KolumneWarum Eon und RWE scheitern

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Die Gewinner des neusten Umbaus in der deutschen Stromwirtschaft stehen bereits fest: die amerikanischen, britischen und französischen Investmentbanker, die sich an der überaus komplizierten Operation bei Eon und RWE und der Zerschlagung von Innogy eine goldene Nase verdienen dürften. Heimische Banken spielen bei der wohl größten Transaktion dieses Jahres bezeichnenderweise keine Rolle – man muss wohl ziemlich aus der Ferne auf Deutschland blicken, um die Idee einer Re-Monopolisierung der deutschen Stromwirtschaft für logisch zu halten.

In Wahrheit verschieben Eon und RWE nur ihre Zukunftsprobleme statt sie zu lösen. Es geht vor allem um die Frage, wie sich künftig noch mit erneuerbaren Energien genügend Geld verdienen lässt, um die Existenz von Großkonzernen zu rechtfertigen. Oder betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Verfügen Eon und RWE über die optimale Betriebsgröße, um als Gewinner aus den vielen fundamentalen Veränderungen auf ihren Märkten herauszukommen.

Die Geschichte der letzten Jahre war für Eon und RWE eine einzige Geschichte des Scheiterns. Erst setzte man gegen jede Vernunft halsstarrig und arrogant auf die Atomkraft. Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen macht sich bei jeder Gelegenheit über den „Zitterstrom“ aus Windkraft lustig. Dann wollte man zwar die Kernkraftwerke abschalten, aber die umstrittenen Kohlemeiler für Jahrzehnte weiter betreiben. Als auch diese Idee keinen Bestand mehr hatte, sollten zwei Geschäftsfelder die Zukunft der beiden Konzerne sichern: erneuerbare Energien und „smarte Lösungen“ für die privaten und industriellen Kunden.

Ein Duopol soll es bringen

Inzwischen aber zeigt sich: Mit den vielen Solaranlagen und Windkraftanlagen können die Konzerne nicht genügend Geld verdienen, um ihre riesigen Apparate weiter zu betreiben. Und auch die „smarten“ Steuerkästen in den Kellern der Kunden bringen nicht genügend Umsatz. Den erneuerbaren Energien gehört zwar die Zukunft – aber man braucht keine großen Konzerne, um diese Zukunft ökonomisch zu gestalten. Tausende von privaten Betreibern können das genauso gut wie die Großen – und mit deutlich weniger Bürokratiekosten.

Deshalb soll es jetzt eine Art von Duopol bringen: Aus Eon wird eine Netzriese, dessen Wohl und Wehe nicht mehr der Markt bestimmt, sondern der Staat. Erhöht die Bundesregierung die Entgelte für die Stromnetze, geht es Eon gut; sinken sie, steht die nächste Krise vor der Tür. Aus RWE wird ein Erzeugungsriese, der wieder von der Atomkraft bis zum Solarparkt alles unter einem Dach verwaltet. Warum gerade das mehr Effizienz bringen soll, erschließt sich niemandem. Schließlich ist dieses Modell schon einmal gescheitert.

Mehr Größe bringt mehr Macht, und mehr Macht bringt mehr Geld. Das ist die Formel, die letztlich hinter der ganzen Operation steht. Sie dürfte jedoch nur kurzfristig funktionieren. Den langfristigen Niedergang der beiden Konzerne wird sie nicht aufhalten.