getreten sind, nicht mehr ohne weiteres möglich. Italiens Ministerpräsident kämpft bei der EU seit einiger Zeit für eine Ausnahme.

Italiens Probleme spiegeln sich am Rentenmarkt wider. „Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen sind mittlerweile höher als die für spanische Staatsanleihen. Lange Zeit war es umgekehrt. Diese Entwicklung hat unter anderem mit der Bankenkrise zu tun“, sagt Daniel Hartmann, Ökonom beim Anleihespezialisten Bantleon. Paradoxerweise sind italienische Staatsanleihen nun trotzdem ein interessantes Investment, erklärt Hartmann. Denn die Risikoaufschläge der Papiere, auch Spreads genannt, liegen zwar auf hohem Niveau, sind aber zuletzt leicht gesunken und dürften sogar noch weiter sinken. Das könnte die Kurse der Anleihen in die Höhe treiben.

Die sinkenden Spreads sind dem Anleihekaufprogramm der EZB zu verdanken. Die Notenbank kauft bereits seit Anfang vergangenen Jahres Staatsanleihen vieler Euro-Länder auf, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln. Dabei hat sie ihre Quote an italienischen Papieren zuletzt leicht erhöht. Im Prinzip unterliegt die EZB gewissen Regeln, wie viele Anleihen sie von welchem Staat erwerben darf. Viele Anleger hoffen allerdings darauf, dass diese Regeln aufgeweicht werden und die EZB bei Staatsanleihen aus dem kriselnden Italien künftig noch stärker zugreifen wird. „Die Chancen stehen 50 zu 50“, sagt Hartmann. „Es wäre ein Politikum, wenn die EZB bei ihren Anleihekäufen ausgerechnet jene Länder bevorzugen würde, die am höchsten verschuldet sind. Aber aus Sicht der Notenbanker wäre es ein logischer Schritt.“

Draghi stützt Italiens Banken

Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm im September verlängern wird. Selbst wenn sich die Kaufquoten dann nicht verändern und italienische Papiere nicht bevorzugt werden: Eine Verlängerung würde die Rentenmärkte in Italien und anderen Ländern Südeuropas stützen, sagt Hartmann. Seiner Einschätzung nach sind Staatsanleihen aus der Region deshalb ein interessantes Investment, Bankenkrise hin oder her: „Wir haben italienische und spanische Staatsanleihen übergewichtet, weil wir damit rechnen, dass sich die Spreads weiter einengen.“

EZB-Präsident Mario Draghi ist jedenfalls bemüht, Italiens Banken nicht in den Abgrund stürzen zu lassen. Auf der Pressekonferenz der Notenbank vergangene Woche Donnerstag schlug er vor, einen Markt für faule Kredite ins Leben zu rufen, auf dem sich Banken ihrer Altlasten entledigen können. Ein solcher Markt würde derzeit vor allem den italienischen Geldhäusern nützen.