Serie Absurde Steuern – Bartsteuer

Bei Steuern waren Staaten schon immer erfindungsreich. Zum Beispiel: die Bartsteuer
Ein wertvoller Bart
Ein wertvoller Bart

Unsere Beispiele stammen aus dem Buch „Von der Aufruhrsteuer bis zum Zehnten: Fiskalische Raffinessen aus 5000 Jahren“, das bei Springer Gabler erschienen. Der Autor Reiner Sahm ist Steuerberater und Geschäftsführer einer Steuerberatungsgesellschaft

Figure Buchcover "Von der Aufruhrsteuer bis zum Zehnten"

Eine besonders eigenwillige Steuer führte Peter I. 1699 ein. In seinem Bestreben, westliche Lebensformen in Russland heimisch zu machen, verlangte er nicht nur eine entsprechende Kleidung, sondern stieß sich auch an der religiös begründeten Sitte der Männer, lange Bärte zu tragen. Um dieses Ärgernis abzuschaffen, schnitt er nicht nur Männern eigenhändig die Bärte ab, sondern führte sogar eine Bartsteuer ein. Wer von den Männern darauf bestand, die herkömmliche Barttracht beizubehalten, musste einen bestimmten Betrag entrichten, der für die verschiedenen Stände unterschiedlich hoch ausfiel. Um sich vom Bartscheren befreien lassen, mussten die Kaufleute des obersten Standes 100 Rubel zahlen. Von Kaufleuten, Höflingen und Beamten geringerer Herkunft wurden 60 Rubel verlangt, alle anderen Stadtbewohner hatten 30 Rubel pro Bart zu entrichten. Auch bärtige Besucher vom Lande durften ihren Bart nur nach einer Entrichtung von einer Kopeke wieder mit nach Hause nehmen. Von der Bartsteuer Befreite erhielten besondere Bartsteuerquittungen, die sie immer mit sich zu führen hatten, damit sie sofort vorgezeigt werden konnten, wenn sie auf der Straße von Soldaten kontrolliert wurden. Die Soldaten hatten Befehl, jeden Bartträger sofort zu scheren, wenn er die Bartsteuer nicht entrichtet hatte.
Vor allem die Altgläubigen, die sich aus religiösen Gründen nicht von ihre Bärte trennen wollten, mussten wohl oder übel diese Steuer entrichten; denn im 16. Jh. hatte ein russisches Konzil das Rasieren verboten, weil dies „die Verhöhnung des Gottesbildes im Menschen“ sei.

Bislang in dieser Serie veröffentlicht:

- die Fräuleinsteuer

- die Tür- und Fenstersteuer

- die Hexensteuer

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