ExklusivVon der Leyens Raketenabwehr kostet Milliarden mehr

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einer Patriot-Einheit in der Türkei: Das geplante Nachfolgesystem wird Milliarden teurer als geplant
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einer Patriot-Einheit in der Türkei: Das geplante Nachfolgesystem wird Milliarden teurer als geplantGetty Images

Eines der wichtigsten neuen Rüstungsprojekte von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird deutlich teurer als geplant. Nach Capital-Informationen kalkuliert das Ministerium für das neue Luftabwehrsystem der Bundeswehr mit Gesamtkosten von mindestens 8 Mrd. Euro. Diese Summe nannte Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer laut Angaben von Sitzungsteilnehmern am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Die Summe umfasst die Fertigentwicklung sowie die spätere Beschaffung des Systems. Bis zuletzt waren dafür insgesamt rund 4 Mrd. Euro eingeplant.

Wie Zimmer im Verteidigungsausschuss bestätigte, wird allein der Abschluss der Entwicklungsarbeiten für das System namens Meads mindestens 3 Mrd. Euro kosten. In den bisherigen Haushaltsplanungen waren dafür rund 970 Mio. Euro vorgesehen. Auch die spätere Beschaffung der Feuereinheiten wird mit mindestens 5 Mrd. Euro teurer als geplant. Bereits in der Vergangenheit hatte es Berichte über massive Kostensteigerungen bei dem Projekt namens TLVS (Taktisches Luftverteidigungssystem) gegeben. Bislang hatte das Ministerium die Zahlen nicht kommentiert.

Von der Leyen hatte sich Mitte 2015 für die Anschaffung eines neuen taktischen Luftabwehrsystems entschieden. Es soll Mitte der 20er-Jahre bei der Bundeswehr das Patriot-System ablösen. Meads (Medium Extended Air Defense System) war im Jahr 2004 als amerikanisch-deutsch-italienisches Entwicklungsprojekt gestartet, später stiegen die USA und Italien aus. Anbieter des Systems, in das seit 2004 bereits ein Milliardenbetrag  geflossen ist, ist heute ein Konsortium aus dem europäischen Rüstungsunternehmen MBDA und dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin.

Zwischen der Industrie und dem Verteidigungsministerium laufen seit Jahren Gespräche, um mögliche Entwicklungsrisiken und Kostensteigerungen wie im Fall zahlreicher früherer Großprojekte zu reduzieren. Dafür hatte von der Leyen eine Reform der Rüstungsbeschaffung eingeleitet – unterstützt von externen Beratern, für deren Einsatz die Ministerin nun in der Kritik steht. Ursprünglich war der Vertragsabschluss für Meads schon für die Zeit vor der Bundestagswahl 2017 geplant. Nach Zimmers Angaben soll der Vertrag mit der Industrie in den kommenden Monaten stehen, sodass er nach der Sommerpause vom Haushaltsausschuss gebilligt werden kann.