Déjà vuSamsung und die Logik der Korruption

Samsung-Erbe Lee Jae-yong wird von Polizisten abgeführt
Samsung-Erbe Lee Jae-yong wird von Polizisten abgeführtGetty Images

Am 5. Februar fällt in Seoul das Urteil im Berufungsprozess gegen den Samsung-Erben Lee Jae-yong. Folgen die Richter dem Antrag der Staatsanwälte, dann wandert der Enkel des Konzerngründers für zwölf Jahre ins Gefängnis. Es geht, wie schon so oft in Südkorea, um Korruption auf höchster politischer Ebene. Lee soll eine Vertraute der früheren Staatspräsidentin Park Geun-hye bestochen haben. Solche Fälle haben in der Großindustrie des Landes fast schon Tradition.

Als ich vor mehr als 30 Jahren zum ersten Mal nach Südkorea flog, kämpften drei große Konglomerate (koreanisch: Chaebol) miteinander um die Vorherrschaft in fast allen Schlüsselbranchen des Landes: Daewoo, Hyundai und Samsung. Die drei Konzerne wuchsen mit atemberaubender Geschwindigkeit. Sie waren von Anfang an auf billige Kredite und staatliche Hilfen aller Art angewiesen – und schmierten die jeweilige Regierungspartei, um sich deren Wohlwollen zu sichern. Mit jedem Wechsel im Präsidentenamt gerieten sie aber genau deshalb in große Gefahr – und mussten sich wegen illegaler Zahlungen an Politiker verantworten.

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Am härtesten traf es den Daewoo-Gründer Kim Woo-chong, der 2006 zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt wurde und 20 Milliarden Dollar bezahlen musste. Sein Konzern ging den Bach runter, er selbst kam nach einer Amnestie aber bald schon frei. Etwas später traf es den Hyundai-Erben Chung Mong-koo, der allerdings mit einer eher geringen Bewährungsstrafe davonkam. 2009 war dann der damalige Samsung-Chef Lee Kun-hee dran, der Vater des jetzigen Angeklagten. Die Richter in Seoul verurteilten ihn zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung.

Obwohl es in den Prozessen gegen die Konzernchefs um unterschiedliche Delikte ging, steckt hinter den Fällen doch die gleiche ökonomische Logik. Die Erben der Gründer verfügen nur noch über kleine Minderheitsbeteiligungen, möchten die Macht in ihren Konzernen aber auf jeden Fall behalten. Das funktioniert nur noch, wenn der Staat mitmacht und immer aberwitzigere Verschachtelungen mit Vorzugsaktien aller Art genehmigt. Samsung hat es so unter dem Zepter der Familie Lee immerhin auf Platz 15 der Weltrangliste der großen Konzerne gebracht. Egal wer in Seoul regiert, er nimmt Rücksicht auf den größten und wichtigsten Arbeitgeber des Landes. Mag es auch immer wieder Prozesse gegen die Eigentümerfamilien geben – in Wahrheit greifen die Behörden nicht durch. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch der junge Lee am Schluss mit einer Amnestie davonkommen.

Wäre es den Politikern ernst mit dem Kampf gegen die Korruption, den sie nun schon seit fast 40 Jahren beschwören, dann müssten sie die großen Gruppen endlich entflechten. Und dafür sorgen, dass die Eigentümerfamilien nicht mehr an der Spitze des Managements stehen. So radikal aber denkt kaum jemand in der politischen Kaste. Der Staat straft alle paar Jahre die Schuldigen, stellt aber das System der Korruption nicht ernsthaft infrage. Schließlich ist Südkorea groß und reich geworden dank Konzernen wie Samsung.