Digitale Wirtschaft„Die Fridays of Future-Bewegung ist sehr inspirierend“

Kate Brandt, CSO Google
Wir wirtschaftet man nachhaltig? Capital hat Kate Brandt auf dem Green Tech Festival in Berlin getroffen.Lars Hübner


Kate Brandt will Google zu einem Öko-Champion machen. Seit 2015 entwickelt sie grüne Strategien für das digitale Unternehmen. Zuvor half sie bereits der US Navy und dem Weißen Haus umweltfreundlicher zu werden. Die Amerikanerin hatte als Erste das Amt des Chief Sustainability Officer der Vereinigten Staaten inne und war maßgeblich für die Förderung von Nachhaltigkeitsstrategien in allen Bereichen der US-Regierung verantwortlich.


Frau Brandt, was genau sind die Aufgaben eines Chief Sustainability Officer bei Google?

Die Mission unseres Teams ist es, Nachhaltigkeit in allen Bereichen von Google zu verankern. Ich entwickle Strategien, die es ermöglichen unsere internen Abläufe, unser globales Datensystem, unsere Lieferketten, aber auch unsere Büros sowie unsere gesamten Produkte und unsere Geräte und Dienstleistungen so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Wir haben ein CO2-freies und zirkuläres System etabliert. Das bedeutet, dass wir jährlich die gleiche Menge an Wind- und Sonnenenergie produzieren, die wir in all’ unseren Betrieben, unseren Rechenzentren und unseren Büros auf der ganzen Welt verbrauchen. Dieses Prinzip der Kreislaufwirtschaft wenden wir auch auf unsere Hardware an. Statt Server, die ihren Dienst getan haben, einfach zu entsorgen, werden die gespeicherten Daten vollständig gelöscht und die Hardware wiederverwendet oder recycelt. Auf diese Weise können wir unseren Rohstoffverbrauch deutlich minimieren, und sparen mehrere Hundert Millionen Dollar. Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Gewinn für Google, sondern veranschaulicht auch, dass die Kreislaufwirtschaft ein überzeugendes Geschäftsmodell darstellt. Es geht aber nicht nur um unsere eigenen Arbeitsabläufe, sondern auch das Potential unserer Google Technologien. Mit Hilfe unserer Daten haben wir Tools wie „Your plan, your planet“ entwickelt, um andere Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Privatpersonen dabei zu unterstützen nachhaltiger zu wirtschaften.

Inwieweit können digitale Unternehmen dazu beitragen unsere Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten?

Wir bewegen uns vom Informationszeitalter in ein Zeitalter des Wissens. Wir sind nicht mehr nur in der Lage Daten zu erfassen, sondern diese auch effektiv zu nutzen. Digitale Unternehmen spielen eine große Rolle, wenn es darum geht Datensätze freizugeben. „Environmental Insights Explorer“ hilft zum Beispiel Städten ihren CO2-Fußabdruck mit Hilfe unserer Daten zu analysieren und so die Planung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Auch maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz bergen ein großes Potenzial, um Prozesse zu analysieren und nachhaltiger zu gestalten. Wir konnten beispielsweise dank eines KI-basierten Systems den Stromverbrauch unserer Kühlungsanlagen um 30 Prozent reduzieren.

Was sind die wichtigsten Änderungen, an denen große Unternehmen arbeiten müssen?

Unternehmen sollten sich zunächst wirklich um ihren eigenen ökologischen Fußabdruck kümmern. Wie kann man intern eine nachhaltige Struktur aufbauen, den eigenen Energieverbrauch minimieren und weniger Abfall produzieren? Als nächstes müssen diese nachhaltige Strategien auch auf die gesamte Lieferkette angewendet und regelmäßig überprüft werden. Und dann gibt es noch die Möglichkeit die eigenen Kunden mit einzubeziehen. In unserem Fall sind es die Daten, die wir nutzen, um Nachhaltigkeits-Tools zu kreieren. Unabhängig davon sollten Unternehmen ihre Reichweite nutzen. Nicht nur um saubere Energie und Nachhaltigkeit zu befürworten, sondern auch um die eigene Geschichte teilen und auf den starken wirtschaftlichen Nutzen dieser Arbeit hinzuweisen.

Stichwort „Greenwashing“ – viele Unternehmen sprechen über eine vorbildliche Umweltpolitik, aber was steckt wirklich dahinter?

Eine transparente Arbeitsweise und das Offenlegen von Daten sind wirklich entscheidend, um sicherzustellen, ob Unternehmen nachhaltig wirtschaften. Validierte Berichte von vertrauenswürdigen Drittanbietern, wie zum Beispiel das Carbon Disclosure Project, das den Fußabdruck der Unternehmen überprüft und öffentlich bekannt gibt, ermöglicht den Verbrauchern einen Zugang zu echten Daten. Das hat auch den Vorteil, dass andere Unternehmen diese Arbeitsweise replizieren können und das gesamte Ökosystem nachhaltiger wird.

Wie können Verbraucher eine nachhaltige Zukunft unterstützen und auch Politiker und Unternehmen dazu anregen nachhaltige Strategien zu verfolgen?

Es gibt drei große Bereiche, in denen das Verhalten der Menschen einen großen Einfluss auf die Umwelt hat: Wie wir Wasser, Energie und Nahrung produzieren und nutzen. Für uns als Individuen sind es die kleinen Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Wir wir uns fortbewegen, von welchen Unternehmen wir Waren kaufen, mit wem wir Geschäfte machen und ob wir für Kandidaten stimmen, deren Handeln Nachhaltigkeit fördert, beeinflusst Politik und Wirtschaft. Im Gegenzug ist es Aufgabe der Politik transparente Informationen zu liefern, um das Bewusstsein der Menschen zu schärfen.

Wie stehen Sie zur Fridays of Future-Bewegung?

Die Fridays of Future-Bewegung finde ich sehr inspirierend. Es ist wichtig, dass junge Menschen ihre Stimme einsetzen, um auf die Bedeutung einer nachhaltigen Wirtschaft und den Klimaschutz aufmerksam zu machen. Nachhaltigkeit ist zu einem Mainstream-Thema geworden und ich bin der Meinung, dass diese Positionierung einen enormen Einfluss auf das politische Geschehen und den wirtschaftlichen Wandel hat.

Sie leben in den USA. Ist eine nachhaltige Wirtschaft mit den Prinzipien von US-Präsident Donald Trump vereinbar?

Nachhaltigkeit ist seit mehr als zwanzig Jahren ein Kernwert bei Google und das haben wir über mehrere unterschiedliche Regierungen in den USA beibehalten. Wir wissen, dass wir das Richtige für unser Unternehmen und unseren Planeten tun. Wir sehen, dass den Themen Kreislaufwirtschaft und Klimawandel zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, und das unterstützen wir. Wir und andere Unternehmen sind hier, um zu beweisen, dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell auch für unsere Wirtschaft sinnvoll ist.