Interview„Meine Pulsar aus den 70ern bleibt ein Wunderwerk“


Alexander Leuz führt gemeinsam mit seinem Cousin Christian Schaffrath in vierter Generation die auf hochwertigste Diamanten spezialisierten Schmuckmarke Schaffrath. Leuz zeichnet zudem für das Design der Manufaktur verantwortlich, die 1923 gegründet wurde und ihren Sitz in Hanau hat.


 

Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

Offen und unabhängig beschreibt es vielleicht am besten. Spannende Ideen und Designs, ganz gleich von welcher Marke.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Sehr unterschiedlich, häufig auch keine! Das ist einfach eine Frage des Timings, und zum Glück gibt es genügend passende Anlässe für jedes Modell.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Sie muss mich einfach „triggern“, und das folglich mindestens dreimal.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Eine Uhr der Buttes Watch Co. (BWC) mit Weckfunktion, die meine Kinderaugen wirklich zum Leuchten gebracht hat. Mein Vater meinem Bruder und mir diese Uhr zum achten bzw. siebten Geburtstag geschenkt. Selbst heute höre ich noch den Sound des Weckalarms. Bei der Uhr kam ein richtiges James-Bond-Gefühl auf und wie zwei waren stolz wie Könige.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Gibt es das überhaupt? Wenn ja, dann könnte ich gut einen gebrauchen.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination/Verschieberitis?

Noch so eine schwierige Frage, Sie wollen es aber wissen. Wie wäre es mit „Nein“-Sagen oder „Einfach-Machen“? Doch selbst wenn ich mir das noch so sehr vornehme, sicher bin ich vor dem Vertagen von Aufgaben leider nicht …

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Eine wirklich gute Frage, auf die A. Lange & Söhne mit dem Modell Zeitwerk vielleicht eine der wundervollsten Antworten parat hat. Grundsätzlich steht die Branche natürlich vor großen Herausforderungen. Die Konkurrenz durch die Smartphones ist gewaltig. Nur wenn Innovation, Esprit, Seele, Status und Grazie in einem Zeitmesser zusammenkommen, auf die jeweils eigene Weise des jeweiligen Segmentes im Uhrenmarkt, können sie weiterhin die Herzen von Kunden begeistern.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Am liebsten in die 60er Jahre, aus ganz egoistischen Motiven. Ich würde nämlich gern meinen Onkel Günter Klass kennenlernen, der 1967 beim Autorennen „500-km-Rennen von Mugello“ in Italien tödlich verunglückt ist. Außerdem stelle ich mir die Szene der Renn-und Ralleyfahrer damals aufregend vor: Mut zum Risiko, elegante Manöver, rauer Charme und Gentleman-Attitüde …

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

Das war für mich eine Pulsar aus den 1970ern, deren rote Digitalziffern aufblitzen konnten. Eine Uhr wie von einem anderen Stern. Um ihr die Zeitanzeige und das Datum zu entlocken, musste man einen der zwei Knöpfe an der Gehäuseseite drücken. Manchmal klappte das dank eines losen Gewichtes im Inneren auch durch eine Handbewegung. Beides sollten wir Kinder laut meinem Vater möglichst vermeiden, weil die Batterie schnell leer war. Das hielt uns je nicht davon ab. Selbst 50 Jahre später ist dieses Wunderwerk der LED-Technik für mich noch heute eine echte Ikone. und dank besserer Batterietechnik macht ihr die Neugier meines Nachwuchses nicht so rasch zu schaffen.