Stilfragen"Es lebe die Vielfalt"

Alexander Helle (l.) und T-Michael
Alexander Helle (l.) und T-Michael
© Norwegian Rain

Schneider und Designer T-Michael (T) und Alexander Helle, Creative Director, (A) bilden das Team hinter Norwegian Rain, einer Marke, die klassische Herrengarderobe mit Hightech-Wetterschutz verbindet.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

T: Eine gesunde Dosis Know-how in Sachen Herrenschneiderkunst, eine Prise persönliche Stil-Attitüde und eine ganze Menge Höflichkeit. All das serviert als echter Gentleman.

A: Wissen, Hingabe und der Wille zum Experiment. Kleiden Sie sich, als wären Sie es selbst, niemand anderes. Eine Weste aus feiner Wolle dazu und Sie sind versorgt.

Nennen Sie einige Fashion No–Gos im Office – ganz gleich ob an der Rezeption oder auf der Vorstandsetage?

T: Die Menschen um sich herum nicht zu beachten – und zu viel Parfüm.

A: Offen gesagt, mir liegt es überhaupt nicht, anderen vorzuschreiben, wie sie sich kleiden sollten. Diese Art von Modepolizei macht die Welt zu einem langweiligen Ort. Ich diktiere auch niemandem eine Meinung, ein Gefühl oder einen Glauben. Es lebe die Vielfalt.

Was sind die wichtigsten neuen Trends für Businessmänner und –frauen?

T: Gut gepflegte Schuhe, ein blendend weißes, perfekt gebügeltes Hemd und ein Geschmack, der nicht zu sehr mit aktuellen Trends geht.

A: Glücklicherweise gewinnt die Bewegung hin zu handwerklicher Exzellenz in der Mode immer mehr Anhänger. Weniger aber besser kaufen, was Sie nicht lieben bleibt im Laden.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

T: Ein grauer Flanellanzug, ein Fischgrat-Anzug in Marineblau, das schon erwähnte astreine weiße Hemd, hervorragende schwarze Lederschuhe, smarte Manschettenknöpfe (ohne „witziges“ Design), ein gut geschnittener Kaschmirmantel und ein ebenso hervorragender Regenmantel.

A: Wer beim Einkaufen das Gesamtbild im Auge behält, endet mit einer Garderobe aus wenigen Teilen, die dennoch vielseitig und endlos kombinierbar ist. Das erleichtert das Packen für Geschäftsreisen und verkürzt die Outfitwahl am Morgen.

Welches Kleidungsstück verdient ihrer Meinung nach ein Revival?

A: Der Hut hat uns nie ganz verlassen, aber er wurde an den Rand gedrängt und massiv unterschätzt. Viele Männer sagen, ihnen stünde kein Hut. Nun, ich würde entgegnen, dass sie bloß noch nicht den richtigen aufprobiert haben. In den 1930er-Jahren trug jeder Mann einen. Verständlicherweise, es ist schließlich ein extrem praktisches Kleidungsstück.

„Unsere Regenmäntel sind meine Basis im Kleiderschrank“

Wer ist ihr persönliches modisches Vorbild? (lebend oder tot)

T: Sidney Poitier und Steve McQueen

A: T-Michael höchstpersönlich. Aber sagen Sie es ihm nicht. Ich meine weniger sein Aussehen an sich, sondern seine unnachahmliche Art sich zu kleiden. Er passt sich nie dem Anlass, den Umständen oder anderen Menschen an. In Norwegen, wo die Uniformität schier erdrückend ist, findet man solche modischen Freigeister selten.

Welche modische Anschaffung war ihr bester Kauf?

T: Meine Boxershorts. Ein guter Start, um die Garderobe aufzuwerten.

A: Unsere Regenmäntel sind meine Basis im Kleiderschrank. Nicht, weil ich das sagen muss, sondern weil wir hier in Bergen in einem sehr nordischen Klima leben, wo es an solchen widerstandsfähigen Stücken keinen Weg vorbei gibt. Dennoch mag ich nicht, wenn mir das Wetter den Stil vorgibt, und für dieses Dilemma sind unsere Mäntel der perfekte Ausweg.

Jenseits des Dresscodes: In welchem Outfit gehen sie am Samstag die Zeitung holen oder mit dem Hund spazieren?

T: Ein gut geschnittener Anzug. Wie immer!

A: Da gibt es kaum große Unterschiede. Bei gutem Wetter vielleicht ein Paar Ledersandalen.

Ihre größte Stilsünde war..?

T: Ich bereue wirklich nichts. Alle vermeintlichen Fehlgriffe waren wichtige Erfahrungen und Lehren. Und wer weiß, vielleicht wiederhole ich einige davon ja bald.

A: Meine Vergangenheit ist voll davon, das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Wie etwa der Versuch, mir die Haare selbst zu färben … Im Gegensatz zu T-Michael bin ich mir sicher, diese Kapitel für immer geschlossen zu haben. Das war eine andere Zeit, ein anderes Ich.

Wie kaufen Sie Mode – in der Boutique, im Kaufhaus oder Online und warum?

T: Überall etwas, würde ich sagen. Das „Wo“ ist schließlich weniger entscheidend als das „Was“, also ein Teil zu finden, dass Mann schon immer haben wollte. Sich für diese Suche genügend Zeit zu nehmen finde ich wichtig. Und manchmal hilft der Zufall.

A: Heute ist meine Garderobe „eingefärbt“ durch die Arbeiten meiner Freunde in der Bekleidungsbranche. Alles Profis, die ich respektiere und bewundere. Marken wie Hansen, ACF, natürlich T-Michaels eigene Linie, dann Title of Work, Haversack, Superduper Hats und Grenson. Das meiste kaufe ich direkt von den Designern und Machern. Doch noch immer stöbere ich auch gern in unabhängigen Läden nach Unikaten. Egal ob Mode, Vintage-Möbel oder Flohmarktschätze. Das typische Kaufhaus macht dieses Erlebnis eher weniger genussvoll, da fehlt mir die Leidenschaft hinter dem Sortiment. Und in Webshops vermisse ich das Anfassen.

Kurz & Knapp

Krawatte oder Fliege?

T: Fliege.

A: Krawatte.

Rasur: Trocken oder nass?

T: Gar nicht rasieren.

A: Trocken.

Anzug: Ein- oder Doppelreiher?

T: Doppelreiher.

A: Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoorjacke?

T: Unser Regenponcho, der „Raincho“.

A: Hauptsache wasserdicht und spannend.

Barfuß oder Lackschuh?

T: Barfuß.

A: Barfuß.