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Inflation Axel Weber: „EZB wird massiven Beitrag leisten müssen“

Axel Weber
Der frühere Bundesbankpräsident und Ex-Chef des UBS-Verwaltungsrats Axel Weber ist einer der einflussreichsten deutschen Finanzmanager
© Krisztian Bocsi/Bloomberg via Getty Images
Der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber kritisiert die EZB. Er fordert weitere deutliche Zinserhöhungen in Europa nach dem Vorbild der USA

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss nach Einschätzung des früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber ihre Geldpolitik noch deutlich straffen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. „Die EZB wird einen massiven Beitrag leisten müssen, wenn sie die Inflation tatsächlich einfangen will – über einen längeren Zeitraum“, sagte Weber im Interview mit Capital.

In Deutschland ist die Inflationsrate zuletzt wie in der Eurozone auf zehn Prozent gestiegen. Zwar hat die EZB begonnen, die Leitzinsen anzuheben – doch muss sie wegen der Energiekrise zugleich eine scharfe Rezession in Europa fürchten.

Weber wirft den beiden wichtigsten Notenbanken, der EZB und der Federal Reserve (Fed) in den USA, vor, zu spät auf die Inflationsgefahr reagiert zu haben. „Die Notenbanken haben grobe Fehler gemacht. Sie haben die Inflation aus dem Ruder laufen lassen, weil sie glaubten, das Problem werde sich von selbst lösen.“ Die Geldpolitiker hätten sich zu sehr auf ihre Modelle verlassen, die eine Rückkehr der Inflation auf zwei Prozent signalisiert hätten. Stattdessen hätten die Zentralbanken früher handeln müssen, sie seien „der zentrale Akteur auf dem Schlachtfeld der Inflation. Sie müssen klarmachen: Wir richten es!“ Erst wenn „die Notenbanken entschlossen handeln, dann sinkt auch die Inflation wieder“. Der frühere Chef der Deutschen Bundesbank und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende der Schweizer Großbank UBS arbeitet heute als Berater des Vorstands der Fondsgesellschaft Flossbach von Storch.

Für Weber ist die Fed der EZB voraus. „Die Fed hat das Problem inzwischen erkannt. Ihr Präsident Jerome Powell will die Zinsen erhöhen, bis der Job erledigt ist, wie er sagt. Seine Rede in Jackson Hole war eine Kampfansage.“ Powell hatte auf dem traditionellen Notenbankertreffen der Inflation den Kampf angesagt. Er sei damit weiter als seine EZB-Kollegin Christine Lagarde: „Die EZB hat das in dieser Form noch nicht erkannt.“

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