Innovativste Unternehmen Hilti: Durch die Decke

Der Jaibot von Hilti.
Der Jaibot von Hilti.
© PR / Hilti
Auf Baustellen wird viel gebohrt, besonders anstrengend wird es, wenn Bauarbeiter stundenlang über Kopf Löcher in die Decke bohren müssen. Wenn es nach dem liechtensteinischen Werkzeughersteller Hilti geht, könnte diese Arbeit künftig ein Roboter übernehmen

Der „Jaibot“ lässt sich per Fernsteuerung navigieren und kann mit Hilfe von Daten punktgenau Löcher bohren und markieren. „Wir beobachten schon lange, was in der Robotik passiert“, sagt Andreas Bong, Head Corp. Research & Technology bei Hilti. „Und wir sind sicher, dass das potenziell die Baustelle der Zukunft verändert.“ Hilti stieg in die gemeinsame Entwicklung mit einem Start-up ein, ein Konzept, an das Bong fest glaubt. Von diesen könne man Agilität lernen, sagt Bong. Umgekehrt biete Hilti Erfahrung und Marktzugänge.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand der „Jaibot“, der kabellos per Fernsteuerung über die Baustelle navigiert werden kann. Das soll den Bauprozess beschleunigen, für mehr Sicherheit sorgen und die Arbeitsabläufe beschleunigen.

Damit der Jaibot die Bedürfnisse der Kunden befriedigt und nicht allein den Ehrgeiz der Ingenieure, schickten sie einen Prototypen auf eine Baustelle und sammelten Feedback ein. Der Roboter traf ins Schwarze. Man beschäftige sich intensiv und systematisch mit den Abläufen auf einer Baustelle, um die Prozesse zu verstehen, erklärt Bong. „Wenn etwas noch nicht funktioniert, ist genau das unser Ansporn, darüber nachzudenken, was man besser machen kann.“

Abheben durch Technologie

Für Hilti bedeutet das mal, dass sie ein bestehendes Produkt verbessern, mal dass sie ganz neue Konzepte erarbeiten. Dafür gibt es eigens ein Innovationszentrum in Liechtenstein. Doch bei der Entwicklung neuer Produkte arbeitet das Unternehmen grenzüberschreitend: Auch das oberbayrische Kaufering ist von großer Bedeutung, hier werden unter anderem Elektrowerkzeuge entwickelt. Auch an der Entwicklung des Jaibot war der Standort beteiligt.

„Unser Geschäftsmodell, der Direktvertrieb, funktioniert nur, wenn wir uns von Wettbewerbern klar abheben, Technologie trägt dazu wesentlich bei“, sagt Bong. Diese Technologie abzusichern, ist für Hilti essenziell. 2020 meldete das Unternehmen beim Europäischen Patentamt fast 300 Patente an. Für den Innovationschef ist es wichtig, Ideen zu schützen – „und zwar schon bevor wir wissen, ob aus der Idee jemals ein Produkt wird“.

Der Innovationsprozess habe sich in den letzten Jahren beschleunigt, sagt Bong. Das heiße aber nicht, dass sich die Lebenszyklen der Produkte verkürzen würden. „Wenn man heute auf technologische Veränderungen reagieren will, kann man sich aber nicht mehr wie früher Entwicklungszeiten von fünf Jahren leisten, sondern vielleicht zwei.“ Und Innovationen, davon ist Bong überzeugt, werden in Zukunft immer wichtiger werden, „auch, um nicht in einen reinen Preiswettbewerb zu kommen, in dem es nur Verlierer gibt“.


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