GastkommentarEon und RWE betreiben den Ausstieg vom Ausstieg

Eon-Chef Teyssen und RWE-Chef Schmitz reichen sich die Hand
Eon-Chef Teyssen und RWE-Chef Schmitz sind sich einig: Sie stecken ihre Claims abdpa

In Deutschland rappelt es. Die Energieriesen sortieren sich neu. Die Energiekonzerne Eon und RWE haben sich überraschend zusammengetan und schieben die verschiedenen Bereiche so hin und her, dass im Ergebnis ein Netzriese (Eon) und ein Produktionsriese (RWE) entsteht.

Bei dem Mega-Deal geht es zu wie sonst nur beim Stricken: Zwei Maschen rechts, zwei Maschen links und eine fallenlassen! Fallengelassen wird Innogy. Die RWE-Auskopplung war erst vor zwei Jahren mit großem Trara als zukunftsweisendes Ökostrom-Unternehmen gegründet und dann mit lautem Trommelwirbel an die Börse gebracht worden. Die Abschaltung der Zukunft passierte dafür still und heimlich: Die Innogy-Geschäftsführung erfuhr die Nachricht ihrer Auflösung aus den Medien und saß noch Montagmorgen brüskiert, weil ahnungslos in ihrer jährlichen Bilanzpressekonferenz. Übler wird man derzeit nur aus der amerikanischen Regierung gefeuert.

Die Börse jubelt – wenig überraschend. Indem sich die Unternehmen zusammentun, gewinnen sie nunmehr kurzfristig mehr Marktmacht. RWE übernimmt die Produktion, Eon die Netze. Man ist wechselseitig verzahnt. Das wird nicht zum Schaden der Investoren sein.

Die Gewerkschaften jubeln auch. Das mag erstaunen, weil schließlich 5000 Stellen abgebaut werden sollen. Eine geringere Zahl bei Siemens, nämlich 3500, führte erst vor wenigen Monaten zu gewaltiger Empörung. Aber die Energiebranche tickt anders und erst recht die IG BCE. Sie geriert sich schon seit Jahren als stärkster Kohle-Lobbyverband und scheint sich zu freuen, dass das kurze Energiewende-Zwischenspiel der Konzerne nun sein Ende gefunden hat.

Eon und RWE begraben Ökostrompläne

Mit Innogy verschwinden vollmundigen Ambitionen aus den beiden Konzernen, den Markt der erneuerbaren Energien in Angriff zu nehmen. Das passt dazu, dass auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD von Klimaschutz und Energiewende nicht mehr ernsthaft die Rede ist. Es mag Zufall sein, dass die Unterschrift unter die GroKo-Vereinbarung und die Bekanntgabe des Ausstiegs vom Ausstieg seitens der Konzerne in dieselbe Woche fielen. Doch der Zeitgeist ist zweifelsohne derselbe.

Denn auch die Regierung jubelt. Der neue Energieminister Peter Altmaier erklärte gleich bei der Verkündung des Mega-Deals, dass er sich über diese Entscheidung freue. Er wird alles tun, um die Energieriesen zu unterstützen. Da kommt gelegen, dass die neue Umweltministerin aus NRW kommt und Mitglied bei der IG BCE ist. Man ahnt, wie es weitergeht: Statt Kohle- und Diesel-Ausstieg werden die erneuerbaren Energien weiter ausgebremst und das Klimaziel auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Stattdessen gibt es für die neu herausgeputzten Energiebräute attraktive Kohleabwrackprämien und sonstige Vergünstigungen für den Netzausbau.

Das alles geht zu Lasten der Umwelt, das ist klar. Es geht auch zu Lasten der Bürger, die nämlich direkt oder indirekt die steigenden Kosten für Energieversorgung, Gesundheit und die Folgen des Klimawandels bezahlen müssen.