ExklusivEx-Beiersdorf-Chef Heidenreich erhält zum Abschied Rekordgehalt

Stefan Heidenreich stand von 2012 bis Ende 2018 an der Spitze von Beiersdorf
Stefan Heidenreich stand von 2012 bis Ende 2018 an der Spitze von Beiersdorfdpa

Dem zum Jahreswechsel ausgeschiedenem Beiersdorf-Konzernchef Stefan Heidenreich wird der Abschied mit einem Rekordgehalt versüßt: Er kassiert für das vergangene Jahr laut Geschäftsbericht insgesamt 23,5 Mio. Euro – voraussichtlich mehr als jeder andere Chef eines Dax-Konzerns im Jahr 2018. Darüber wurde bis jetzt noch nicht berichtet. Während sich Heidenreich über das höchste Gehalt in der Geschichte des Nivea-Herstellers freuen konnte, mussten sich die Aktionäre von Beiersdorf am 27. Februar mit dem schlimmsten Kursverlust seit zwölf Jahren abfinden. Kursrutsch und Rekordgehalt hängen jedoch auf das Engste miteinander zusammen.

Die Börsenbewertung von Beiersdorf sank an dem Februar-Tag mit einem Schlag um 2,3 Mrd. Euro. Der Hauptgrund: Der Konzern muss in den nächsten Jahren deutlich mehr investieren, im Kerngeschäft sinkt die Gewinnmarge deshalb von zuletzt 15,3 auf 14 bis 14,5 Prozent. Die böse Nachricht kam für die Aktionäre wie ein Blitz aus heiterem Himmel. In den letzten Jahren vermittelte der Konzern das Bild eines durch und durch gesunden Konzerns mit stetig wachsenden Umsätzen und Gewinnen. Der bisherige Chef Heidenreich verkündete auf seiner letzten Pressekonferenz Ende Oktober letzten Jahres stolz: „Wir haben geliefert.“

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Kursanbieter: L&S RTHeidenreich profitierte von Investitionszurückhaltung

Doch jetzt stellt sich heraus: Heidenreich erkaufte seine vergangenen Erfolge mit dem Verzicht auf Zukunftsinvestitionen. Nun muss sein belgischer Nachfolger Stefan de Loecker nachlegen. 2014 lagen die langfristigen Investitionen („capital expenditures“) noch bei 4,8 Prozent des Umsatzes. 2015 sanken sie auf 3,7 Prozent, 2016 auf einen Tiefpunkt von 2,4 Prozent. Auch 2017 lagen sie mit 2,8 Prozent weit unter dem Durchschnitt früherer Jahre, wie die neue Beiersdorf-Führung am 27. Februar auf einer Analysten-Konferenz erläuterte. De Loecker gab erst Ende 2018 wieder richtig Gas und hob die Quote wieder auf 4,9 Prozent (458 Mio. Euro).

In den vergangenen Jahren hielt sich der Konzern vor allem mit der Entwicklung neuer Märkte und Marken zurück, während die Umsätze zunächst organisch weiter stiegen. Nun will De Loecker die „white spots“ in der Welt, in denen Beiersdorf zu schwach vertreten ist, schnell angehen – auch zulasten der kurz- und mittelfristigen Gewinnmarge. Erst ab 2023 soll der Konzern wieder nachhaltig besser dastehen. Bis dahin bleibt Beiersdorf weiter unter Druck.

Heidenreich profitierte dagegen persönlich direkt von den Sünden der Vergangenheit: Der Konzern koppelte seinen Bonus an die Gewinnmargen, so dass sein Gehalt mit sinkenden Investitionen umso stärker stieg. Mit 23,5 Mio. Euro für 2018 erhält Heidenreich viel mehr, als in dem knauserigen Unternehmen üblich ist: Die meisten Vorstände von Beiersdorf kamen 2018 auf eine Gesamtvergütung von rund 1 Mio. Euro.