Capital erklärtWas Sie über den Umbau von Galeria Karstadt Kaufhof wissen müssen


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: „Die Umbaupläne von Galeria Karstadt Kaufhof“ mit Redakteur Thomas Steinmann, der bereits mehrfach über den Warenhauskonzern und seinen Eigner René Benko berichtet hat.


Wie ist Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) durch die Corona-Krise gekommen? Der Konzern galt ja als eines der großen Sorgenkinder.

Das ist er auch immer noch, denn GKK wurde – wie viele Unternehmen in der Handelsbranche – besonders stark vom Lockdown getroffen. Allein vom ersten Lockdown bis Ende September 2020 habe das Unternehmen etwa 1 Mrd. Euro an Umsatz verloren, gab GKK-Chef Miguel Müllenbach in einem Interview mit dem Handelsblatt an. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen deshalb ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, um sich zu sanieren. Da wollte GKK mit 40 Filialen, 4000 Stellen und 2 Mrd. Euro Schulden weniger weitermachen. Ende September wurde das Verfahren abgeschlossen – wenig später mussten viele Filialen dann aber wegen des Winter-Shutdowns schließen. Anfang des Jahres hat der Konzern einen Kredit in Höhe von 460 Mio. Euro aus dem Corona-Rettungsfonds WSF erhalten. Aktuell verhandelt er über weitere Hilfen. Das sind aber nur die direkten Folgen der Corona-Krise. Mittelfristig bleibt die Frage, ob die Kunden in alter Frequenz in den stationären Handel und in die Filialen zurückkehren.

Welche Rolle spielt der Online-Handel bei dieser Entwicklung?

Laut dem Insolvenzplan des Konzerns hat Online im vergangenen Jahr nur etwa 4,3 Prozent des Umsatzes ausgemacht. Galeria Karstadt Kaufhof hat die Onlinekanäle lange verschlafen, man muss sich nur einmal die Website anschauen – und dieser Umstand rächt sich jetzt. Schon häufiger hat GKK angekündigt, im Internet aufholen zu wollen. Auch das neue Konzept von „Galeria 2.0“ sieht einen neuen Online-Auftritt vor. Trotzdem wird das wohl kaum den bestehenden Konkurrenzdruck im Online-Handel mindern. Denn den Mehrwert eines Warenhauses – bei einem Besuch verschiedene Waren aus verschiedenen Bereichen einkaufen zu können – bietet das Internet ohnehin. Die große Frage ist, warum Online-Kunden ausgerechnet bei Galeria einkaufen sollen. Da hat GKK ein strukturelles Problem, das sich aus meiner Sicht kaum lösen lässt.

Im Zuge des neuen Konzept des Konzerns soll auch der Markenname vereinheitlicht werden. Was soll sich noch ändern?

Künftig will GKK das klassische Warenhauskonzept deutlich erweitern. Dafür soll es drei Typen von Filialen geben, die jetzt an der Frankfurter Hauptwache, in Kassel und Kleve als Pilotstandorte entstehen: Dazu gehört das „Weltstadthaus“, der „regionale Magnet“ und das „lokale Forum“. Bis zu 60 von 131 Standorten sollen komplett umgebaut werden, der Rest zumindest in Teilen. Neben dem bisherigen Sortiment soll dabei auch Platz entstehen für andere Dienstleistungen und Angebote wie Parkplätze und Reparaturmöglichkeiten für Fahrräder, Paketschalter, Schalter für Bürgerdienste und Ladesäulen für E-Autos und -Bikes. Die Angebote sollen dann auch per App buchbar sein. Für diese Neuaufstellung kalkuliert GKK mittelfristig mit 600 Mio. Euro an Investitionen.

Was verspricht sich GKK davon?

Nach eigenen Angaben ist es das Ziel, zu einem Wohlfühlstandort zu werden, weil das Angebot künftig mehr bietet als das klassische Kaufhaus. Die Standorte sollen zu einer Art sozialem Zentrum in der Innenstadt werden, das die Leute anlockt – und das eben nicht mehr nur allein zum Einkaufen. Schon heute gibt es in vielen Filialen von Karstadt und Kaufhof Untermieter wie Friseurläden oder Telekom-Shops. Wenn GKK künftig mehr Flächen an Externe untervermietet, dann kann dies bei den Mieteinnahmen helfen. Zugleich geht es darum, die Standorte attraktiver zu machen und die Leute anzulocken – auch solche, die nicht gezielt das Warenhaus ansteuern, sondern primär für andere Angebote kommen.

Wie realistisch ist es, dass das gelingt?

Das ist schwierig zu beurteilen, denn die Nachfrage hängt tatsächlich von dem zusätzlichen Angebot ab. Kostenlose Parkplätze oder Ladesäulen allein werden vermutlich nicht allzu viel Interesse schaffen – die gibt es in den Städten oft auch anderswo. Auch bei den Bürgerdiensten ist die Frage, wie das Angebot da aussehen soll, denn dafür gibt es eigentlich die Behörden mit ihren eigenen Standorten. Das Problem der Mietausfälle lässt sich durch die anderweitige Vermietung von Verkaufsfläche sicherlich etwas abmildern. Aber ob diese Zusatz-Angebote in der Lage sind, Kunden anzulocken, die dann wiederum auch zum Einkaufen ins Warenhaus gehen – da muss man ein großes Fragezeichen setzen. Angesichts des massiven Strukturwandels im Handel, der durch die Corona-Krise noch einmal beschleunigt wurde, gibt es aber auch keine wirkliche Alternative. Wenn es rein nach ökonomischen Kriterien geht, werden Warenhäuser künftig wohl nur noch in den Großstädten funktionieren – Luxushäuser wie das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg, die nicht zuletzt von kaufkräftigen Touristen aus aller Welt leben.

Was heißt die Entwicklung von GKK für die Signa-Gruppe als Eigentümer?

Signa hat viel Geld investiert, um Galeria Karstadt Kaufhof am Leben zu halten. Schon vor dem Schutzschirmverfahren hat der Konzern 162 Mio. Euro investiert und im Herbst 2020 noch einmal einen „Sanierungsbeitrag“ von 325 Mio. Euro geleistet. Für die Signa-Gruppe ist GKK eine Belastung. Einen Großteil der Immobilien von Karstadt und Kaufhof hat Signa zwar in der Vergangenheit bereits verkauft. Aber dennoch schlägt die Krise der Handelssparte auch auf das Immobiliengeschäft durch, etwa in Form von Mietreduktionen in der Corona-Krise.

Trotzdem hat die Immobilientochter Signa Prime hat für 2020 doch gut 750 Mio. Euro Gewinn ausgewiesen…

Davon sollte man sich aber nicht blenden lassen. Hierfür waren vor allem Wertsteigerungen bei Entwicklungsprojekten verantwortlich. Wie sich die Folgen der Corona-Krise mittelfristig auf die Werte von Handels- und Büroimmobilien auswirken, steht auf einem anderen Blatt. Dann wird sich auch zeigen, wie solide die Signa-Gruppe finanziert ist. In diesem Zusammenhang ist eine Anleihe in Höhe von 300 Mio. Euro interessant, die die Entwicklungstochter Signa Development Mitte Juli platziert hat. Für die Anleihe muss Signa relativ hohe Zinsen zahlen, und die Ratings von Fitch und S&P, die den Bond als spekulativ bewerten, haben es wirklich in sich. Das Urteil der Ratingagenturen könnte dem Konzern bei künftigen Finanzierungen noch Probleme bereiten.

 


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