SerieGroßes Problem, smarte Lösung: Ecosia

Ecosia
Ecosia konnte bereits über 60 Millionen Bäume pflanzen und mehr als 2,5 Millionen Tonnen CO2 filternScreenshot Ecosia


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Ecosia


Das Problem:

Laut WWF regulieren Bäume und Wälder den CO2-Haushalt der Erde. Waldgebiete sind durch den natürlichen Prozess der Photosynthese in der Lage der Atmosphäre das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid zu entziehen und zu zersetzen. Die Tagesschau berichtet, dass die Regenwälder weltweit „rund 30 Prozent des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen“ absorbieren. Im Umkehrschluss gefährdet das systematische Abholzen von Waldgebieten zu industriellen Zwecken den Klimaschutz: Durch die Zerstörung der (Regen-)Wälder, zum Beispiel in Indonesien oder Brasilien, wird die natürliche Speicherung des Kohlenstoffes eingeschränkt. Somit können mehr Treibhausgase in die Erdatmosphäre gelangen. Auch die extremen Klimabedingungen der letzten Jahre wirken sich auf den natürlichen Waldbestand der Erde aus: Dürrephasen und Überflutungen zerstören Wälder und Lebensräume. Eine kürzlich erschienene Studie der ETH Zürich zeigt, dass der Schutz von bestehenden Wäldern und das gezielte Aufforsten effektive Maßnahmen sind, um die Klimaziele des IPCC zu erreichen.

Über vier Milliarden Menschen surfen im Internet – Tendenz steigend. Im Hintergrund arbeiten gigantische Rechenzentren, die nonstop mit Strom versorgt werden müssen. Der hohe Energieverbrauch des IT-Sektors bereitet Klimaforschern zunehmend Sorgen. Dabei spielen Social Media, Streamingdienste wie Netflix, aber auch die Websuche eine zentrale Rolle: Google, Baidu und Yandex zählen 2019 zu den Top 10 der meist besuchten Webseiten weltweit. Eine Graphik des kanadischen Unternehmens Visual Capitalist zeigt, dass Google allein in einer Minute 3,8 Millionen Suchanfragen erhält. Der CO2-Fußabdruck einer durchschnittlichen Suchanfrage wird nach Angaben von Google auf 0,2 Gramm geschätzt. Die Nutzung von erneuerbare Energien kann den Ausstoß neutralisieren. Während Google auf grüne Energie zurückgreift, fällt laut der Click Clean-Studie von Greenpeace die Klimabilanz anderer Unternehmen, zum Beispiel des chinesichen Äquivalents Baidu, negativ aus.

Die Lösung:

Ecosia will in zweierlei Weise zur Problemlösung beitragen. Das Berliner Unternehmen bietet eine klimafreundliche Suchmaschinen-Alternative: Die Server werden zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben. Ecosia kooperiert mit Microsoft und erhält die Suchergebnisse sowie die Suchanzeigen von Bing. Über Affiliate-Links und Werbung werden Gewinne generiert. Mehr als die Hälfte der monatlichen Gesamteinnahmen des Social Business fließen in weltweite Aufforstungsprojekte – bis dato 12 Millionen Euro. Laut Ecosia werden ungefähr 45 Suchanfragen benötigt, um einen Baum zu pflanzen – im Schnitt dauert das nur eine Sekunde. Nach eigenen Angaben wurden bereits 40.000 Hektar wieder aufgeforstet und 3,7 Tonnen CO2 durch die von Ecosia gepflanzten Bäumen aus der Luft gefiltert.

Der Kopf dahinter:

Während eines längeren Aufenthaltes in Argentinien wurden Christian Kroll die umweltschädlichen Folgen der weltweiten Abholzung von Laub- und Regenwäldern bewusst. Nach seiner Rückkehr gründete er 2009 das Startup Ecosia. Seit 2016 ist das Suchvolumen der umweltfreundlichen Suchmaschine um das siebenfache gestiegen – Weltweit nutzen mehr als acht Millionen Menschen Ecosia. Bis Ende 2019 will das Team von Ecosia 100 Millionen Bäume pflanzen.