ArbeitszeitDas sollten Sie über Überstunden wissen

Symbolbild Überstunden
Symbolbild Arbeitszeitdpa

Deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben im Quartal 2019 laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit im Durchschnitt 6,2 bezahlte und 5,4 unbezahlte Überstunden gemacht – und damit etwas weniger als im Vorjahresvergleichsquartal. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) addierte solche Zahlen in den vergangenen Jahren jedoch und monierte: Beschäftigte in Deutschland machten jedes Jahr insgesamt 1,8 Milliarden Überstunden – mehrheitlich unbezahlt.

Ob auf den einzelnen Angestellten oder zusammengerechnet gilt jedoch: Beim Thema Überstunden sind für Beschäftigte oft viele Punkte offen. Sechs Fragen und Antworten:

#1 Sind vom Chef gewünschte Überstunden Pflicht?

Niemand muss grundsätzlich Überstunden machen. Es gibt jedoch Regelungen im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag, welche die Anordnung von Mehrarbeit durch den Arbeitgeber ermöglichen. Allerdings müssen diese Vereinbarungen deutlich und unmissverständlich formuliert sein. Ein Ausnahmefall für Überstunden ist zum Beispiel akute Personalnot, weil der halbe Betrieb krank ist, während ein wichtiger Auftrag abgearbeitet werden muss. Nicht selten steht in Arbeitsverträgen, dass sämtliche Mehrarbeit mit dem Bruttoarbeitslohn abgegolten sei. Dies ist jedoch unwirksam.

#2 Kann ich Mehrarbeit auch verweigern?

Bei Überstunden gelten die Obergrenzen des Arbeitszeitgesetzes. Demnach darf die tägliche Arbeitszeit nicht länger als acht Stunden sein. Bis zu zehn Stunden sind möglich, wenn der Chef dafür sorgt, dass die angefallene Mehrarbeit in den nächsten sechs Monaten ausgeglichen werden kann. Teilzeitbeschäftigte dürfen generell nicht zu Überstunden herangezogen werden, Jugendliche und Schwangere ebenfalls nicht. Ansonsten gilt: Der Samstag ist ein Werktag. Müssen Sie an diesem Tag arbeiten, sind das nur Überstunden, wenn Sie dafür keinen Ausgleich bekommen. Wichtig zu wissen ist auch: Das Arbeitszeitgesetz gilt nicht für leitende Angestellte.

#3 Wie gehe ich vor, wenn ich ständig länger arbeiten muss?

Gibt es keine Stechuhr oder Ähnliches im Betrieb, schreiben Sie sich jeden Tag auf, wie lange Sie gearbeitet haben. Kommen Sie über Wochen oder gar Monate hinweg nicht pünktlich aus der Firma, sollten Sie mit Ihrem Chef über das Problem sprechen und um eine Lösung bitten. Zudem sollten Sie klären, wie mit den Überstunden verfahren wird: Auszahlung oder Freizeitausgleich?

#4 Wie genau muss ich Überstunden dokumentieren?

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, seine Stundenzettel, aus denen sich das Datum und der Zeitraum der Mehrarbeit ergibt, regelmäßig abzeichnen zu lassen – am besten handschriftlich. Sollte es mal zu dem Fall kommen, dass Sie Ihre Überstunden vor Gericht geltend machen wollen, ist ein eindeutiger Nachweis Pflicht.

#5 Habe ich Anspruch auf Bezahlung der Mehrarbeit?

Hier gilt, was in Ihrem Arbeits- oder im Tarifvertrag steht. Gerade in letzterem ist die Vergütung für Mehrarbeit jedoch eindeutig geregelt. Gibt es in Ihrem Vertrag keine Vereinbarung zur Bezahlung von Überstunden, bedeutet das aber nicht, dass Ihr Arbeitgeber nicht zahlen muss. Der Lohn pro Überstunde berechnet sich dann anteilig gemessen am Monatsgehalt. Steuerfrei sind Überstunden nicht. Entscheidend ist zudem die Höhe des Gehalts: Liegt dieses über der Beitragsbemessungsgrenze (2020: 82.800 Euro im Westen, 77.400 im Osten), haben Sie keinen Anspruch auf bezahlte Überstunden.

#6 Kann ich statt Vergütung auch Freizeitausgleich wählen?

In vielen Tarifverträgen und einigen Arbeitsverträgen gibt es Regelungen, denen zufolge Sie auch zusätzliche freie Tage nehmen können. Wird Ihre Arbeitszeit in Ihrem Unternehmen elektronisch erfasst, ist es oft so, dass Sie Merharbeit automatisch abbummeln können. Das muss aber in Absprache mit dem Vorgesetzten erfolgen. Steht in Ihrem Arbeitsvertrag nichts zum Thema Freizeitausgleich, müssen Sie das individuell klären. Ihr Chef darf Ihnen Freizeit statt Geld aber nicht aufzwingen.

 


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