MarkenmomentWarum Knirps auch Sonnenschirme verkauft

Knirps ist für seine Regenschirme bekannt
Knirps ist für seine Regenschirme bekanntPR

Wie gut das Wetter ist, kann Bernhard Lindner an seinen Zahlen ablesen. Lindner ist Vertriebschef des Schirmherstellers Knirps. Und seinen Zahlen wird er am Ende dieses Jahres entnehmen können, dass Deutschland, sein wichtigster Markt, einen rekordverdächtigen Sommer erlebte – mit extrem viel Sonne und ganz wenig Regen. Hierzulande werde Knirps 2018 daher weniger Regenschirme verkaufen als sonst, sagt Lindner. Unter dem Strich rechnet er beim Umsatz mit einem Minus.

Die neue Capital erscheint am 22. November
Die neue Capital erscheint am 22. November

Doch andererseits profitiert auch Knirps von einem Extremsommer wie diesem, in dem die Leute Schutz vor der Sonne suchen. Seitdem der österreichische Konkurrent Doppler die weltberühmte, aber träge gewordene Marke Mitte der 2000er-Jahre vor dem Aus rettete, haben die neuen Eigentümer die Produktpalette kontinuierlich erweitert. Von Knirps gibt es seit einer Weile nicht mehr nur Regenschirme im Taschenformat, sondern auch Sonnen- und große Gartenschirme. Und bei den Gartenschirmen verzeichnet Vertriebschef Lindner dieses Jahr einen Rekordumsatz: ein Plus von 30 Prozent. Getrieben wird das vor allem durch den deutschen Markt.

Mit den neuen Produkten hat es Knirps geschafft, sich ein Stück weit unabhängiger von Wetter und Jahreszeiten zu machen. „Die Gartenschirme sind für uns ein zweites Standbein geworden“, sagt Lindner. Als Losung für die Marke haben sie in der Zentrale in Braunau ausgegeben: „We love rain and sun.“

Knirps setzt auf das obere Preissegment

Zwar liegt der Hauptfokus bei Knirps immer noch klar auf Regenschirmen, von denen die Firma weltweit rund 600.000 im Jahr verkauft. Doch die jüngeren Produkte machen bereits fast 15 Prozent des Umsatzes aus – Tendenz steigend. Dazu gehören auch Sonnenschirme mit UV-Schutz, die sich insbesondere in Japan und China gut verkaufen. Vor einigen Jahren stieg Knirps außerdem in das Geschäft mit wetterfester Kleidung ein. Allerdings laufen die Regenmäntel, Ponchos und Hüte nicht so gut wie die Gartenschirme, bei denen Knirps ebenso wie bei seinen Regenschirmen das obere Preissegment besetzt: Das günstigste Modell kostet 300 Euro, das teuerste mit Zubehör mehr als 1000 Euro.

Bislang habe man bei den Gartenschirmen noch ein „sehr schlankes Portfolio“, sagt Lindner – auch weil es zwischen den handlichen Regenschirmen und den großen Modellen für den Garten kaum Synergien bei Produktion, Logistik und Vertrieb gibt. Mit Blick auf die Klimaveränderungen und den Trend zu heißeren, trockeneren Sommern will Lindner das Geschäft mit Gartenschirmen noch ausbauen. Neben Weiterentwicklungen des Produkts setzt er wie schon bei Regenschirmen auch auf neue Märkte – etwa in Fernost oder Nordeuropa.

Denn bislang verkauft Knirps seine Gartenschirme vor allem im alten Stammmarkt Deutschland, zuletzt waren es einige Tausend Stück. International gebe es noch viel Luft, sagt Lindner: „Da sind wir noch relativ grün.“

Unternehmen

Die Geschichte der Marke Knirps reicht zurück ins Jahr 1928, als Hans Haupt in Solingen den Regenschirm mit Teleskopgestell erfand. Die Produktion übernahm die Firma Bremshey. Bis 1999 wurde in Deutschland produziert. 2005 kaufte die österreichische Firma Doppler die Lizenz. Zuletzt machte Doppler mit der Marke Knirps 11 Mio. Euro Umsatz.