Déjà-vuBesser als Warren Buffett

Beteiligt sich Masayoshi Son mit einigen Milliarden Dollar am Fahrdienst Uber? Fusioniert der Japaner seine Telekomfirma Sprint mit T-Mobile oder doch lieber mit Kabelfernsehanbietern? Und wohin fließen die 100 Mrd. Dollar seines neuen Investmentfonds? Seit Wochen gibt es in der US-Technologieszene keine interessanteren Themen als die Pläne des 60-Jährigen. Kein Wunder: Son ist der erfolgreichste Hightech-Investor der Welt. Bisher hat er noch keinen wichtigen Trend verpasst.

Letztes Jahr sorgte der geniale Dealmacher mit der 36-Mrd.-Dollar-Übernahme des Softwareentwicklers ARM für Aufsehen. An seinem neuen Technologiefonds beteiligten sich gleichzeitig so unterschiedliche Anleger wie Apple und Saudi-Arabien. Schon jetzt hält der Japaner milliardenschwere Aktienpakete am größten Handelskonzern der Welt, dem chinesischen Amazon-Konkurrenten Alibaba. In Hunderte von Start-ups hat Son sein Geld gesteckt – und dabei sehr selten verloren. Selbst der legendäre Investor Warren Buffett bewundert ihn.

eher Verachtung als Bewunderung

Capital 09/2017
Die aktuelle Capital

Als ich Masayoshi Son 1996 in Japan kennenlernte, galt der damals 39-Jährige als „Softwarekönig“ des Landes. Schon mit 24 Jahren hatte er sein Unternehmen Softbank gegründet – einen Vertrieb für Software-CDs und Computerzeitschriften. Zunächst schien der Selfmade-Mann auf dem besten Wege, einen internationalen Medienkonzern aufzubauen. Son übernahm in den USA nacheinander die wichtigste Computermesse und den Verlag Ziff-Davis. Doch im Laufe der Jahre setzte er immer mehr auf Hightech und das Internet. Erst kaufte Son den Memory-Chip-Hersteller Kingston, dann den Japan-Ableger von Yahoo. Er verdient bis heute im Gegensatz zum Mutterkonzern gutes Geld.

Mitte der 90er-Jahre hofften viele, der Milliardär könne einen Beitrag zur dringend notwendigen Modernisierung Japans leisten. Das ist leider nicht geschehen. Son blieb eine absolute Ausnahmeerscheinung in seinem Geburtsland. Die opaken und seit Jahrzehnten festgezurrten Netze der Japan AG nahmen den Unternehmer niemals auf. Im Gegenteil: Als ich damals einen großen Report über Son schrieb und mit vielen Japanern sprach, spürte man eher Verachtung als Bewunderung. Als Sohn einer koreanischen Familie galt der Unternehmensgründer vielen als frecher Aufsteiger. Die meisten Japaner sind bis heute nicht bereit, die Angehörigen der Minderheit als vollwertige Mitbürger zu akzeptieren. Weil Son die Aufnahme in eine japanische Eliteuniversität verwehrt blieb, ging er schon mit 16 in die USA.

Viele japanische Experten prophezeiten vor 20 Jahren das schnelle Scheitern des Unternehmers. Seine Projekte seien viel zu riskant, sein Auftreten zu sprunghaft, seine Reibereien mit dem japanischen Establishment sehr gefährlich. Verärgert verkaufte die Industrial Bank of Japan 1995 alle ihre Softbank-Aktien, weil sie seine Kritik an den bizarren Mechanismen der japanischen Kreditinstitute nicht verkraften konnte. Gescheitert aber ist am Ende nicht Son, sondern die Weiter-so-Mentalität der japanischen Wirtschaft. Der schnelle Aufstieg des Unternehmers ging Hand in Hand mit dem ebenso schnellen Niedergang der meisten japanischen Traditionskonzerne.


Bernd Ziesemer war Chefredakteur des „Handelsblatt“. In der Kolumne „Déjà-vu“ greift er jeden Monat Strategien, Probleme und Pläne von Unternehmen auf – und durchleuchtet sie bis in die Vergangenheit. Die vorliegende Kolumne ist in der aktuellen Capital erschienen. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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