KolumneDie mundfaulen Manager der BASF

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Wohin steuert eigentlich BASF? Selbst die Chefs anderer Chemiekonzerne reagieren einigermaßen ratlos, wenn man sie auf diese Frage anspricht. Seit letzter Woche wissen wir immerhin: Erdöl und Gas gehören nicht mehr zum Kerngeschäft der BASF. Der Konzern bringt seine Tochter Wintershall in ein Joint-Venture mit dem russischen Oligarchen Michail Fridman ein, wenn der Deal nicht noch in letzter Minute platzt. Später soll ein Börsengang folgen. Aus der normalen Gewinn- und Verlustrechnung von BASF verschwinden damit die heftig schwankenden Erlöse des Rohstoffgeschäfts. Der Konzern bilanziert es künftig nur noch als Vermögenswert. Die Experten nennen das Equity-Methode. So geht man nur vor, wenn man sich auf lange Sicht ganz zurückziehen will.

Noch vor drei, vier Jahren galten Erdöl und vor allem Gas als große Hoffnungswerte des Unternehmens. BASF-Chef Kurt Bock wollte damals die „Förderung an der Quelle vorantreiben“. Um dieses Ziel zu erreichen, tauschte der Konzern mehrere Aktiva mit dem russischen Rohstoffriesen Gazprom. Die komplizierte Transaktion belastete die Gewinne von BASF in den letzten Jahren massiv. Noch im Mai dieses Jahres verteidigte Bock diese Strategie ausdrücklich: „Wir können momentan überhaupt nicht erkennen, dass Öl und Gas kein guter Bestandteil unseres Portfolios ist.“ Das gilt nun offenbar nicht mehr ganz so, um es vorsichtig zu sagen.

BASF reiht sich in die Riege der Gesprächsverweigerer ein

Schon beim Amtsantritt Bocks wussten seine Förderer im Konzern, dass der sture Ostwestfale kein Kommunikationsgenie ist. Die Mundfaulheit des Chefs hat sich in den letzten Jahren aber auf den ganzen Konzern übertragen. Selbst die Mitarbeiter des Konzerns bemängeln, der Chef informiere sie oft zu spät und zu wenig über das, was gerade vorgeht. Beispiele dafür waren die großen Unfälle auf dem Fabrikgelände in Ludwigshafen und das Dauerdesaster um die TDI-Anlage im Werk, die Bocks Mannschaft trotzt Milliardeninvestition nicht ordentlich ans Laufen bringt. Von der Presse fühlt sich BASF inzwischen eher verfolgt, den Kontakt zu missliebigen Journalisten bricht man am liebsten ab. Nur auf seine Kommunikation mit den Aktionären bildet sich der Konzern immer noch einiges ein. Aber man kann nicht sagen, dass die neue strategische Wende Bocks dort gut vorbereitet worden wäre.

Viele Dax-30-Konzerne kommunizieren seit einigen Jahren immer aktiver und auf immer mehr Kanälen. Man denke nur an Thyssenkrupp oder die Deutsche Bank. Dort bemüht man sich, mehr Verständnis und Sympathie für die Strategien der Konzerne zu wecken. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen wie VW, die einfach die Schotten dichtmachen, seit sie im Dieselbetrugsskandal unter Druck geraten sind. Auch BASF reiht sich in diese Riege der Gesprächsverweigerer ein. Und hat damit viel Sympathiekapital in der Öffentlichkeit und in der öffentlichen Meinung verspielt. Vor Jahren galt der Konzern unter seinem damaligen Chef Jürgen Hambrecht zwar als erzkonservativ und im Zweifel etwas langweilig, aber umgekehrt auch als hundertprozentig verlässlich. Das kann man unter Bock nun wahrlich nicht mehr sagen.