Solar-Start-up Enpal-Mitgründer Kohle: „Unsere Nachfrage explodiert gerade“

Mario Kohle
Mario Kohle
© Enpal
Enpal vermietet Solaranlagen und Energiespeicher an Privatleute – und ist das am schnellsten wachsende Unternehmen Deutschlands. Dieser Tage erlebt es einen Ansturm, den die Gründer noch nicht erlebt haben. Im Angebot sind neuerdings auch Ladestationen

Die Büros von Enpal am Berliner Ostbahnhof sind dieser Tage nicht leer wie in vielen anderen Unternehmen, sie sind voll – und vor allem voller Leben und voller Arbeit. Auf riesigen Flächen stehen endlose Tische in langen Reihen, daran sitzen Mitarbeiter mit Headsets – und verkaufen: Solaranlagen. Genauer: Paktlösungen, mit denen Menschen Solaranlagen und Energiespeicher mieten, zu einem Festbetrag. In einem Raum liegen goldene Konfetti auf dem Boden: Hier wurde gefeiert, ein neues Produkt – denn im Angebot sind künftig auch Ladestationen für E-Autos.

Angesichts der Energiekrise, die Deutschland seit Wochen gefangen hält, gibt es viel zu tun. „Die Nachfrage ist wirklich explodiert, so etwas habe ich noch erlebt“, sagte Mitgründer Mario Kohle im Podcast „Die Stunde Null“. „Seit Beginn des Krieges und den steigenden Energiepreisen ist vielen Leuten schlagartig klar geworden, dass sie eine Solaranlage haben wollen – oder auch Speicher, Wärmepumpen und Elektroautos.“

Und kann Enpal diesen Ansturm bewältigen? „Wir diskutieren die Frage, wie wir das alles bewältigen“, bekannte Kohle, der 2017 mit zwei Freunden das Berliner Start-up gegründet hat. „Wir wachsen momentan mit zehn neuen Handwerkerteams pro Monat.“ Was wichtig sei, dass man trotz des Wachstums die Qualität und den Service beibehalte. An letzterem gab es in der Vergangenheit auch Kritik. „Aber wir sind in der Lage, einem Menschen, der schwindelfrei und handwerklich begabt ist, innerhalb von wenigen Wochen und Monaten zu einem Solarinstallateur auszubilden“, so Kohle.  

Enpal hat sich darauf spezialisiert, Solaranlagen in Kombination mit Energiespeichern und neuerdings auch Wallboxen – Ladestationen für E-Autos – im Abo anzubieten. Privatleute zahlen über 20 Jahre die Anlage ab und können sie danach für einen geringen Betrag erwerben. Enpal übernimmt Installation, Wartung und Reparatur. Die Rate ist nicht günstig, beim Komplettpaket liegt sie zwischen 164 und 215 Euro im Monat. Dafür spart der Nutzer Strom- und Benzinkosten, weil er nicht nur einspeist, sondern selbst verbraucht – als so genannter „Prosument“. Enpal spricht von 180 Euro Ersparnis für einen „typischen Pendler“.

Als 2017 Mario Kohle mit Viktor Wingert und Jochen Ziervogel das Berliner Greentech-Start-up gründete, installierten sie im ersten Jahr 30 Solaranlagen. „Fünf Jahre später installieren wir 60 pro Tag“ sagte Kohle. „Wir sind die erste Firma in Europa, die im vergangenen Monat über eintausend Solaranlagen gebaut hat.“

Inzwischen hat Enpal 1500 Mitarbeiter und rund 15.000 Anlagen deutschlandweit im Betrieb. Der Umsatz, der 2020 noch 56 Mio. Euro betrug, war 2021 auf 110 Mio. Euro gewachsen. Wenn man das Geschäft der ersten Monate auf dieses Jahr hochrechnet, könnten es 2022 rund 240 Mio. Euro werden. Gerade erst hat die „Financial Times“ in einem Ranking der wachstumsstärksten Unternehmen Europas Enpal auf Platz fünf gekürt. Die Ziele sind deshalb auch ambitioniert: „Wir wollen bis 2030 mindestens eine Million Häuser mit unserer Lösung ausstatten“, sagte Kohle.  Das Wachstum hat namhafte Geldgeber angezogen, darunter Alexander Samwer, den japanischen Tech-Investor Softbank und den Fonds des Schauspielers Leonardo di Caprio.

Für Mario Kohle geht es bei den Solarlösungen weniger um die klassische Einspeisung von Strom, die seit Beginn der Förderung von erneuerbaren Energien im Fokus stand – und nun auch im „Osterpaket“ von Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Rolle spielt. Enpal setzt auf intelligente Vernetzung von Anlagen, Energiespeichern und Ladestationen.

Enpal sieht sich dennoch nicht als Profiteur der Krise. „Diese Krise hat keine Gewinner“, sagte Kohle, auch wenn sie „zynischerweise“ einen „Run auf Solaranlagen“ ausgelöst habe. „Auch wir waren hier wahnsinnig niedergeschmettert – und sind es immer noch. Aber neben der Wut gibt es mittlerweile viel Tatendrang.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“ außerdem,

  • warum in den Büros von Enpal regelmäßig geklatscht wird,
  • ob Enapl auch in europäische Nachbarländer expandieren will,
  • was sich hinter „virtuellen Kraftwerken“ verbirgt.

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