Beste AusbilderBeiersdorf schnappt bei Azubis schnell zu

Bei der Auswahl von Nachwuchskräften, ist Schnelligkeit für Beiersdorf ein entscheidendes Kriterium
Bei der Auswahl von Nachwuchskräften, ist Schnelligkeit für Beiersdorf ein entscheidendes KriteriumJulia Sellmann

Als das Telefon klingelte, rannte sie die Treppe runter und sah eine Hamburger Nummer. Es war die Zusage. Die Bestätigung von Beiersdorf für den Ausbildungsplatz zur Industriekauffrau. So erzählt es Nina-Sophie Müller drei Jahre später mit leuchtenden Augen.

„Das Gespräch mit Michi und der Personalerin war super angenehm und sehr persönlich“, sagt die 22-Jährige. „Michi“, das ist Michaela Haberkern. Die dreißig Jahre ältere Kollegin ist eine der Ausbilderinnen beim Hamburger Konsumgüterkonzern und betreut einen Teil der über 100 Lehrlinge, die sie gerne „meine Kinder“ nennt. Ihr Schützling Müller erinnert sich an die erste Begegnung: „Im Vorstellungsgespräch ging es um mich, was meine Stärken sind, wohin ich möchte.“ Das habe ihr gefallen – bei anderen Unternehmen seien einfach nur Standardfragen abgehakt worden.

Müller hat an einem Wirtschaftsgymnasium in Schleswig-Holstein Abitur gemacht und sich ein Jahr vor dem Abschluss bei einigen großen Unternehmen rund um Hamburg beworben. Beiersdorf hat am schnellsten zugeschnappt. Nach der Online-Bewerbung wurde Müller an einem Freitag zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Schon am Donnerstag darauf kam der Anruf mit der Zusage.

„Ich brauche nicht zehn Wochen, um zu entscheiden, wen ich will und wen nicht“, sagt Ausbilderin Haberkern. „Wir geben innerhalb von zehn Tagen Rückmeldung.“ Schnelligkeit ist für den Dax-Konzern ein Erfolgskriterium, um begehrte Nachwuchskräfte zu bekommen.

„Wir machen uns seit Jahren Gedanken darüber, wie wir die besten Kandidaten für uns gewinnen können“, sagt Ausbildungsleiterin Daniela Peeters-Bendix. Viele junge Leute suchen nach Ausbildungsplätzen nahe der Heimat. Da konkurriert Beiersdorf in Hamburg mit vielen namhaften Arbeitgebern wie Otto, Airbus, Google oder Philips. „Wir hören häufig, dass schnelle Entscheidungen ein großes Plus sind, dass Bewerber das auch als Wertschätzung empfinden“, so Peeters-Bendix.

Die Unternehmen müssen hart um geeignete Lehrlinge kämpfen. Das merkt auch Peeters-Bendix, obwohl Beiersdorf mit bekannten Produkten wie Nivea, Labello oder Tesa bei vielen jungen Leuten mit ausgeprägtem Markenbewusstsein punkten kann: „Wir schaffen es immer noch, unsere Stellen zu besetzen, aber wir müssen uns auch strecken.“ Das Hauptproblem sei, dass immer mehr Schüler nur auf Abitur und Studium fokussiert seien und eine Ausbildung gar nicht in Betracht zögen. Es sei wichtig, den Schülern an weiterführenden Schulen bei der Berufsberatung auch die Vorteile der betrieblichen Ausbildung nahezubringen.