Gastbeitrag5 Eckpfeiler für Erfolg in jungen Jahren

Modebloggerin Masha Sedgwick
Jung und erfolgreich wie die Modebloggerin Masha Sedgwickdpa

„Wieso sind manche Menschen schon früh erfolgreich und was können wir von ihnen lernen?“ Diese beiden Fragen haben mich die letzten 18 Monate lang begleitet. Dabei herausgekommen ist mein neues Buch „Junge Überlieger – Millennials eine Generation auf der Erfolgsspur“. Der Hintergedanke dabei war: Wir kommen oft durch den anderen, durch ein positives Beispiel, zu dem Schluss: „Wenn der das kann, dann kann ich es auch; dann kann auch ich große Projekte angehen und nach größeren Zielen streben. Und dadurch, dass ich sehe, dass andere ebenfalls schwere Phasen durchgemacht haben, ermutigt es mich, in herausfordernden Zeiten genauso am Ball zu bleiben und den Kopf nicht in den Sand zu stecken.“

Buchcover "Junge Überflieger"
Buchcover „Junge Überflieger“

Vom jungen Außenminister Österreichs Sebastian Kurz, über Comedian Chris Tall, Handball-Torwart Andreas Wolff, Fitness-Ikone Sophia Thiel, Rapper Kontra K, dem jüngsten Sterne-Koch Deutschlands Philipp Stein, Unternehmerin Delia Fischer, Mode-Bloggerin Masha Sedgwick und Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich – so wie vielen weiteren – haben aus den unterschiedlichsten Bereichen spannende Persönlichkeiten am Projekt mitgewirkt.

Und natürlich gab es auch bei diesen jungen Überfliegern die üblichen Erfolgsgaranten: härter und klüger zu trainieren beziehungsweise zu arbeiten als andere, sich immer wieder gezielt herauszufordern und die Komfortzone zu verlassen sowie von den Besten zu lernen. Darüber hinaus haben sich die folgenden fünf Punkte wie ein roter Faden durch alle Gespräche und Geschichten gezogen und können deshalb als Eckpfeiler für Erfolg in jungen Jahren festgemacht werden:

  1. Die Geduld sich einer Sache zu widmen, auch wenn sie nicht sofortige Resultate mit sich bringt,
  2. unnachahmliche Beständigkeit und Fokus,
  3. Weitblick trotz der Liebe für Details,
  4. anderer Umgang mit Rückschlägen,
  5. ein Ziel verfolgen, das größer ist als das eigene Ego.

#1 Geduld

Sich dem Wahn der Moderne, immer alles um jeden Preis noch besser, noch schneller, noch größer zu machen, bewusst und regelmäßig zu entziehen, ist vermutlich eines der wenigen wirklichen Erfolgsgeheimnisse junger Überflieger. Der Rest ist weitläufig bekannt, obgleich er nicht weitläufig gelebt wird.

Kontra K hat zum Beispiel 10 Jahre lang Texte geschrieben und Songs produziert, obwohl er kaum Anerkennung dafür erhielt, bevor ihm der große Durchbruch gelang und er schließlich die Spitze der Charts stürmte. Sebastian Kurz führte eine ganze Zeit lang die Rankings als unbeliebtester Politiker in Österreich an, ehe er aufgrund seines jungen Alters ernst genommen wurde und die Chance bekam, sich zu bewähren. Chris Tall ist häufiger aufgetreten als die meisten seiner Kollegen, hat jahrelang beständig an sich gearbeitet und dann trotzdem einen seiner wichtigsten Auftritte komplett in den Sand gesetzt, bevor er den RTL-Comedy-Grand-Prix gewann, bei Stefan Raab auftrat und Hallen mit 15.000 begeisterten Zuschauern füllte.

Wenn es zwei Dinge gibt, die sich beim Streben nach Erfolg beißen, dann ist es das Bedürfnis nach sofortigen Resultaten und das Bedürfnis nach Spitzenleistungen. Das Minimax-Prinzip funktioniert nicht, wenn wir ein Geschick wirklich meistern wollen. Fast alle lohnenswerte Dinge im Leben, wie etwa Liebe, Freundschaft, Vertrauen oder Erfolg, müssen behutsam aufgebaut werden.

#2 Beständigkeit & Fokus

Diese Einsatzbereitschaft und die langfristige Hingabe drohen durch die Schnelllebigkeit zunehmend verloren zu gehen. Bevor wir uns heute in eine Sache hineinfuchsen und bereit sind, in Vorleistung zu gehen, muss sichergestellt sein, dass es sich lohnt und uns etwas bringt. Eine altbewährte Weisheit wird dabei leider oft außer Acht gelassen: Gut Ding will Weile haben. Vorrangig betrifft das genau die Bereiche, über die ich in „Junge Überflieger“ geschrieben habe: Sport, Musik, Kunst und Entertainment, Wissenschaft, Unternehmertum. Wer weit gekommen ist, hat die Bereitschaft gezeigt, sich seiner Sache langfristig zu widmen und nicht damit aufzuhören, wenn nach kurzer Zeit der ersehnte Erfolg ausblieb. Geduld und Beständigkeit sind die Meisterschlüssel und werden es auch bleiben, egal wie sehr wir uns technisch noch optimieren.

#3 Weitblick trotz Details-Verliebtheit

Diejenigen, die am weitesten gekommen sind, haben sich zwar schnell entwickelt, aber dabei nicht in Kauf genommen, wichtige Entwicklungsschritte und -prozesse auf dem Weg zu missachten. Während es dem Zeitgeist entspricht, alles sofort, schnell und einfach serviert bekommen zu wollen, um nicht den Anschluss zu verlieren, gehen auch die heutigen Überflieger immer noch den einzigen Weg, der zum Gipfel führen kann: Das langfristige Ziel wird der sofortigen Genugtuung übergeordnet. Wenn etwas Zeit braucht, um zu gedeihen – und das betrifft letztlich alle besonderen Fähigkeiten -, wird dem auch die nötige Zeit eingeräumt. Erfolg über Nacht bleibt deshalb auch immer nur ein Mythos.

#4 Anderer Umgang mit Rückschlägen

Nichts ist schlimmer als der Moment der Niederlage, der Demütigung, des Sturzes, des Misserfolgs. Er kränkt uns, lässt uns zweifeln und trifft uns oft bis ins Mark. Er schmerzt fürchterlich. Doch gerade weil er so fürchterlich schmerzt, ist er auch so mächtig. Er kann zu einem großen Antrieb werden und zu einem Ausmaß motivieren, das den Betroffenen zu ungeahnten Höhen katapultiert. Es ist der Gekränkte, der Getroffene, der, der den bitteren Geschmack des Scheiterns zu schmecken bekommen hat, der mehr von sich abverlangt als zuvor. Rückblickend sind es oft die aussichtslosen Zeiten, die dunklen Phasen und die größten Niederlagen, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

Auch der Blick in die Geschichten der jungen Überflieger hat gezeigt: Oft waren es die schmerzlichen Phasen, die sie an die Spitze geführt haben. Jannike Stöhr hat es schön auf den Punkt gebracht, als sie sagte: „In Krisen richten wir den Fokus automatisch auf das Wesentliche.“ Oder Joshua Kimmich, der erzählte, dass wir besonders dann, wenn es nicht so läuft, den Blick auf das richten, was wir besser machen können.

#5 Ein Ziel verfolgen, das größer ist als das eigene Ego

Dieser letzte Punkt ist der alles entscheidende. Denn nur durch ihn, können sich die anderen genannten Eckpfeiler entfalten. Nur wenn das Ziel größer ist als das eigene Ego, bringt man die Geduld auf, jahrelang dran zu bleiben – auch ohne große Anerkennung dafür zu erhalten; nur dann macht man nach Rückschlägen und zwischenzeitlichem Scheitern weiter; nur dann macht man weiter, auch wenn mal zwischenzeitlich keinen Spaß macht; nur dann hat man die nötige Willensstärke, die sofortige Genugtuung dem langfristigen Ziel unterzuordnen.

Und genau das ist gerade heute eine besondere Stärke, weil wir heutzutage in eine Welt geboren werden, in der die Schnelllebigkeit schnell zu einer Bürde werden kann; in der wir erwarten, dass wir alles sofort bekommen, dass es möglichst einfach ist und wir etwas erhalten bevor wir etwas geben müssen. Diese irrsinnige Vorstellung von Wirkung und Ursache umzukehren und die Bereitschaft aufzubringen, zuerst zu liefern, ohne dass ein Resultat garantiert ist, weil es keine Option ist, es nicht zu machen, das ist die zentrale Eigenschaft die erfolgreiche junge Macher ausmacht.


Jonathan SierckJonathan Sierck ist Autor, Vortragsredner und Mit-Gründer der Inspired World GmbH. Der Jungunternehmer will seine Kunden bei Selbst-Management und Arbeitseffizienz unterstützen. Sein Buch „Junge Überflieger“ ist im Redline Verlag erschienen. (Foto: Nils Schwarz)