Beste AusbilderDr. Oetker: Nachhilfe für die Chefs

Das Logo von Dr. Oetker
Das Logo von Dr. Oetkerdpa

Wer als Azubi bei Dr. Oetker lernt, dem kann passieren, dass er sogar den Chefs die digitale Welt erklären kann. In regelmäßigen Abständen gibt es bei dem Bielefelder Familienunternehmen Termine, bei denen sich Auszubildende mit der Geschäftsleitung treffen und sich über digitale Themen austauschen – zum Beispiel über Fragen wie „Wie funktioniert Instagram?“ oder „Was ist aktuell meine Lieblings-App?“

Reverse Mentoring heißt dieser Ansatz, bei dem nicht nur die Azubis von Fach- und Führungskräften lernen – sondern auch umgekehrt. Die Auszubildende seien als Digital Natives zugleich auch „Digitalbotschafter“ im Unternehmen, sagt Nora Thelen aus der Oetker-Personalabteilung. „Unsere Azubis bringen so viel Know-how und Offenheit mit. Das müssen wir doch gezielt nutzen.“

Um den digitalen Wandel im Unternehmen zu unterstützen, haben Thelen und ihr Team im Sommer 2017 die Initiative #azubidigital entwickelt und damit das Ausbildungskonzept bei dem Pizza- und Puddingkonzern fit für das Digitalzeitalter gemacht. Bei der Frage, wie sich die digitale Transformation aus Personalsicht begleiten lasse, sei schnell klar gewesen, dass man dafür nicht nur bei den Führungskräften ansetzen könne, sondern alle Hierarchieebenen berücksichtigen müsse, sagt Thelen.

Interne „Start-Up-Days“ ein Mal pro Jahr

Seitdem haben die Azubis, die bei Oetker zu Industriekaufleuten oder Lebensmitteltechnikern ausgebildet werden, die Möglichkeit, ergänzend zu den regulären Ausbildungsstationen und auf eigene Initiative verstärkt bei digitalen Projekten mitzuarbeiten und zu lernen.

Dabei geht es um Stationen mit einem digitalen Schwerpunkt innerhalb des Unternehmens, etwa im Digitalmarketing oder bei der Entwicklung und Einführung einer neuen Mitarbeiter-App. Grundsätzlich haben die Auszubildenden bei Dr. Oetker aber auch die Möglichkeit, für eine Zeit lang bei externen Start-ups mitzuarbeiten. Auf diese Weise zahle die Initiative #azubidigital „direkt und ganz pragmatisch auf die digitale Transformation im Unternehmen ein“, sagt Personalmanagerin Thelen.

In diesen Kontext passen auch die internen „Start-up-Days“, die bei Dr. Oetker neuerdings einmal im Jahr stattfinden. Bei dem Event sollen die Auszubildenden eigene Ansätze und Ideen für Start-ups entwickeln, um zu lernen, unternehmerisch zu denken und darauf möglichst auch konkrete Geschäftsmodelle aufzubauen.

Für die Konzepte gibt es dann einen Pitch vor den Vorgesetzten – fast wie im echten Start-up-Leben. Dabei sollten die jungen Mitarbeiter nicht nur lernen, im Team zu arbeiten, sondern auch, sich von vielen Feedbackschleifen nicht von einer Idee abbringen zu lassen, sagt Thelen.

Azubis bekommen den Freiraum, eigene Ideen einzubringen

Etwa ein Jahr nach dem Start von #azubidigital sind die Erfahrungen im Unternehmen positiv. Die Auszubildenden bekommen den Freiraum, eigene Ideen einzubringen, und werden durch die zusätzlichen Ausbildungsstationen besser auf den internen Arbeitsmarkt vorbereitet, weil auch bei Dr. Oetker immer mehr Jobprofile einen Digitalbezug haben.

Umgekehrt profitiert auch das Unternehmen davon, dass seine Azubis die Rolle von Digitalbotschaftern übernehmen – und zwar nicht nur bei den heutigen Mitarbeitern, sondern auch im Wettbewerb um künftige Fachkräfte. „Bei den Ausbildungsberufen im IT-Bereich merken wir, dass wir jetzt mehr Zulauf haben“, sagt Thelen. Viele Kandidaten seien durch die neue Digitalinitiative auf das Unternehmen aufmerksam geworden.