ExklusivSport-Accelerator der Dassler-Enkel geht in die USA

leAD steht für
Mit ihrem Accelerator für Sport-Start-ups wollen drei Enkel von Adi Dassler die Sportwelt revolutionieren – und an das Erbe ihres berühmten Großvaters anknüpfenleAD

Am Anfang stand vor allem der Name Adi Dassler. Als drei Enkel des Adidas-Gründers vor zwei Jahren einen Accelerator für Start-ups aus dem Sport-Tech-Bereich in Berlin starteten, benannten sie ihr Projekt nach ihrem berühmten Großvater: legacy of Adi Dassler, kurz leAD. Inzwischen ist der Accelerator in der internationalen Sportbranche, einem kräftig boomenden mehr als 700-Mrd. Dollar großen Markt, längst selbst ein Begriff. Seit der Gründung hat leAD zwei Programme mit insgesamt rund zwei Dutzend Start-ups aus der ganzen Welt abgeschlossen – vom Anbieter einer vernetzten Wett-App bis zum Entwickler eines neuartigen Eishockey-Trainingsroboters.

Capital hat das Projekt der drei Söhne von Dasslers ältester Tochter Inge von Anfang an begleitet. Nun hat es weitere Meilensteine erreicht. Dazu zählt die gerade abgeschlossene Seed-Runde von SkillYoga, dem einzigen deutschen Start-up, das es in die zweite Runde des leAD-Accelerators im vergangenen Jahr geschafft hat. Dabei hat die junge Firma aus Berlin, die das weltweit erste digitale Yoga-Coachingsystem für Männer entwickelt hat, einen mittleren sechsstelligen Betrag eingesammelt. Zu den Investoren zählen die Investitionsbank Berlin, die über einen ihrer Venture-Capital-Fonds eingestiegen ist, leAD Sports sowie zwei Privatinvestoren. Eine Seed-Fundingrunde in dieser Größenordnung sei für ein Sport-Start-up in Deutschland „sehr ordentlich“, sagt Christoph Sonnen, CEO von leAD und Vertrauter der Dassler-Enkel, im Gespräch mit Capital.

Mit dem Geld wollen die drei SkillYoga-Gründer, die alle aus der Fitnessbranche kommen, weitere Produkte entwickeln und international expandieren. Ziel sei es, das global führende Trainingssystem für Männer im Yoga-Bereich zu werden, sagt Mitgründer Timko Linssen. Kern des SkillYoga-Systems ist ein Algorithmus, der auf Basis der Bedürfnisse des Nutzers einen individuellen Trainingsplan erstellt und diesen je nach Fortschritten weiter entwickelt – ähnlich wie Apps, die es bereits im Fitnessbereich gibt. Zielgruppe sind in erster Linie Sportler aus anderen Sportarten, die bislang klassische Yoga-Kurse scheuen. Von dem derzeit stark wachsenden Yoga-Markt für Männer profitieren will das Berliner Start-up insbesondere über eine kostenpflichtige Premium-Version.

Die SkillYoga-Gründer Benno Mielke, Timko Linssen und Gerjet Efken (v.l.) haben das weltweit erste digitale Yoga-Trainingssystem für Männer entwickelt – und gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen (Foto: leAD)

Schon etwas weiter ist ein Start-up, das 2017 an der ersten Runde des leAD-Accelerators teilgenommen hat. Die Firma Wingfield aus Hannover hat ein System aus Hard- und Software entwickelt, mit dem alle möglichen Daten auf Tennisplätzen erfasst und ausgewertet werden können – von der Geschwindigkeit der Aufschläge bis hin zu kompletten Matchvideos. Zu den ersten Kunden zählen einige Tennisvereine in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen für den Start der Hardware-Serienproduktion sowie eine Roadshow in den USA. Zudem steht Wingfield kurz vor dem Abschluss einer zweiten Finanzierungsrunde, in der die junge Firma bereits auf eine Bewertung in zweistelliger Millionenhöhe kommt.

Expandieren wird auch leAD selbst. 2020 werde es erstmals auch ein Accelerator-Programm im weltgrößten Sport-Tech-Markt USA geben, sagt CEO Sonnen – als zusätzlicher Standort neben Berlin, wo derzeit die Bewerbungsphase für die dritte Runde läuft. Fokus des leAD-Programms in Amerika soll der Bereich Sport und Gesundheit sein, von Verletzungsprävention bis zu neuen digitalen Diagnoseverfahren. Als mögliche Partner an der Angel haben die Dassler-Enkel bereits zwei große US-Konzerne – darunter den Eigentümer eines Fußballclubs aus der englischen Premier League.

Darüber hinaus sammeln die leAD-Macher derzeit vor allem in den USA Geld für einen A-Runden-Fonds ein, über den sich Investoren an Start-ups aus dem Accelerator und anderen innovativen Sportfirmen beteiligen können – insbesondere in den Bereichen Connected Athletes, Fan Engagement und neue Sportformate wie E-Sports. Das Volumen des Fonds soll 50 Mio. Dollar betragen. Derzeit sei davon bereits rund die Hälfte zugesagt, sagt leAD-CEO Sonnen. Im Sommer soll der Fonds dann geschlossen werden.