KolumneDas Ende der Globalisierung

Gestrandeter Container in ThailandGetty Images

Die Globalisierung, vor allem die zunehmende Verflechtung des internationalen Handels, war in den vergangenen 30 Jahren einer der dominierenden Faktoren, der die Entwicklung der Weltwirtschaft geprägt hat. Die zunehmende Bedeutung des Internets, die rasante Zunahme der Digitalisierung, aber auch die Erschließung neuer Verkehrswege und die effizientere Nutzung von Transportmitteln haben die Globalisierung vorangetrieben. Ausschlaggebend für ihren großen Erfolg war zum einen die zunehmende Liberalisierung des Welthandels, die zu einem Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen führte und zum anderen die positive Unterstützung durch die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Ohne den „Schutz“ der USA hätte die Globalisierung niemals stattfinden können. Die seit dem Jahr 2000 zu beobachtende Phase der Hyperglobalisierung führte zu einer zunehmenden Fragmentierung der Produktion und der internationalen Wertschöpfungsketten, von der vor allem die Schwellenländer und hier in erster Linie China, das der Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 beitrat, profitierten.

Doch seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 wird die Globalisierung von vielen Bürgern und zunehmend auch von der Politik infrage gestellt. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass die Bewältigung der Krisenfolgen in den marktwirtschaftlich orientierten westlichen Demokratien wesentlich mehr Zeit erfordert hat, als dies in vielen autokratischen Ländern der Fall gewesen ist.

So ist die Weltwirtschaft zwischen 1990 und 1999 um durchschnittlich 3,1 Prozent im Jahr gewachsen. Die Industrieländer wuchsen in diesem Zeitraum um 2,8 Prozent, die Schwellenländer um 3,6 Prozent. In der Phase der Hyperglobalisierung zwischen den Jahren 2000 und 2008 beschleunigte sich das globale Wachstum auf 4,3 Prozent pro Jahr. Dies lag aber nicht an den Industrieländern, deren durchschnittliche Wachstumsrate auf 2,4 Prozent sank, sondern allein an den Schwellenländern, deren wirtschaftliche Dynamik in dieser Zeit deutlich zunahm und deren Wachstum im Mittel 6,5 Prozent pro Jahr erreichte. Abgesehen von der schweren Rezession im Jahr 2009 wächst die Weltwirtschaft zwar weiter, doch hat sich das globale Wachstum in den vergangenen zehn Jahren auf 3,4 Prozent verlangsamt. In diesem Zeitraum wuchsen die Industrieländer nur noch um durchschnittlich 1,5 Prozent, die Schwellenländer hingegen noch um 5,0 Prozent.

Dieser Sachverhalt, der kontinuierliche Abstieg der alten Industrieländer und der nahezu ungebremste Aufstieg der Schwellenländer, vor allem Chinas, hat in vielen westlichen Demokratien dazu geführt, dass liberale politische Ansichten bei den Wählern an Unterstützung verloren haben und stattdessen Politiker und Parteien, die populistische und nationale Ideen vertreten, an Zuspruch gewinnen. Am offensichtlichsten ist dies im November 2016 der Fall gewesen als Donald Trump zum 45. US-Präsidenten gewählt wurde.

Spätestens mit seiner Wahl ist eine neue politische Doktrin zu beobachten: Die Abkehr von Wohlstand und Wachstum als wichtigste politische Ziele, hin zur Verteidigung und Kontrolle der Macht. Die bisher nach vorne gerichtete politische Strategie wird umgedreht; in der Fußballersprache würde man vom „Umschalten von Angriff auf Verteidigung“ sprechen. Von daher dürfte es den USA bei dem von Trump angezettelten Handelsstreit mit China auch nur vordergründig um die Reduzierung des Handelsbilanzdefizits gehen.