Studie FrauenanteilBoy's Club Vorstand: lieber keine Frauen

Telekom: Heute hat das Telekommunikationsunternehmen acht Aufsichtsratsplätze an Frauen vergeben - zwölf an Männer. Die Aufsichtsrätinnen sind: Helga Jung, Nicole Koch, Dagmar P. Kollmann, Petra Steffi Kreusel, Nicole Seelemann-Wandtke, Sibylle Spoo, Margret Suckale und Karin Topel.
Telekom: Heute hat das Telekommunikationsunternehmen acht Aufsichtsratsplätze an Frauen vergeben - zwölf an Männer. Die Aufsichtsrätinnen sind: Helga Jung, Nicole Koch, Dagmar P. Kollmann, Petra Steffi Kreusel, Nicole Seelemann-Wandtke, Sibylle Spoo, Margret Suckale und Karin Topel.Telekom

„Die Macht hinter den Kulissen – Warum Aufsichtsräte keine Frauen in die Vorstände bringen“: So heißt die neue Studie der AllBright Stiftung. Im Mittelpunkt steht ein Wert: 8,8 Prozent – das ist der Frauenanteil in den Vorständen der 160 börsennotierten deutschen Unternehmen im Februar 2019. Auch in den Aufsichtsräten seien Frauen mit 30,2 Prozent weiterhin in der Minderheit, heißt es in der Studie. Das große Problem sei der Kreislauf, der sich daraus ergebe: Aufsichtsratsvorsitzende schlagen meist die Kandidatinnen und Kandidaten für den Vorstand vor. Und dabei sei zu beobachten, dass häufig jüngere Kopien von sich selbst rekrutiert werden – also in der Regel: Männer.

Immerhin in 20 der 160 deutschen Unternehmen liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat bei 40 Prozent oder mehr. Die folgende Bilderstrecke zeigt die Aufsichtsräte mit den meisten Frauen.

 

Neben dem Bevorzugen von Kopien des eigenen Selbst bei der Rekrutierung spielen laut AllBright Stiftung noch weitere Faktoren eine Rolle: Headhunter seien Schlüsselpersonen. Oft gingen diese bei der Rekrutierung allerdings den sichereren Weg und schlagen Kandidaten vor, die dem restlichen Gremium am ähnlichsten sind.

„Zielgröße Null“

Sicherlich aber auch ein Faktor: der Wille. Zwar sind die börsennotierten Unternehmen gesetzlich verpflichtet, feste Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in ihren Vorständen zu veröffentlichen. Allerdings ist es auch möglich, eine „Zielgröße Null“ anzugeben – also null Frauen im Vorstand anzustreben. Von dieser Möglichkeit machen derzeit 53 der börsennotierten Unternehmen in Deutschland Gebrauch. So schreibt die Norma Group beispielsweise in ihrem Geschäftsbericht 2017: „Darüber hinaus hält es der Aufsichtsrat nicht für im Interesse der Gesellschaft, höhere Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand festzulegen.“

Sehen Sie hier eine Übersicht der börsennotierten deutschen Unternehmen, die sich einen Frauenanteil von null Prozent im Vorstand zum Ziel gesetzt haben.

Die Geschäftsführer der AllBright Stiftung kommen zu dem Schluss: „Die Aufsichtsratsvorsitzenden müssen zügig mehr Frauen in die Besetzungsausschüsse berufen und der Aufsichtsrat muss vom Vorstand einfordern, dass genug Managerinnen unter der Vorstandsebene für eine zukünftige Berufung n den Vorstand bereitstehen. Die Investoren sollten das im Auge haben und ihr Abstimmungsverhalten in den anstehenden Hauptversammlungen daran ausrichten.“