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Alexander Frolov Oligarchensohn verlässt Wagniskapitalfonds Target Global

Target-Global-Gründer Alexander Frolov
Target-Global-Gründer Alexander Frolov
© picture alliance / | Andreas Gebert
Der Sohn des russischen Oligarchen Alexander Frolov zieht sich aus dem Wagniskapitalfonds Target Global zurück. Sein Vater, Ex-Chef des Stahlkonzerns Evraz, steht auf einer britischen Sanktionsliste. Target gehört zu den Investoren von Revolut, Wefox und Clark

Mitte März, einen Monat nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, verschickte der Start-up-Investor Target Global eine Mail an seine Portfolio-Firmen. „Dies ist ein sinnloser Akt, der bereits zu unvorstellbarem menschlichem Leid geführt hat, und unsere Herzen sind bei den fast drei Millionen Geflüchteten und allen Ukrainern“, heißt es in einer Mail über den Krieg, die Finance Forward vorliegt. Weiter schreiben die Fondsgründer: „Wir haben viele Fragen darüber erhalten, wie wir mit der Situation und unserem Engagement in Russland umgehen.“

Der Hintergrund der Mail: Target Global wurde einst von Alexander Frolov gegründet, dem Sohn des gleichnamigen russischen Oligarchen. Laut Schätzungen beläuft sich das Vermögens des Vaters auf knapp 2 Mrd. Euro. Der Sohn baute über die Jahre – mit einem wichtigen Standort in Berlin – ein prominentes Start-up-Portfolio auf. Zu den großen Wetten gehörten beispielsweise die Autoplattform Auto1 und der Schnelllieferdienst Flink, auch Fintech-Unicorns sind unter den Investments, wie etwa das Versicherungs-Start-up Wefox und die Banking-App Revolut.

Der Sohn und Mitgründer Alexander Frolov hat sich nun aus dem Fonds zurückgezogen, wie Recherchen von Finance Forward zeigen. Target Global äußerte sich auf Nachfrage nicht. Schon im Mai habe er den CEO-Posten abgegeben, heißt es aus dem Umfeld, er wolle damit den Ruf des Fonds retten. Mit dem Abgang verlässt eines der Gesichter von Target Global den Fonds.

Sanktionierte Geldgeber würden „sofort rausgekauft“

Die Verbindung der beiden war nie ein Geheimnis. Unklar ist allerdings, wie stark der Vater mit seinem Geld bei Target Global involviert war. Frolov besitze zu diesem Zeitpunkt keine „Anteile an Target Global“, sagt eine Sprecherin. Bei einer Anfrage im März teilte ein Sprecher mit, der „Großteil“ der Mittel des Fonds stamme von europäischen und US-amerikanischen Institutionen. Zudem gebe es „keine einzige Person oder Einrichtung, die auf einer Sanktionsliste genannt wird und die in irgendeiner Weise mit Target Global verbunden war oder ist.“ Zu der Zeit stand auch Vater Frolov nicht auf Sanktionslisten. Doch dies hat sich nun geändert.

Anfang November setzte die britische Regierung Frolov und drei weitere Oligarchen auf eine entsprechende Sanktionsliste, darunter auch Alexander Abramov, einem Geschäftspartner von Frolov. Wörtlich schreibt die britische Regierung: „Die Oligarchen Abramov und Frolov, die für große Anteile an dem russischen Stahlhersteller Evraz bekannt sind, wurden wegen ihrer Beteiligung an Sektoren, die für Putins Militärapparat von großer Bedeutung sind, sanktioniert.“ Beide unterliegen demnach Reisebeschränkungen, ferner sollen die Vermögenswerte der beiden in Großbritannien eingefroren werden.

Was heißt dies nun für Target Global? Schon in der Mail im Frühjahr kündigte der Fonds an, „wenn jemand von Sanktionen betroffen sein sollte, verpflichten wir uns, ihn sofort rauszukaufen“. Der Fonds will sich nicht dazu äußern, ob dies nun passiert ist. Die Investmentvehikel von Target Global seien undurchsichtig, sagt ein Brancheninsider, der mit Target Global zu tun hat.

„Die Start-ups müssen selbst entscheiden, ob sie Geld von Target Global nehmen“

Im Umfeld des Fonds heißt es, der Rücktritt von Frolov junior sei nicht als Schuldeingeständnis zu werten, sondern eine Vorsichtsmaßnahme. In der Mail an die Start-ups betont der Fonds zudem sein Engagement für die Ukraine. Seitdem habe es keine Mail mehr an das Portfolio gegeben, sagen mehrere Gründer.

Hinter vorgehaltener Hand ist die deutsche Investorenszene skeptisch, was neue Co-Investments mit Target Global betrifft. „Die Start-ups müssen selbst entscheiden, ob sie aktuell Geld von jemandem wie Target Global nehmen“, sagte ein bekannter deutscher Risikokapitalgeber, der nicht namentlich zitiert werden möchte, schon vor Monaten: „Aktuell würde ich aber davon abraten.“ Laut Crunchbase ist der Fonds in Europa allerdings noch aktiv. Zu den letzten deutschen Investments gehörten die Luca-App, Grover und Flink.

Bei Target jedenfalls wolle man das Kapitel Russland hinter sich lassen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Für das kommende Jahr, so die Hoffnung, sollen wieder die Portfolio-Firmen im Vordergrund stehen. „Als Team und als Unternehmen waren wir immer Macher und wollten unsere Taten für sich sprechen lassen, anstatt pauschale Erklärungen abzugeben, nur um andere zu beschwichtigen“, schreiben die Gründer in der internen Mail an die Start-ups. Doch andere Geldgeber und Banken werden auch in den kommenden Monaten weiter Fragen stellen.

Der Beitrag ist zuerst bei Finance Forward erschienen

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