Audi-Chef Duesmann „Der Einsatz unserer Zulieferer in der Ukraine rührt fast zu Tränen”

Audi-Chef Markus Duesmann
Audi-Chef Markus Duesmann
© IMAGO / sepp spiegl
Corona, Chipmangel und jetzt Krieg in der Ukraine: Die Automobilindustrie ist seit zwei Jahren mit vielen Krisen konfrontiert. Audi-CEO Markus Duesmann spricht im Podcast schon jetzt von einem weiteren „Ausnahmejahr“ – ist aber auch vorsichtig optimistisch

Audi-Chef Markus Duesmann ist dieser Tage schwer beeindruckt von seinen Zuliefererbetrieben in der Ukraine: „Wir haben viele sehr gute Zulieferer in der Ukraine, deren Produktion natürlich gestört ist, weil viele Menschen fliehen mussten“, sagte er im Podcast „Die Stunde Null“. „Ich bin fast zu Tränen gerührt, wenn ich sehe, dass mit den wenigen Leuten, die noch vor Ort sind, versucht wird, die Produktion aufrechtzuerhalten. Die fahren sogar Nachtschichten in Laufweite zu einem Bunker, um weiter produzieren zu können. Um ein Leben weiter leben zu können, um weiter Einkünfte zu haben.“ Der Mut und der Willen der Ukrainer imponiere ihm.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat auch die deutschen Autobauer getroffen, weil Komponenten aus der Ukraine fehlen. In der Folge gab es Produktionsstopps, das Geschäft mit Russland liegt derzeit auf Eis. Für Duesmann ist das zweitrangig. „Die Bilder aus der Ukraine sind kaum zu ertragen“, sagte er. Auf der anderen Seite beeindrucke ihn die Hilfsbereitschaft in Deutschland und wie Europa derzeit zusammenrücke.

„Unsere Produktion ist betroffen und steht auch an manchen Standorten“, sagte der Audi-Chef.  „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir über das Jahr gesehen weiterproduzieren können.“ Allerdings sei klar: „2022 ist schon jetzt ein weiteres Ausnahmejahr.“  Es werde „schon noch länger in diesem Jahr ruckeln in der Produktion.“ Die Szenarien seien derzeit schwer abzuschätzen.

Entscheidend sei kurzfristig die Sicherung der Energieversorgung, sowohl für die privaten Haushalte als auch für die Industrie. „Natürlich sind die Gaspreise und Strompreise extrem kritisch.“ Diese Krise sollte genutzt werden, die Energieversorgung zu überdenken – und den Umbau zur Klimaneutralität noch entschlossener voranzutreiben. „Klar ist, wir müssen weg von den Fossilen, aus zwei Gründen: Wir sollten dem Planeten nicht mehr CO2 hinzufügen. Und zweitens, das ist ein neuer Grund: Wir müssen uns befreien von dieser Abhängigkeit.“

Duesmann steht seit 2020 an der Spitze von Audi, zuvor war er Vorstand bei BMW. „Ich habe vor zwei Jahren bei Audi angefangen und seitdem nur Krise erlebt, das ist die bittere Wahrheit“, erzählte er. „Insofern funktioniert der Krisenstab sehr gut.“ Trotz allem konnte er diese Woche sehr gute Zahlen vorlegen: Der operative Gewinn der VW-Tochter hat sich auf 5,55 Mrd. Euro verdoppelt. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 53,1 Mrd. Euro, obwohl weniger Autos ausgeliefert wurden.

Die Autoindustrie hat in dem vergangenen Jahr viele Milliarden in Russland investiert. Volkswagen hat ein Werk in Kaluga und Nischni Nowgorod. Als Tochter von VW hat auch Audi die Produktion von Fahrzeugen in Russland sowie den Export bis auf Weiteres eingestellt. Audi fertigt in Kaluga das Modell Audi Q7 und Q8.

Duesmann hofft, dass es trotz der Sanktionen keine Blockbildung gibt. „Bei einem Eisernen Vorhang gäbe es nur Verlierer“ Es werde eine Zeit nach dem Krieg geben, und „wir werden damit umgeben müssen.“ Zu den von Wladimir Putin angedrohten Enteignungen deutscher Werke sagte er: „Niemand wird gern enteignet.“ Er aber gehe davon aus, dass hoffentlich alle bald an den Verhandlungstisch zurückkehren. „Denn wgal welches Szenario, es wird nicht besser sein können als vorher.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • was sich Markus Duesmann nach dem Lockdown gegönnt hat,
  • was der Audi-Chef mit „vollautomatischen Blechbüchsen“ meint,
  • warum Software und Daten so elementar sind.

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