Seite  1 | 2


Foto: dpa

Goldman Sachs

Der Schattenmann

Die US-Investment-Bank Goldman Sachs handelt als aggressive Großmacht. Ein Erfolgssystem im Verborgenen. Deutschland-Statthalter Alexander Dibelius ist Meister des diskreten Netzwerks in den Chefetagen der Unternehmen.

Das Angebot reizte Eckhard Cordes. Der frühere Daimlerchrysler-Vorstand war eingeladen zum WM-Achtelfinale Deutschland gegen Schweden in München. Sein Kumpel Alex hatte Tickets. Doch die Pflicht rief: Cordes, seit Jahresbeginn Vorstandschef des Duisburger Familienkonzerns Haniel, hatte am selben Tag ein Abendessen.



Selten genug, dass „der Alex“, wie den Deutschland-Chef der US-Investment-Bank Goldman Sachs viele nennen, bei einer Verabredung mit Wirtschaftsgrößen das Nachsehen hat. Ruft er an, wird er in vielen Chefetagen direkt durchgestellt; einen Termin zu bekommen, ist für ihn kein Problem.

Auch bei Cordes nicht. Er war viele Jahre Klient und ist begeisterter Anhänger von Alexander Dibelius. Und zugleich dessen Trauzeuge – so wie im Gegenzug der Banker bei der Hochzeit seines Freundes mit am Altar stand.

Die Liaison Dibelius-Cordes stammt noch aus Zeiten, als Cordes Controller bei Daimler war und der Verkauf von Bereichen wie AEG oder Luftfahrtgeschäft, Teil der späteren EADS, anstand. Auch bei der Mega-Fusion zwischen Daimler und dem US-Autobauer Chrysler mischte Goldman Sachs mit – viele halten den Deal für ein Glanzstück des Goldmannes, der damals im Hintergrund als Consigliere die Fäden zog.

Dibelius ist für Viele der beste und schnellste Investment-Banker der Republik, wenn auch Manager das – vorsichtshalber – nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Denn Goldman Sachs und ihre 46-jährige Galionsfigur sind eine heimliche Großmacht in Deutschland, beliebt und gefürchtet zugleich. Selbst Konkurrenten bei der Deutschen Bank, bei Morgan Stanley oder Merrill Lynch zollen dem Einfluss des globalen Power-Hauses widerwillig Respekt.

Rund um den Erdball verteidigt es regelmäßig die Nummer-eins-Position in der Königsklasse Mergers & Acquisitions (M&A). Goldman Sachs besitzt mit Whitehall eine der weltgrößten Immobiliengesellschaften und legte im April 2005 den bis dahin weltgrößten Private-Equity-Fonds auf. Volumen: 8,5 Milliarden Dollar. 2005 verbuchte Goldman Sachs 24,8 Milliarden Dollar Umsatz und fuhr einen Gewinn von 5,6 Milliarden Dollar ein – beides Rekordergebnisse. Dieses Jahr sind neue Bestmarken in Sicht.

Solche Stärken wecken regelmäßig Argwohn. Die dunklen Mächte im Bestseller „Sakrileg“ seien dagegen harmlos, lautete ein Kommentar im US-Wirtschaftsdienst Bloomberg: „Wer eine echte Verschwörung kennen lernen will, sollte sich Goldman Sachs ansehen.“ Anlass zur Kritik war die Nominierung des bisherigen CEO Henry Paulson als US-Finanzminister. -Ende Juni bestätigte ihn der Senat im neuen Amt.

Nicht allen gefällt das People-Business jenseits öffentlicher Bühnen um Einfluss und Aufträge – ohne feste Regeln, dafür umso brutaler. Wer sieht den Verantwortlichen auf die Finger? Schafft die Vielzahl der Mandate neue Probleme? „Nur wer kein Geschäft hat, hat auch keine Konflikte“, kontert Dibelius, „entscheidend ist, wie man mit Konflikten umgeht.“

Wo in Deutschland die Musik spielt, wie etwa bei Merck, bei Karstadtquelle oder der Allianz, da sind er und Goldman Sachs zur Stelle. An der Bank kommt kaum jemand vorbei, der eine Fusion oder Firmenübernahme plant, der unerwünschte Anteilseigner abwehren oder faule Kredite loswerden will. Die diskreten Profis mit Sitz im Frankfurter Messeturm beschaffen ihren Klienten Gelder in Milliardenhöhe, egal ob auf Pump, als Anleihe oder via -Eigenkapital. Die 300 Mitarbeiter verkloppen Aktien-Pakete genauso wie Zinspapiere oder Derivate, unterstützen Hedgefonds in ihren Beutezügen – oder die Bank engagiert sich direkt als Eigentümer.

Die Liste ehemaliger und aktueller Kunden liest sich wie ein „Who Is Who“ der heimischen Wirtschaft: Deutsche Telekom, Hypovereinsbank, Siemens, Eon, RWE, Puma, Henkel, Deutsche Börse. Selbst bei der Übernahmeschlacht von Vodafone um Mannesmann, ein Deal mit dem Rekordvolumen von 205 Milliarden Euro, war Dibelius dabei.

„Beziehungen gestaltet man nur durch professionelles Agieren“, sagt er. „Natürlich lernt man im Laufe der Jahre wichtige Personen in der Industrie persönlich kennen.“ Darin ist der Goldman-Manager ein Könner. Geschäftstermine, Aufsichtsräte, Wohltätigkeitsorganisationen, Feiern – Dibelius hat jede Gelegenheit, Kontakte zu schließen und zu pflegen. Überzeugend und charmant im persönlichen Gespräch, ständig mit dem Blackberry hantierend – ein unermüdliches Wiesel, das ständig Witterung aufnimmt für mögliche Geschäfte, immer hungrig, immer bissig. „Bei uns kochen die Chefs noch selbst“, kokettiert der Investment-Banker.

Selbstverständlich kennt und trifft er die Vorstandschefs der Dax-30-Konzerne regelmäßig. Auf Tastendruck hat er mehr als 8000 Adressen parat. Ist solche Macht unheimlich? „Unser Einfluss ist nur geliehen“, sagt Dibelius, „Klienten vertrauen der Institution Goldman Sachs.“ Nur zweimal die Woche ist er in seinem Frankfurter Büro, sonst teilt er seine Arbeitszeit in „Zwei-Städte-Tage“, „Drei- oder Vier-Städte-Tage“ – je nach Anzahl der Reiseziele. Am Abend im Hotelzimmer warten als Betthupferl im Schnitt 250 E-Mails und 40 Voice-Mails auf Antworten. „Ein begnadeter Netzwerker“, anerkennt Stefan Messer, Chef der gleichnamigen Firmengruppe, bei der Dibelius im Aufsichtsrat sitzt. „Er kennt Gott und die Welt.“

Dibelius nahm schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für die Politikerin arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmenschefs, damit sie besser und schneller mit Personen aus der Wirtschaft ins Gespräch kam. Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung.

Verbindungen zur Politik haben bei Goldman Sachs Tradition – dafür sorgt das unternehmens-interne Netzwerk rund um den Globus, auf das Dibelius wie die weltweit insgesamt 320 Partner Zugriff hat. Wenn nötig, ist jeder erreichbar, selbst zu Nachtzeiten oder im Ferienhaus. In Europa stehen die beiden ehemaligen EU-Kommissare Mario Monti und Karel van Miert als Berater auf der Gehaltsliste, der frühere EU-Kommissar Peter Sutherland arbeitet als Chairman von Goldman Sachs International und in gleicher Funktion beim Energiekonzern BP. Zudem ist er Mitglied im Internationalen Beraterkreis der Allianz. Ex-Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs ist Aufsichtsratschef von Goldman Sachs Investment Management.

Die Nähe zur Politik manifestiert sich am augenscheinlichsten in den Vereinigten Staaten. Das Amt des Finanzministers, das jetzt Paulson übernimmt, hatte unter Präsident Bill Clinton bereits der ehemalige Goldman-Manager Robert Rubin inne. Der US-Vizeaußenminister Robert Zoellick, Stellvertreter von Condoleezza Rice, heuert demnächst bei Goldman an. Der frühere Goldman-Chef Jon Corzine ist Gouverneur in New Jersey, Ex-Kollege Joshua Bolten führt im Weißen Haus den Titel „Chief of Staff“.

Das Netz steht auch hier zu Lande, dafür sorgt Dibelius. „Er ist unglaublich gut verdrahtet und in der deutschen Industrie akzeptiert“, sagt Karl-Heinz Stiller, Vorstandschef von Wincor Nixdorf in Paderborn, einem Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen für den Handel. Der Manager meint über die Goldmänner: „Man hat sie besser als Freund neben sich denn als Feind auf der anderen Seite.“

Stiller kennt Dibelius seit Jahren: „Da bildet sich Vertrauen. Wir haben uns nicht aus den Augen verloren und sind immer in Kontakt geblieben.“ Als Siemens die Computer-Tochter abgeben wollte, bekamen Dibelius und der US-Investor KKR den Zuschlag, obwohl sie nicht unbedingt den höchsten Preis boten. „Ein wichtiger Punkt war die Frage: Kommt man mit dem Gegenüber zurecht. Da schaut man nicht auf jeden Pfennig“, sagt Stiller.

Dibelius sitzt heute im Aufsichtsrat des Unternehmens, das 2004 an die Börse ging. Der Wincor-Chef berät sich regelmäßig mit dem Banker, nutzt dessen „exzellente Instinkte fürs Geschäft“: „Von ihm habe ich nie den Satz gehört: Ich habe keine Zeit“, sagt Stiller. Der Goldman-Deutschland-Chef sprang sogar mit Rat ein, als Stiller während einer Krankheit privat ärztliche Expertise brauchte.

Dibelius ist ein Wanderer zwischen den Welten: Drei Karrieren hat er absolviert, jede davon würde dem Durchschnittsüberflieger ausreichen. Der Sohn eines Musikwissenschaftlers studierte Medizin in München, arbeitete später als Chirurg in Südafrika und an der Uniklinik Freiburg.

Danach wechselte er zur Unternehmensberatung McKinsey. Gefördert durch seinen Mentor, den damaligen Deutschland-Chef Herbert Henzler, stieg er rasch zum Partner auf. Bereits sechs Monate später, 1993, begann Dibelius seine dritte Laufbahn – bei Goldman Sachs in Frankfurt. Henzler war über den Abtrünnigen erzürnt, wenn auch nicht lange. Heute treffen sich beide regelmäßig, etwa zum Skirennen beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Der quirlige Neuling arbeitete sich flott nach oben. 1997 wurde Dibelius Managing Director, ein Jahr später Mitverantwortlicher für das M&A-Geschäft und Partner. Im Dezember 2002 avancierte er zusammen mit dem US-Kollegen Wayne Moore zum Mit- Geschäftsführer, zwei Jahre später wurde Dibelius der alleinige Chef für den deutschsprachigen Raum. Ihm zur Seite stehen fünf Partner, die sich die Aufgaben teilen. Marcus Schenck, Theodor Weimer und Dorothee Blessing, Frau des Commerzbank-Vorstands Martin Blessing, arbeiten im Investment-Banking. Philip Holzer und Peter Hollmann verantworten den Bereich Equity.


von Claudia Reischauer, Wolfgang Zdral



 
 
Capital - Suche
 
Marktinformationen

DAXTecDAXDowNAS
Chart
DAX TopsDiff %
Lufthansa
Adidas
Volkswagen
Flops
ThyssenKru
K+S
Metro
DAX 5.982,43-0,50%
TecDAX 818,94-0,60%
MDAX 7.961,46-0,32%
DOW 10.741,98-0,35%
NASDAQ 1.932,43-0,59%
EUR/US 1,3513+0,03%
GOLD 1.105,50-1,54%
 Quelle: vwd netsolutions GmbH
Billigflieger-Vergleich
Daten vom: 22.03.2010 08:30
Top 5 - Preise Top 5 - Routen  
1. 24.95 EUR   HHN - ILD
2. 24.95 EUR   HHN - NYO
3. 29.00 EUR   MUC - CGN
4. 29.00 EUR   CGN - MUC
5. 35.99 EUR   CGN - STN
Airline:
Preis:
Abflugort:
Flugziel:
Gefunden:
Flug am:

Zur Flugsuche