Duft des ErfolgsNarciso Rodriguez: „Männerdüfte folgen zu oft dem Schema F“

Narciso Rodriguez
Narciso RodriguezNarciso Rodriguez


Wie riecht eigentlich Geld? Und was macht ein Eau zum Bestseller? Diese und weitere Fragen stellen wir in unserer Serie „Duft des Erfolgs“. Diesmal antwortet Narciso Rodriguez, Modedesigner (u.a. für Michelle Obama) und Duftunternehmer, dessen Parfüms in Deutschland seit dem Start 2003 in den Verkaufscharts ganz oben zu finden sind. Zuletzt lanciert: „Narciso Rodriguez for her Pure Musk“.


Welcher Duft motiviert Sie am Morgen?

NARCISO RODRIGUEZ: Ich bin in einem traditionellen kubanischen Haushalt aufgewachsen und da zieht einem, sowie man die Augen aufschlägt, Espresso-Aroma in die Nase. Gemahlene Bohnen, der Dampf beim Brühen. Als Kinder bekamen wir vor der Schule ein großes Glas warme Milch mit Schuss, also einem espresso shot. Kein Wunder, dass ich manchmal in der Schule etwas zu hyperaktiv war und Ärger bekam …

Welche Note beziehungsweise Komposition ist ideal für einen CEO? Und Warum?

Eukalyptus, das wirkt erfrischend und anregend. Ich liebe diesen Duft, und habe mir früher oft frische Blätter auf dem Markt gekauft und sie daheim selbst getrocknet. Vielleicht eine Idee für ein neues Parfüm unserer Marke, mal schauen.

Welcher Geruch beschreibt Ihre Kindheit?

Früher verbrachten wir unsere Sommerferien oft bei meiner Tante in Florida. In ihrem Garten standen die üppigsten Gardenienbüsche, die man sich vorstellen kann. Alle paar Tage pflückte sie einige der Blüten und verteilte sie in Wasserschalen im ganzen Haus. Keine Bouquets, nur diese großartigen Blumen. Diese Einfachheit hat mich beeindruckt. Neben Gardenien blühten dort auch Geißblatt und Jasmin. Alles sehr romantische Blumen, fast märchenhaft.

Welche Duftzutat beziehungsweise welcher Rohstoff inspiriert Sie gerade besonders?

Neu von Narciso Rodriguez: for her Pure Musk
Neu von Narciso Rodriguez: for her Pure Musk

Ich reise sehr oft und bringe viele Sinneseindrücke mit zurück ins Atelier: Aromen, Stimmungen, Muster und Farben, zahllose Fotos und Souvenirs. Als Inspiration für meine Mode oder neue Parfüms. Der erste Duft, „Narciso Rodriguez for her“, basierte auf einer Reise nach Portugal, wo ich von den Orangenblüten verzaubert war, die überall zu sehen und zu riechen waren. Ich habe einige Blüten und Zweige in ein Buch gepresst, mit- und später bei der Kreation des Duftes als Referenz genommen.

Welche Note ist leider in Vergessenheit geraten?

Als ich anfing mit eigenen Parfüms, 2003, war Moschus gerade überhaupt nicht angesagt. Vom Geschmack der Zeit her betrachtet, aber auch weil der Rohstoff früher einmal tierischen Ursprungs war. Mit „for her“, in dessen Komposition Moschus eine tragende Rolle spielt, ignorierten wir also damalige Trends. Und jetzt feiern wir diese fantastische Zutat, heute längst synthetisiert, mit „Pure Musk“.

Welches Parfüm tragen Sie privat sehr häufig?

Ich habe aus den Entwicklungen der bisherigen Düfte etliche Arbeitsproben und Zwischenschritte, von denen mir manche auch als vollwertiger Duft gefallen. Einer davon ist „Santal Musk“, den wir eigentlich besonders für den orientalischen Markt kreiert hatten. Von einer Variante auf dem Weg zum finalen Produkt habe mir etwas mehr abfüllen lassen.

Was können Sie wirklich nicht mehr riechen?

Ich versuche als Designer und Co-Kreateur von Parfüms keinerlei Scheuklappen aufzusetzen, aber ganz persönlich gesprochen sind zuckrig-süße Düfte und die sogenannten Gourmand-Noten überhaupt nicht mein Ding.

In aller Kürze: Wie duftet …
… Glück?

Die Haare meiner kleinen Zwillinge Ivy und Callum.

… Erfolg?

Spontan würde ich sagen: nach Frieden. Wobei ich nicht sagen könnte, wonach der genau riecht …

… Liebe?

Gardenie, Tuberose und Jasmin.

… Geld?

Schmutzig.

… Stille?

Schnee. Wir leben auf dem Land und wenn es geschneit hat, dann ist die Stille draußen geradezu ohrenbetäubend.

… Spaß?

Schokolade.

Was ist die spezielle Herausforderung in der Männer-Parfümerie?

Früher waren Düfte for him oft sehr aggressiv und zugleich ein wenig formelhaft abgemischt, nach Schema F. Da auszubrechen wird zunehmend einfacher, bedeutet aber trotzdem Überzeugungsarbeit. Frauen sind deutlich experimentierfreudiger, kürzlich sagte mir eine Dame bei einem Termin, dass sie bereits seit acht Jahren einen meiner Männerdüfte trägt. In rund zwei Jahren, denke ich, wird es auch von uns etwas Neues für Männer geben, das hoffentlich die eine oder andere Schublade sprengt.

Welches Parfüm werden wir im Jahr 2030 aufsprühen?

Ich hoffe immer noch „for her“, schließlich gilt es bereits jetzt als zeitloser Klassiker.

Welches Parfüm ist Ihr absolutes Evergreen?

Alles, das Moschus beinhaltet. Ich finde es faszinierend, wie besonders diese Zutat jedesmal völlig anders wirkt.