Capital-BriefingVor einem Jahr platzte die Bombe: 10 Texte zum Wirecard-Skandal

Drei Bücher und diverse Aktenordner zeugen von Wirecards milliardenschweren Bilanzbetrug
Drei Bücher und diverse Aktenordner zeugen von Wirecards milliardenschweren BilanzbetrugIMAGO / IPON

Eigentlich sollte der 18. Juni 2020 Wirecard zur Ehrenrettung dienen. Dreimal hatte das Unternehmen die Vorlage seines Geschäftsberichts für 2019 schon verschoben und damit Misstrauen geschürt. Das Testat durch den Wirtschaftsprüfer EY sollte alle Zweifel ausräumen. Stattdessen verweigerte EY den Abschluss wegen fehlender Nachweise für ein Bankguthaben von 1,9 Mrd. Euro.

Für den Aschheimer Zahlungsdienstleister war das Ende damit besiegelt. Die Aufarbeitung des Skandals dauert indes noch an: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass neue Enthüllungen über den Bilanzbetrug, dubiose Geschäfte und Kontakte des ehemaligen Dax-Konzerns bekannt werden. Eine Übersicht über die wichtigsten Perspektiven und Aspekte aus dem Jahrhundertskandal:

#1 Aufstieg und Fall von Wirecard

Der dramatische Absturz des Zahlungsdienstleisters ist einzigartig in der deutschen Unternehmensgeschichte. Erst im September 2018 war Wirecard in den Dax aufgestiegen und hatte dort die traditionsreiche Commerzbank verdrängt. Doch mit dem Erfolg kamen auch erste Zweifel. Immer wieder schrieb vor allem die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ über finanzielle Ungereimtheiten. Die FT-Berichte stehen am Anfang der Ereignisse, die schließlich zum Absturz des Unternehmens führten. Eine Chronologie in Bildern.

Drei Bücher und diverse Aktenordner zeugen von Wirecards milliardenschweren Bilanzbetrug
Drei Bücher und diverse Aktenordner zeugen mittlerweile von Wirecards milliardenschweren Bilanzbetrug

#2 Wein, Yacht und gefälschte Bilanzen: Der Skandal in Zahlen (C+)

Schon jetzt gilt der Wirecard-Skandal als Jahrhundertbetrug, der Politik und Wirtschaft auch weiterhin in Atem hält. Trotzdem werden noch immer neue Details über das Treiben des ehemaligen Dax-Mitgliedes bekannt. Eine Übersicht aus den kuriosesten Zahlen und Fakten, haben Jan Rosenkranz und Thomas Steilmann zusammengestellt.

Der Wirecard-Konzern in Aschheim
Der Wirecard-Konzern in Aschheim

#3 „Das Geld wurde lastwagenweise rausgeschafft“

Der Wirecard-Skandal erschütterte vergangenes Jahr die Republik – nun gibt es das Drama als Buch und Film. Aufgearbeitet hat den Stoff die Autorin Bettina Weiguny. Sie erzählt im Interview, was sie bei der Recherche erlebt hat.

Christoph Maria Herbst spielt im Doku-Thriller den Ex-CEO Markus Braun

#4 Ein Scheinriese und der verzweifelte Aufbau von Neugeschäft

Kurz vor seinem Ende kaufte der Aschheimer Zahlungsdienstleister das Start-up SO1. Der Fall zeigt exemplarisch, wie Wirecard händeringend versuchte, neue Geschäfte um seine hohle Bilanz zu bauen.

Ex-Wirecard-CEO Markus Braun
Die vom Dax-Konzern kommunizierten Zahlen unterschieden sich oft ­erheblich von der Wirklichkeit

#5 Der frühe Warner, dem keiner glaubte (C+)

Schon 2008 schlug Tobias Bosler Alarm: Bei Wire­card ist etwas faul. Keiner glaubte dem  Investor und ehemaligen Börsenbrief-Herausgeber – erst recht nicht, als er wegen Marktmani­pulationen verurteilt wurde. Nachdem das Kartenhaus um Wirecard zusammengebrochen ist, fühlt er sich befreit. Birgit Haas zeichnet seinen Kampf für die Wahrheit und gegen die Behauptungen des Dax-Konzerns nach.

Weder Held noch Opfer: Boslers Verurteilung überschattet seine Enthüllungen
Weder Held noch Opfer: Boslers Verurteilung überschattet seine Enthüllungen

#6 Das Doppelleben des Jan Marsalek

Jan Marsalek war nicht nur Vorstand beim insolventen Dax-Konzern. Er bahnte auch windige Geschäfte mit russischen Söldnern zur Migrationsabwehr in Libyen an. Heute ist er im Zuge der Ermittlungen um den Skandal-Konzern abgetaucht und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Deutsche Ermittler sehen in ihm eine Schlüsselfigur der weitreichenden Machenschaften. Lesen Sie hier, was bisher über Marsalek bekannt ist.

Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek setzte sich bei der Wirecard-Bank persönlich für mehrere Kunden ein, unter anderem in Asien

#7 Das Unglücksspiel mit dem Zahlungsdienstleister (C+)

Bei der geplanten Marktöffnung für Glücksspiel-Websites wollte der Konzern als eine Art Zahlungs-TÜV zum Zuge kommen. Verantwortlich für die Lobbyarbeit: einer der inzwischen inhaftierten Ex-Manager. Einige Bundesländer zeigten sich für den Vorstoß überraschend offen. Recherchen dazu zeigen eine ver­hängnis­volle Nähe zwischen Politikern und dem Skandalunter­nehmen.

Kameras vor der Firmenzentrale in Aschheim

#8 Wie Steuerprüfer Wirecard auf die Spur kamen

Ein bayerischer Finanzbeamter untermauerte schon 2019 Manipulationsvorwürfe gegen den Konzern. Seine Erkenntnisse über dubiose Wirecard-Partner und Geschäfte gingen später auch an die Staatsanwaltschaft. Doch die sah keinen Anlass für Ermittlungen. Was die Prüfer bei ihren Ermittlungen zu Tage förderten, wirft ein ganz neues Licht auf die Rolle der Behörden im Wirecard-Skandal, zeigen Recherchen von Capital und „Stern“.

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München
Firmenzentrale in Aschheim bei München: Im Gegensatz zu anderen Behörden gingen Steuerprüfer Betrugsvorwürfen gegen den Konzern schon 2019 intensiv nach

#9 Wie Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht versagten (C+)

Jahrelang täuschte Wirecard Aufseher und Wirtschaftsprüfer, ebenso die berüchtigte Münchner Staatsanwaltschaft. Diese war erstaunlich zahm – und Jan Marsalek unfassbar dreist. Capital liegen umfangreiche Ermittlungsakten und Behördendokumente vor, konzerninterne Unterlagen, E-Mails und Chats von Wirecard-Managern, die weiter erhellen, wie es dazu kommen konnte.

Wirecard-Vorstand Jan Marsalek (l.) tischt der Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl 2019 eine Erpressung auf

#10 Fünf Lehren für Privatanleger aus dem Wirecard-Desaster

Mit einer Mischung aus Entsetzen und ungläubigem Staunen schauten Investoren, Anleihegläubiger, Kunden, die beteiligten Banken und natürlich auch die rund 5000 Mitarbeiter von Wirecard auf die Vorgänge in Aschheim im Juni und Juli 2020. So schnell ist noch kein Dax-Konzern praktisch implodiert. Gerade Privatanleger haben durch die Pleite viel Geld verloren. Capital gibt fünf Tipps, damit sich das Desaster im Depot nicht wiederholt.

Gerade Privatanleger traf der plötzliche Fall des Aschheimer Zahlungsanlegers schwer
Gerade Privatanleger traf der plötzliche Fall des Aschheimer Zahlungsanlegers schwer