FreihandelHergestellt in Mexiko

Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten traf besonders den südlichen Nachbarn der USA hart. Mexikaner sind jetzt unerwünscht, eine neue Mauer soll sie fernhalten. Schließlich seien sie schuld, dass derzeit eben doch etwas limitiert ist, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Arbeitsplätze. Deshalb droht Trump mit hohen Importsteuern auf Produkte aus Mexiko und einer Neuverhandlung des Freihandelsabkommens NAFTA. Gute Nachbarschaft sieht anders aus.

Mexiko könnte Trumps Wirtschaftsattacke kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt treffen. Der Drogenkrieg fordert rund 20.000 Todesopfer pro Jahr, die Regierung wird den Kartellen nicht Herr, Korruption beherrscht das Land. Im November senkte der Internationale Währungsfonds die Wachstumsprognosen für Mexiko, die Benzin- und Gaspreiserhöhungen zum Jahreswechsel wurden von landesweiten Protesten begleitet, der mexikanische Peso fiel mit der wachsenden Sorge vor einem Handelskrieg auf den tiefsten Stand seiner Geschichte. Nur der dauerhaft unbeliebte Präsident Enrique Peña Nieto könnte dem gnadenlosen Nachbarn am Ende noch etwas Positives abgewinnen: Sympathie beim eigenen Volk. Denn die Mexikaner wollen sich nicht von Trump triezen lassen. Zur Not einen sie sich eben hinter dem eigenen ungeliebten Präsidenten.

Den hat jetzt der Tatendrang gepackt. Es sei Zeit, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die das Land begünstigen. Es stehen Gespräche mit der EU an, um die gemeinsamen Handelsbeziehungen zu stärken. Außerdem kontert Peña Nieto die America First-Kampagne Trumps nun mit „Hecho en México“ (deutsch: hergestellt in Mexiko). Die landeseigenen Produkte sollen gefördert, ihre besondere Qualität hervorgehoben werden.

In Hinblick auf Eigenproduktion könnte auch eine Überarbeitung des NAFTA-Abkommens für die Mexikaner von Nutzen sein. Zwar hat das Abkommen Mexiko zu einem großen Produzenten für Autos und Autozubehör gemacht, doch Produkte, die traditionellerweise in Mexiko – insbesondere in den ländlichen Regionen – hergestellt wurden, werden mittlerweile aus den USA importiert. Zum Beispiel Mais. Das Grundnahrungsmittel wird von US-amerikanischen Großproduzenten so billig angeboten, dass mexikanische Kleinbauern nicht konkurrieren können.

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Andererseits arbeiten viele Mexikaner bei amerikanischen Unternehmen, die sich im Land angesiedelt haben. So sollte es laut Carlos Slim zukünftig auch weitergehen. Ausgerechnet der Multimilliardär macht sich nun für mexikanische Arbeiter stark: Wenn sich die USA um gut bezahlte Jobs in Mexiko bemühen würden, bräuchte es keine Mauer, denn dann würde niemand mehr auswandern wollen. In der Zwischenzeit will er einen TV-Sender für in den USA lebende Mexikaner gründen. „Nuestra Visión“ (deutsch: „Unsere Ansicht“) soll aus Mexiko senden, im Programm: Sport, Unterhaltung, Nachrichten. Solidarität mit den Landsleuten, ein Seitenhieb für Trump und nebenbei eine neue Geldquelle für den zweitreichsten Mann der Welt.

Solidarität und Nationalstolz der anderen Art zeigten zuletzt verschiedene Unternehmen, indem sie ankündigten, als Zeichen nationaler Einheit keine US-amerikanischen Autos mehr zu nutzen. Aktivisten gehen noch weiter: Sie rufen dazu auf, US-Firmen in Mexiko wie McDonalds’s, Starbucks, Coca-Cola und Walmart zu boykottieren. Eine Aktion, die nicht all zu viele Unterstützer findet. Schließlich wird die Trotzreaktion auf dem Rücken der eigenen Landsleute ausgetragen, die für eben diese amerikanischen Unternehmen arbeiten.

So hängt das Schicksal der mexikanischen Wirtschaft am Ende von einer Handvoll reicher, mächtiger Männer ab. Bis die ihre Worte in Taten umwandeln, bleibt der Bevölkerung zumindest eines: Wut abbauen. Piñatas in Form von Donald Trump sind derzeit der Verkaufsschlager. Hergestellt in Mexiko.

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