KöpfeWas Trump mit Start-ups verbindet

Nach seiner Wahl machten die Größen des Silicon Valley dem gewählten Präsidenten ihre Aufwartung
Nach seiner Wahl machten die Größen des Silicon Valley dem gewählten Präsidenten ihre Aufwartung
© Getty Images

#1 Regeln ignorieren

Es gilt als einer der großen Vorzüge von Start-ups, dass sie die bestehende Ordnung einfach über den Haufen werfen. Taxifahrer brauchen einen Personenbeförderungsschein? Ist dem Chauffeurdienst Uber erst einmal egal. Airbnb funktioniert wie eine Hotelvermittlung, aber die Vermieter halten sich nicht an bauliche Vorschriften? Nicht das Problem der Plattform.

Trump geht genau so vor. Er betreibt die in der Wirtschaft von allen geforderte Disruption in Reinkultur. Fachberater fliegen aus dem Nationalen Sicherheitsrat, stattdessen installiert er dort einen ultrarechten Buddy. Alle anderen Kandidaten legen ihre Steuererklärung vor, Trump nicht. Bisher galt, dass Politik und Geschäft zumindest nicht offen sichtbar vermengt werden – Trump preist die Modekollektion seiner Tochter an als sei das Weiße Haus ein Shopping-Kanal. Diese brutale Ignoranz aller Regeln muss es sein, die zwei radikale Vertreter des Valleys zu Trump-Beratern gemacht hat: den Tesla-Gründer Elon Musk und den Starinvestor Peter Thiel. Selbst die Kleiderordnung ist bei Trump eine andere als bei normalen US-Regierungen. Der Immobilienunternehmer trägt seine Krawatten gerne obszön viel zu lang, und sein schmuddeliger Berater Steve Bannon zieht Sakko und Anzughose wirklich nur dann an, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.

#2 Neue Techniken einsetzen

Trump mag ein 70-jähriger, autokratischer Opa sein. Im Einsatz moderner Technologien aber ist er ganz vorne mit dabei. Da ist zunächst sein Twitter-Account, den der Präsident als Instrument für Steuerung und Propaganda nutzt. Auch Vorgänger Barack Obama war auf Twitter, aber kann sich irgendjemand an einen Beitrag von ihm erinnern? Einige Trump-Tweets hingegen sind bereits Legende – wenn auch vor allem, weil sie regelmäßig an Wahnsinn grenzen. Zudem wurde kurz nach der Wahl bekannt, mit welch ausgereifter digitaler Strategie das Team Trumps Persönlichkeitsprofile potenzieller Anhänger auswertete und für seine Kampagne in den sozialen Medien nutzte. Trump gelang es, einen direkten Kontakt zu seinen Unterstützern, seiner „Kundschaft“, aufzubauen und damit Mittler wie Medien oder regionale Politiker zu umgehen. Eine klassische Silicon Valley-Methode. Keine Frage: Trump ist der erste echte Internet-Präsident.

#3 Ausprobieren, scheitern, weitermachen

Oh ja, auch das neue Lieblings-Mantra der deutschen Spät-Digitalisierer kommt bei Trump zum Einsatz. So wie Start-ups Ideen so rasch wie möglich umsetzen, um zu sehen, was funktioniert, so ist auch Trump einer, der gerne schnell handelt. In den ersten Wochen seit seiner Amtseinführung bombardierte der Präsident die USA mit einer Masse an Erlassen. Und wie echte Start-ups Marktforschung und sonstigen Krimskrams erst einmal außen vor lassen, verzichtete auch er auf das übliche Prozedere. Er ließ keine Experten mitreden, sprach sich mit niemandem lange ab und scherte sich nicht um gesellschaftliche Debatten. Seine Verfügung für einen Einreisestopp aus sieben islamischen Ländern ist denn auch vor Gericht bisher gescheitert, aber niemand sollte glauben, dass das Thema damit für Trump erledigt ist. Das Problem mit diesem Ansatz ist: Während ein Start-up höchstens selbst unter dem Scheitern leidet, ist es bei Trump eine ganze Nation. Oder sogar ein Großteil der Welt. Kinder, Frauen, Männer, die auf einmal nicht mehr zu ihren Familien reisen können und an Flughäfen festhängen.

#4 Fokus auf den Kunden

Immer wieder heißt es, das sei es, was Apple, Google oder Facebook wirklich können: den Kunden in den Mittelpunkt stellen und seine „User Experience“ steigern. Nun, exakt das tut Trump auch. Der Mann hat Gegner, sehr viele sogar, aber seine Anhänger dürften mit den ersten Wochen der neuen Ära zufrieden sein. In ihren Augen ist Trump ja seine Wahlversprechen angegangen: Muslime abweisen, Mauer nach Mexiko, Jobs in der Provinz retten. Ob das alles wirklich so kommt, ist für die User Experience erst einmal egal. Das Gefühl, es den liberalen Eliten an den Küsten mal so richtig zu zeigen, dürfte für die Rostgürtel-Bewohner der Euphorie nahe kommen, mit der Apple-Fans ein neues iPhone auspacken. Anders als die großen Konzerne hat es Trump sogar nicht einmal nötig, seine Kundenbasis ständig auszuweiten. Um Wahlen zu gewinnen, reicht in den USA ja auch eine Minderheit.

#5 Heilsversprechen

Okay, das ist nichts, was der Politiker Trump exklusiv für sich beanspruchen kann. Aber große Werbesprüche wie „Make America great again“ oder „Drain the swamp“ (den Sumpf trocken legen) erinnern stark an die überdimensionierten Versprechen der Digitalindustrie. Google ging einst mit dem etwas dümmlichen Motto „Don’t be evil“ hausieren (das bei Trump eher unglaubwürdig klänge) und arbeitet angeblich am Kampf gegen die Sterblichkeit. Airbnb verspricht nicht einfach Unterkünfte, sondern „People, Places, Love“. Und Apple zelebriert seine Produktvorstellungen wie Messen. All das kann Trump auch. Für seine Gegner ist er ein wirrer Anti-Demokrat. Für seine Anhänger aber klingt es großartig, wenn Trump verspricht, Verbrechen praktisch abzuschaffen, Jobs zurückzuholen und „so oft zu gewinnen, dass wir müde vom Gewinnen werden“.

#6 Business auf Pump

Es gehört zur Definition des Start-ups, dass es zunächst für lange Zeit kein Geld verdient. Gründer schauen einen sogar oft erstaunt an, wenn man ihnen die Frage nach dem Breakeven stellt. Wichtig ist, dass immer frisches Geld hereinkommt. Trump arbeitet ähnlich, und zwar schon immer. Bereits als Bauunternehmer hat er eine Perfektion darin entwickelt, das Geld anderer Leute zu verbraten, er war mehrmals fast bankrott und wurde bei vielen US-Banken nur noch schief angesehen. Nun sitzt Trump an der dicksten Kasse überhaupt, nämlich dem US-Haushalt. Und mein Gott, er wird Geld ausgeben, was das Zeug hält. Ob sich das jemals rentiert? Siehe Punkt 3.

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