KolumneVonovia versucht es bestimmt noch einmal

Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
Capital-Kolumnist Bernd ZiesemerMartin Kress

Nun ist Rolf Buch also zum dritten Mal mit seinem Plan gescheitert, die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Doch der Chef des größten Wohnungskonzerns lässt sich die Hintertür für einen vierten oder fünften Versuch offen. Schließlich halten sich die Kosten des Scheiterns in Grenzen – die beteiligten Investmentbanken kassieren nur im Erfolgsfall ihre happigen Gebühren. Und die Verlockungen einer Fusion, vor allem die relativ hohen Synergien, bleiben genauso stark wie vorher.

Die beständige Übernahme kleinerer Konzerne gehört zur DNA von Vonovia. Was vor gut 20 Jahren mit dem Erwerb von Eisenbahnerwohnungen bekannt, wurde erst durch die Einverleibung größerer und kleinerer Konkurrenten zur Erfolgsstory. Für die Wohnungsbranche gilt die Formel: Organisches Wachstum durch Neubauten bringt nicht allzu viel, der Kauf und die anschließende Modernisierung großer Bestände entscheidet alles. Durch die Übernahme der Deutschen Wohnen sollte ein Gigant mit 500.000 Wohnungen und einem Immobilienbestand im Wert von 90 Mrd. Euro entstehen. Daraus wird nun erst einmal nichts. Aber Buch gibt sein Ziel nicht auf, Vonovia in diese Dimension zu führen.

Vonovia und Co stehen unter öffentlicher Beobachtung

In der alternativen Szene Berlins und in einigen anderen Großstädten gelten Vonovia und die Deutsche Wohnen als Gottseibeiuns. Angeblich sind die großen Konzerne die Hauptverantwortlichen für die ständig steigenden Mieten. Mit einem sogenannten „Mietendeckel“ wollte die Linke vor allem die großen Wohnungskonzerne treffen. Auch die Forderung nach einer völligen Enteignung liegt auf dem Tisch der Politik. Das nächste Volksbegehren kommt bestimmt! Auch wenn es gar keine Belege dafür gibt, dass die Konzerne die Mieten schneller erhöhen als private Vermieter. Eher das Gegenteil ist der Fall: Vonovia und Co stehen unter ständiger öffentlicher Beobachtung und müssen sich daher jede Auseinandersetzung mit ihren Mietern wohl überlegen.

Für die Mieter der 500.000 Wohnungen hätte sich durch die Übernahme nicht viel geändert. Und durch ihr Scheitern ändert sich auch nichts. Selbst der Verkauf von 20.000 Wohnungen an den Berliner Senat, mit dem beide Unternehmen gutes Wetter für ihr Zusammengehen schaffen wollten, geht aller Wahrscheinlichkeit nach trotz gescheiterter Fusion über die Bühne. Sinn macht der Deal allerdings nicht – weder für die Politik noch für die betroffenen Mieter. Vernünftiger wäre es, das Geld der Bürger in den Bau neuer Wohnungen zu stecken, wie es Hamburg seit Jahren vormacht. Doch es geht in Berlin um Symbole – nicht um Politik.

Sogar die Wettbewerbshüter hatten den Deal bereits durchgewunken, weil der fusionierte Konzern nur einen winzigen Bruchteil aller Wohnimmobilien verwaltet hätte. Auch deshalb ist ein weiterer Anlauf wahrscheinlich: Alle großen externen Risiken – Mietendeckel, Kartellamt – muss Vonovia nicht fürchten. Beim nächsten Mal müssen daher nur zwei Dinge besser laufen als beim jetzigen Versuch: Die Arbeit der Investmentbanken und die Kommunikation mit den Aktionären. Ändert sich das, könnte der vierte Versuch endlich gelingen.

 


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint regelmäßig auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.